Nettwark Hinte Mehr als nur Repair-Café – Netzwerk bietet Hilfe im Alter
Mit dem Wegfall der Corona-Beschränkungen bietet auch das Nettwark Hinte wieder mehrere Veranstaltungen an. Diese Zeitung hat mit dem Initiator gesprochen.
Hinte - Am Wochenende fand zum dritten Mal das Repair-Café in Hinte statt. Organisiert wurde das Angebot, das vorbehaltlich der Corona-Situation jetzt wieder regelmäßig stattfinden soll, vom Nettwark Hinte. Nettwark gibt es in der Gemeinde Hinte seit acht Jahren. Zuletzt war es aber ruhig um den Zusammenschluss von Ehrenamtlichen geworden.
Was und warum
Darum geht es: Nettwark Hinte bietet Hilfe nicht nur für ältere Menschen in der Gemeinde an.
Vor allem interessant für: Seniorinnen und Senioren, Angehörige und diejenigen, die sich gerne sozial engagieren wollen.
Deshalb berichten wir: Das Nettwark Hinte bietet wieder Veranstaltungen an. Wir wollten wissen, wie es dem Zusammenschluss geht. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Das bedeutet aber nicht, dass es dem Zusammenschluss schlecht geht. „Ich würde sogar sagen, wir sind gefragter und wichtiger denn je“, sagt Wolfgang Hildebrandt. Der 79-Jährige ist die Schaltzentrale und bis zu einem gewissen Grad auch das Gesicht von Nettwark Hinte. „Die Pandemie hat uns dennoch stark ausgebremst, gerade was die Hilfe von Bedürftigen angeht“, sagt Hildebrandt.
Was ist Nettwark Hinte?
Die „Initiative von Bürgerinnen und Bürgern“, wie sich Nettwark selbst beschreibt, hat sich zum Ziel gesetzt, vor allem „älteren Menschen und Menschen mit Einschränkungen“ Unterstützung anzubieten. „Wir besuchen zuhause oder auch im Wohnpark Concordia“, sagt Hildebrandt. Wenn er wir sagt, dann meint er einen Kern von ungefähr zehn Personen. „Wir sind altersbedingt ein bisschen weniger geworden.“
Wichtig ist es Hildebrandt, dass Nettwark kein Pflegedienst ist und auch kein Verein. „Bei uns geht man keine Mitgliedschaft und keine Verbindlichkeiten ein“, sagt er. Wer sich engagiert, der macht das ganz so, wie er oder sie es kann.
Was tut Nettwark Hinte?
Die Aufgaben sind dabei durchaus vielfältig. Kleine handwerkliche Arbeiten, für die sich ein Anruf bei Firmen einfach nicht lohne, Hilfe beim Einkauf, bei Behörden „oder einfach mal Zeit, ein nettes Gespräch und Aufmerksamkeit“, sagt Hildebrandt. „Gesellschaft oder einfach schnelle Hilfe bieten, das reicht vielen Menschen“, sagt Hildebrandt. Ob zweimal pro Woche oder nur einmal im Vierteljahr: Nettwark sei stets bemüht, Hilfsbedürftige oder einfach einsame Menschen mit den passenden Ehrenamtlichen zusammenzubringen. Einen professionellen Pflegedienst könne und wolle man aber nicht ersetzen. „Wir schließen eher die Lücken und setzen da an, wo andere Dienste aufhören“, sagt Hildebrandt. Gerade in der Gemeinde Hinte würden viele ältere Menschen noch im eigenen Haus wohnen. „Das hat damals die Befragung zum Seniorenkonzept gezeigt“, sagt Hildebrandt.
Neben diesem Angebot, welches eher auf einzelne Senioren oder Hilfsbedürftige abzielt, organisiert Nettwark aber auch Veranstaltungen wie das Repair-Café, Seniorenfrühstück oder Klön- und Spielnachmittage. „Da haben wir auch Helfer, die dann einfach gerne Fahrdienst machen“, sagt der 79-Jährige. Denn an mangelnder Mobilität solle die Teilnahme an diesen geselligen Runden nicht scheitern.
Was bringt Nettwark Hinte?
Das Engagement im Nettwark bringe für alle Seiten viel Positives mit sich, ist Hildebrandt überzeugt. „In dem Wort steckt ja einiges drin“, sagt er. Zunächst die „nett wark“, die „nette Arbeit“, aber auch das Netzwerk. „Wir fragen uns immer: Wo können wir bestehende Strukturen verstärken oder miteinander verknüpfen“, sagt Hildebrandt. So könne Nettwark auch einfach Hilfesuchenden die richtige Richtung weisen.
Doch nicht nur die Suchenden profitieren, auch für die Ehrenamtlichen sei die Arbeit gewinnbringend. Man lerne nicht nur Menschen kennen, sondern man habe auch das gute Gefühl, helfen zu können. „Wir treffen uns auch regelmäßig intern und besprechen, was es Neues gibt“, so Hildebrandt. Wer sich engagiere, der werde nicht allein gelassen.
Welche Schwierigkeiten gibt es?
Doch auch wenn es insgesamt „gut“ laufe, müsse Nettwark Hinte auch mit Problemen umgehen. Das eine Problem sei der Nachwuchs. „Wir brauchen eigentlich immer Unterstützung“, sagt Hildebrandt. Das Alter der Helfenden sei dabei egal. „Es findet sich immer etwas“, ist er sich sicher.
Ein weiteres Problem sei aber, überhaupt an die Hilfesuchenden heranzukommen. „Die Bedürftigkeit ist groß, aber die Hemmschwelle auch“, sagt Hildebrandt. Oft würden sich die Kinder von Menschen, die ihrer Meinung nach Hilfe brauchen, beim Nettwark Hinte melden. „Leider weiß die betroffene Person davon nicht immer etwas“, sagt Hildebrandt. Das sei aber Voraussetzung. „Wir können nur dann helfen, wenn unsere Hilfe auch gebraucht wird.“ Um die 15 Personen würden aktuell direkt zuhause unterstützt. „Wir würden da gerne mehr anbieten“, aber dafür brauche es weitere Helfer.
Was bringt die Zukunft?
Unterstützt bei der Arbeit wird Nettwark Hinte unter anderem auch von der Gemeinde. Das gehe schon damit los, dass die Gruppe das Haus Simon für Treffen und Veranstaltungen nutzen kann. Auch sonst sei man im steten Austausch mit verschiedenen Akteuren, darunter auch dem Seniorenbeauftragten der Gemeinde oder den Ortskümmerern.
Davon, dass die Zahl der Hilfebedürftigen künftig abnehmen werde, geht Hildebrandt nicht aus. eher im Gegenteil. Deswegen müsse man sich gesamtgesellschaftlich endlich mit der Frage auseinandersetzen, wie der letzte Lebensabschnitt, das Alter, „besser gestaltet werden kann“. Was Initiativen wie Nettwark Hinte machen könnten, sei natürlich nur ein bescheidener Teil. „Aber es ist ein Anfang.“ Dennoch würden Fragen wie die ärztliche Versorgung, aber auch alternative Wohnformen oder neu gedachte Hilfsangebote ein drängendes Thema. „Die Probleme werden gesehen“, sagt Hildebrandt. „Aber die unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten vielleicht noch nicht.“
Nettwark Hinte ist nach dem Vorbild von Nettwark Emden entstanden. Beide Zusammenschlüsse bieten Ähnliches an. Kontakt zum Nettwark Hinte gibt es unter Telefon 0151/25795900 oder per E-Mail an nettwark.info@gmx.de. Informationen zum Nettwark Emden gibt es unter http://www.nettwark-emden.de.