Bürgerinitiative in Jennelt  Prominente Unterstützung für Grundschulstandort

| | 14.09.2022 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Konnten deutlich mehr Unterstützer begrüßen als erwartet: Jutta Lerche-Schaudinn, ehemalige Leiterin der Grundschule Jennelt, und Johannes Booken, Vorsitzender vom Förderverein der Grundschule. Foto: Hock
Konnten deutlich mehr Unterstützer begrüßen als erwartet: Jutta Lerche-Schaudinn, ehemalige Leiterin der Grundschule Jennelt, und Johannes Booken, Vorsitzender vom Förderverein der Grundschule. Foto: Hock
Artikel teilen:

In dieser Woche fand das erste Treffen einer neuen Bürgerinititaitive in Jennelt in der Krummhörn statt. Die Initiative will den Schukstandort erhalten – und hat „prominente“ Mitstreiter.

Jennelt - Die ehemalige Leiterin der Grundschule Jennelt, Jutta Lerche-Schaudinn, hatte mit 20 Leuten gerechnet. Doch der Fortbestand der Einrichtung in dem kleinen Krummhörner Dorf beschäftigt wohl noch mehr Menschen. Das zeigte am Dienstag das erste Treffen der Unterstützer des Standorts in der Jennelter Kirche, zu dem deutlich mehr Leute als erwartet kamen, die die Schule auf die eine oder andere Art unterstützen wollen.

Allein 143 Unterschriften können an diesem Abend gesammelt werden. „Wir sagen JA! zum Erhalt des Grundschulstandortes Jennelt“, steht über den Unterschriftenbögen, die von den meisten Teilnehmern gleich zu Beginn ausgefüllt werden. Und damit ist die Forderung der Bürgerinitiative auch auf den Punkt gebracht. „Es ist wichtig, dass wir jetzt zeigen, dass der Schulstandort erhalten bleibt“, so Lerche-Schaudinn in einer kurzen Ansprache. „Wir wollen Druck auf die Politik ausüben“, sagt Johannes Booken, Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule.

Frank Baumann sagt Unterstützung zu

Unter den Teilnehmern sind auch durchaus „prominente“ Krummhörner, die ihre Unterstützung zusichern. Darunter auch der Vorgänger der aktuellen Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos): Frank Baumann. In seiner Amtszeit begann die langjährige Diskussion um Neubau oder Kernsanierung der Grundschule Jennelt. Kurz nach der vergangenen Bürgermeisterwahl, bei der er selbst nicht antrat, kam dann das, was bei vielen Jenneltern Unsicherheit auslöste: Es wurde eine Bedarfsanalyse beschlossen, die die Grundschul- und Kitalandschaft in der Gemeinde untersucht.

„Da waren wir eigentlich schon einen Schritt weiter“, so Baumann am Rande der Veranstaltung gegenüber dieser Zeitung. Zum Ende seiner Amtszeit sei man gerade in der Terminfindung für eine Klausurtagung mit Politik sowie mit Eltern- und Schulvertretern aus Jennelt gewesen. „Das wäre eine Möglichkeit für alle gewesen, sich kennenzulernen und mehr Gefühl und Verständnis füreinander zu entwickeln“, so Baumann. Doch zu dieser Klausurtagung kam es nie.

Schließung würde Orte am Gemeinderand unattraktiv machen

Allerdings gab es auch immer wieder Kritik von der Schule am damaligen Bürgermeister. „Auch wenn wir uns noch so gefetzt haben, wir haben immer wieder zusammengefunden“, sagt Baumann über das Verhältnis zu Lerche-Schaudinn. „Im Grunde wollten wir beide ja das Gleiche: den Erhalt des Standorts.“ Jetzt, wo er „nur noch Bürger“ ist, wolle er die Bürgerinitiative bei ihrem Anliegen unterstützen. „Sofern das gewollt ist“, betont Baumann.

Auch Sascha Ukena, Vorsitzender des SPD-Gemeindeverbands Krummhörn, sagt seine Unterstützung zu. Ukena ist beruflich bei der Gemeinde Hinte mit dem Aufgabenfeld Kitas betreut. Ebenfalls möchte Henning Paulsen-Jacobs helfen, der bis zur Wahl im vergangenen Jahr für die FBL im Rat saß und einer der beiden Gegenkandidaten von Hilke Looden war. „Damit auch die Orte am Rand für Familien interessant bleiben, muss es auch dort gute Angebote für die Kinderbetreuung geben“, so Paulsen-Jacobs. Eine Schließung beispielsweise von Jennelt hätte auch Auswirkungen auf die umliegenden Orte. „Von Schließungen profitiert nur Pewsum“, ist er sich sicher.

Kirchengemeinde wendet sich an Bürgermeisterin

Eine weitere Fürsprecherin hat die Bürgerinitiative in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Jennelt. „Wir haben uns schon Anfang des Jahres an die Bürgermeisterin gewandt“, betont Pastor Siek Postma. „Kirchengemeinde und Kirchenrat sind für einen Erhalt und einen Neubau“, betont er. „Aber nicht nur der Grundschule, sondern auch der Kita.“ Nur so könne die erfolgreiche Zusammenarbeit der vergangenen mehr als zwei Jahrzehnte fortgesetzt werden.

Die Unsicherheit bei den Jenneltern und den Menschen in den umliegenden Orten rührt auch daher, dass das Votum der Politik nicht mehr eindeutig ist. Zuletzt hatten sich nur SPD und FBL eindeutig für einen Erhalt aller Standorte ausgesprochen. Die Bedarfsanalyse, die voraussichtlich erst Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres konkrete Ergebnisse liefern wird, hatte – speziell bezogen auf den Ort Jennelt – die Diskussion von Neubau oder Kernsanierung um den Punkt Schließung erweitert. So zumindest die allgemeine Wahrnehmung.

Bereits im Jahr 2014 gab es durch die auch jetzt beauftragte Firma Biregio eine landkreisweite Analyse der Schulstandorte. Damals wurde empfohlen, Greetsiel und Loquard zu schließen. Die Politik folgte dem Vorschlag seinerzeit nicht. Auch jetzt sind die Ergebnisse der Bedarfsanalyse eine Richtschnur, an die die Politik nicht gebunden ist.

Das nächste Treffen der Bürgerinitiative findet am Mittwoch, 21. September, um 18 Uhr in der Oll School Jinnelt statt. Es sollen Ideen für das weitere Vorgehen entwickelt werden.

Ähnliche Artikel