Hilfe für Greetsiel Bund stockt Treibstoffhilfen auf
Der Bund stockt die Treibstoffbeihilfen für Nord- und Ostseefischer auf. Die Fischer in Greetsiel begrüßen das, werden aber nicht euphorisch.
Greetsiel - Für die deutschen Fischer an Nord- und Ostsee werden zur Entlastung von gestiegenen Treibstoffkosten höhere Summen aus einem Hilfsprogramm des Bundes möglich. Das teilte das Agrarministerium in Berlin mit. Angesichts der andauernden Krise wird demnach die maximal zulässige Hilfe pro Betrieb von 35.000 auf 75.000 Euro angehoben. Zur Begründung hieß es, gerade bei größeren Firmen und Schiffen über 40 Meter Länge reiche die bisherige Höchstgrenze nicht aus, um die gestiegenen Kosten abzufedern.
Was und warum
Darum geht es: Die Greetsieler Fischer plagen weiter Existenzängste.
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Deshalb berichten wir: Das Agrarministerium des Bundes hat die Treibstoffbeihilfen erhöht. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
„Ob das reicht, vermag ich nicht zu sagen“, sagt auf Nachfrage der Greetsieler Fischer Jann-Tjado Gosselaar. „Aber wir greifen gerade nach jedem Strohhalm.“ Mit der Erhöhung der Maximalsummen pro Unternehmen solle ein Beitrag dazu geleistet werden, die deutsche Fischereiwirtschaft aufrechtzuerhalten, so ein Sprecher des Agrarministeriums. Konkret sind je nach Art der Kutter und größeren Fischereischiffe pauschale Beträge von 450 Euro bis 35.000 Euro vorgesehen. Hat ein Fischereibetrieb mehrere Schiffe, werden die Pauschalbeträge pro Fahrzeug demnach bis zur neuen Obergrenze von 75.000 Euro addiert.
Beihilfe ist abhängig von der Schiffslänge
Gosselaar gibt aber zu bedenken, dass es sich bei den genannten Summen um die Höchstbeiträge handelt. „Wer wie viel bekommt, ist abhängig von der Schiffsgröße und entsprechend gestaffelt“, so Gosselaar. Die meisten Fischerboote in Greetsiel hätten, bei der vorherigen Höchstbeihilfe von 35.000 Euro, im Bereich von 9000 Euro gelegen. Dabei handelt es sich um eine einmalige Auszahlung für das ganze Jahr.
Die Staffelung sei abhängig von der Länge des Kutters. „Den Höchstbetrag haben bisher nur Schiffe ab einer Länge von 24 Metern bekommen“, so Gosselaar. Die neue Staffelung kenne er noch nicht. Die meisten Boote in Greetsiel hätten eine Länge von unter 18 Metern, ein paar seien aber auch länger.
Viele Rechnungen bleiben lange liegen
Ob die Aufstockung der Beihhilfen die Situation der Fischer in Greetsiel und in anderen Orten an der Nord- und Ostseeküste verbessert? „Es hilft zumindest ein bisschen“, so Gosselaar. Aber niemand wisse, wie sich die Preise für Treibstoff entwickeln. Zwar könnten die Fischer ihren Sprit unversteuert beziehen, aber die Verteuerung sei dennoch spürbar. „Früher machte Treibstoff 20 bis 30 Prozent der Kosten aus. Heute sind es 60 bis 70 Prozent, bei manchen noch mehr“, so der Greetsieler. Ungefähr 2500 Liter Schiffsdiesel verbrauche ein Kutter im Schnitt pro Woche. Viele Fischer müssten das Begleichen von Rechnungen schon jetzt so weit wie möglich hinausschieben. „Die Lieferanten sind da oft kulant, aber irgendwann ist bei denen auch Schluss“, sagt Gosselaar. Manche Betriebe würden schon nicht mehr betankt.
Die Chancen auf noch höhere Beihilfen sehen dabei aktuell nicht rosig aus. Das Ministerium schöpfe schon jetzt, so heißt es in der Mitteilung, den vollen Spielraum aus, der sich aus geänderten europäischen Rahmenbedingungen ergibt. Das Gesamtvolumen bleibe zudem bei zehn Millionen Euro. Das bundeseigene Thünen-Institut habe berechnet, dass dies auch bei den höheren Maximalbeträgen je Betrieb ausreiche, damit alle berechtigten Fischereiunternehmen profitieren könnten. Zu Kürzungen einzelner Beihilfen werde es nicht kommen, wird betont.
Das Hilfsprogramm für Fischereibetriebe, die besonders von Folgen des Ukraine-Krieges betroffen sind, war am 11. Juli gestartet worden. Wenn Fischer schon Hilfen beantragt oder ausgezahlt bekommen haben, müssten sie nun keinen neuen Antrag stellen, so das Agrarministerium. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung werde die neue Obergrenze in laufenden Antragsverfahren berücksichtigen und für bereits bearbeitete Anträge gegebenenfalls neue Bescheide schicken.
Mit Material der dpa.
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