Gas-Krise und Klimaschutz Kirchen sollen im Winter nicht heizen
Klima- und Gaskrise: Gemeinden sollen im Winter Gotteshäuser kaum oder wenig heizen. Die Folgen werden sich unterscheiden. Aber einen Fehler sollten alle vermeiden.
Rheiderland/Oldenburg - Derzeit laufen die Diskussionen, Kirchenräte treffen sich, überlegen, wie sie mit der Nachricht umgehen sollen: Die evangelisch-reformierte Kirche empfiehlt ihren Kirchengemeinden, im Winter auf das Heizen von Kirchen zu verzichten. Aufgrund der aktuellen Klima- und Energiekrise sei dies erforderlich, heißt es in einem Beschluss des kirchenleitenden Gremiums Moderamen, wie Kirchensprecher Ulf Preuß in Leer mitteilte. Die Gemeinden sollten „aus Verantwortung und Solidarität freiwillig so viel Energie einsparen wie möglich“. Die Energieversorgung privater Haushalte und wichtiger Wirtschaftszweige habe Vorrang.
Was bedeutet das nun für die Gemeinden? „Wir beraten uns derzeit“, sagt zum Beispiel Barbara Wündisch-Konz, Pastorin in der reformierten Kirchengemeinde Stapelmoor. Man habe sich in der Pastorenkonferenz ausgetauscht, der Kirchenrat treffe sich am Donnerstag. Umziehen in kleinere, gut beheizbare Räume, in die am besten isolierte oder kleinste Kirche, ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden für eine gemeinsame Lösung: All das wird derzeit vielerorts diskutiert.
Individuelle Lösungen gesucht
Aus der Sicht der Denkmalpflege ist eines wichtig: „Man darf nicht den Fehler machen, weil alles im Gemeindehaus stattfindet, die Kirche abzuschließen und sich selbst zu überlassen“, sagt Landeskirchenmusikdirektor der evangelisch-reformierten Kirche, Winfried Dahlke. Gerade die Feuchtigkeit müsse man im Auge behalten. „Insbesondere, wenn vereinzelt Veranstaltungen stattfinden, muss man überlegen, wie man die Feuchtigkeit, die durch die Besucherinnen und Besucher eingetragen wird, wieder hinausbekommt.“
Der Vizepräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Helge Johr, unterstrich, dass die Gemeinden Messgeräte zur Temperatur- und Feuchtigkeitsmessung erhalten können, damit Feuchtigkeitsschäden in historischen Gebäuden vermieden werden können.
Musik wird schwerer
Zwischen Weihnachten und Ostern sollten die Gemeinden die Kirchengebäude nicht heizen, heißt es laut Sprecher Preuß in dem Empfehlungsschreiben. Die Gemeinde könne sich aber für Gottesdienste an jedem Ort versammeln. „Eine sogenannte ‚Winterkirche‘ in kleineren Räumen hat ihren eigenen Charme“, sagt Dahlke. Man höre die Predigt direkter, nehme die Gemeinschaft stärker wahr. Chöre oder Orchesterauftritte seien allerdings wohl kaum möglich.
Für die Kirchenmusik habe der Gas-Sparplan somit sicher Auswirkungen. Aber: „Ich habe von der Idee gehört, dass man, wenn man alle paar Wochen für Taufen geheizt worden ist, gleich im Anschluss Konzerte stattfinden könnten. Es ist alles eine Frage der Abstimmung.“ Aber es stehe außer Frage, dass sich die Gemeinden nicht für das Heizen finanziell ruinieren können.
Teure Restaurierung für die Katz?
Um die Orgeln, die teilweise für viel Geld aufwändig restauriert worden sind, müsse man nicht generell keine Sorgen machen, sagt Dahlke. Es halte sich hartnäckig die Meinung, dass die Instrumente Schaden nähmen, wenn nicht oder wenig geheizt werde. „So haben sie allerdings die Jahrhunderte überstanden. Die große Restaurierungswelle wurde nötig, eben weil verstärkt geheizt wurde“, erklärt er.
Gleichzeitig dürfe es natürlich auch nicht so kalt werden, dass die Heizungsrohre bei Frost Schaden nehmen, sagt er. Viele Gemeinden hielten aber sowieso schon lange in ihren Gotteshäusern niedrige Temperaturen, damit das Heizen ökonomisch bleibe. „Viele liegen bei um die zwölf Grad. Derzeit sind eher fünf Grad oder sieben Grad im Gespräch.“ Gänzlich ausgekühlte Räume zu heizen, verbrauche am Ende mehr Energie. Die Vorgehensweisen seien sehr unterschiedlich. „Einige Kirchen in der Region haben gar keine Heizungen mehr“, so Dahlke.
Gemeinsame Lösungen
Die Kirchenleitung appelliert Preuß zufolge an die Gemeinden, mit anderen Kirchengemeinden zu kooperieren. Es sei sinnvoll, in einer Region das energieeffizienteste Gebäude für Gemeindegruppen zu nutzen. Dies gelte auch für Trauer- und Traugottesdienste. Die Vorgaben der Bundesregierung zum Energiesparen in öffentlichen Gebäuden gilt auch für Kirchengemeinden. Gemeindehäuser, Gemeindebüros und Amtszimmer von Pfarrerinnen dürften nicht wärmer als 19 Grad beheizt werden. Ausgenommen seien Kindergärten und Pflegeeinrichtungen. Sollten Kirchengemeinden trotz aller Sparmaßnahmen die Energiepreise nicht zahlen können, könne ein Antrag auf Unterstützung durch die Gesamtkirche gestellt werden, so Vizepräsident Johr.
Nicht nur in der reformierten Kirche wird besprochen, wie es im Winter weitergeht: Ein Arbeitskreis der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg habe den Gemeinden in einem Rundschreiben empfohlen, das Heizen drastisch zu reduzieren und wo immer möglich ganz darauf zu verzichten, teilte die Kirche mit. Von Januar bis April soll man auch dort auf Gottesdienste und Konzerte in Gemeindehäusern als „Winterkirche“ oder in Kooperation mit anderen Gemeinden in kleineren, besser beheizbaren Kirchen setzen.
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