Schlaflabor und Apotheken  Immer mehr Menschen schlafen schlecht

| | 06.10.2022 14:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Verkabelt verbringt man die Nacht im Schlaflabor. Das soll Daten für eine Diagnose liefern. Foto: dpa/Weihrauch
Verkabelt verbringt man die Nacht im Schlaflabor. Das soll Daten für eine Diagnose liefern. Foto: dpa/Weihrauch
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Verkehrte Welt: Nachts nicht schlafen können und über den Tag dann müde. Immer mehr Menschen zeigen Anzeichen einer Schlafstörung. Eine Schlafexpertin und eine Apothekerin verraten, was dagegen hilft.

Ostfriesland - Nachts im Bett liegen und sich von der einen Seite auf die andere wälzen. Im Kopf schwirren Sorgen, Nöte und Ängste. Das Einschlafen scheint vollkommen unmöglich. Ein Problem, mit dem viele Menschen zu kämpfen haben. Verschiedenste Ursachen stören regelmäßig unseren Schlaf, ob Schnarchen, Zuckungen oder Alpträume. Oft hat man Schlafstörungen über mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte und merkt es nicht.

Was und warum

Darum geht es: Die Leiterin eines Schlaflabors und eine Apothekerin reden über Ursachen und Lösungen für Schlafprobleme.

Vor allem interessant für: Menschen mit Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen.

Deshalb berichten wir: Verschiedenste Sorgen lassen viele Menschen nicht mehr richtig einschlafen.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

Eine Überweisung ins Schlaflabor Ostfriesland in Leer kann daraus folgen. Dessen Leiterin, Barbara Stoll-Fischer, beobachtet schon seit zwei Jahren einen Zuwachs an Schlafpatienten: „Das hat schon mit Corona angefangen, aber die Leute sind wegen vielerlei Dinge in Sorge.“ Der Ukraine-Krieg und die aktuelle Krise hätten die Zahlen nicht signifikant in die Höhe schießen lassen. Meist behandle das Schlaflabor Personen, die schon lange an einer Schlafapnoe leiden. „Es ist natürlich sehr verzögert, bis ein Patient zu uns geschickt wird“, sagt die 62-Jährige. Es dauere, bis man eine Störung überhaupt bemerkt und dann zum Arzt gehe. Nur dieser könne eine schlafmedizinische Untersuchung in Erwägung ziehen und eine Überweisung zum Labor ausstellen.

Barbara Stoll-Fischer vom Schlaflabor Ostfriesland. Sie beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Schlafstörungen aller Art. Foto: Schlaflabor Ostfriesland
Barbara Stoll-Fischer vom Schlaflabor Ostfriesland. Sie beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Schlafstörungen aller Art. Foto: Schlaflabor Ostfriesland

Mehr Männer als Frauen betroffen

Stoll-Fischer erzählt, dass bei den Über-60-Jährigen mehr als 60 Prozent der Männer und mehr als 40 Prozent der Frauen Anzeichen von Schlafstörungen haben. „Dazu zählen Insomnie, lautes Schnarchen und Atemaussetzer in der Nacht, aber auch Sekundenschlaf und extreme Müdigkeit am Tag.“ Aber auch ein Einnicken beim Zeitung lesen oder ein häufiger nächtlicher Toilettengang können ein Symptom sein. Bei den Über-30-Jährigen seien es zehn Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen. Schlafstörungen nehmen im Allgemeinen zu. Durch Corona hätten die Leute mehr Zeit gehabt, um auf sich selber zu achten. Da falle so ein Problem eher auf. Auch Gewichtszunahme durch weniger Sport in der Pandemie könne eine Ursache für eine Apnoe sein. „Die Wahrnehmung des eigenen Schlafs ist oft falsch. Darum sind es meist Ehepartner, welche eine Schlafstörung feststellen und dann ihren Lebensgefährten zum Haus- oder Facharzt schicken.“

Als Erstes werde eine Polygraphie, eine Voruntersuchung zu Hause, vom Arzt angeordnet. Hierbei wird die Sauerstoffversorgung im Schlaf mithilfe eines kleinen Gerätes gemessen. Es gibt zudem Aufschluss über vermeintliche Atemaussetzer. Dann wird gegebenenfalls eine Überweisung ins Labor ausgestellt. „Hier im Schlaflabor wollen wir die Ursachen und nicht die Symptome behandeln“, so die schlafmedizinische Assistentin. Aus diesem Grund werden nur in seltenen Fällen Medikamente verschrieben. Die Patienten verbringen eine oder mehrere Nächte im Labor und es wird eine Polysomnographie erstellt. Diese zeigt elektrische sowie andere Körperfunktionen und die Schlafstadien. Daraus können Schlafstörungen ermittelt werden.

Eine gute Schlafhygiene hilft

Den eigenen Schlaf zu verbessern, ist aber auch daheim möglich, so Stoll-Fischer. Das Stichwort lautet Schlafhygiene: „Das Schlafzimmer sollte abgedunkelt, durchgelüftet, ungefähr 16 Grad warm und vor störenden Geräuschen geschützt sein.“ Außerdem sollten fetthaltige Mahlzeiten, Alkohol, Nikotin und Koffein direkt vor dem Schlafengehen vermieden werden. Das blaue Licht eines Fernsehers oder Handys verringere die Müdigkeit. Am besten solle man feste Uhrzeiten fürs Schlafen und Aufwachen haben.

Auf Nachfrage, ob Geräusche ebenfalls das Ausruhen erleichtern können, entgegnete sie: „Manche Patienten freuen sich, wenn es abends oder nachts anfängt zu regnen. Es hilft ihnen einzuschlafen.“ Sollte man dennoch aber wieder wach im Bett liegen, bringe es nichts es krampfhaft herbeizuzwingen. „Man sollte aufstehen und sich beschäftigen, bis man müde wird.“ Ein kurzer Spaziergang oder lesen können hierbei schon weiterhelfen.

Das Gedankenkarussel in Ordnung bringen

Die Apotheken in Ostfriesland können meist nur ein wenig mehr Einkäufe von Schlafmitteln verzeichnen. In der Fehn-Apotheke in Moormerland ist die Nachfrage nicht gestiegen. Die Pharmazeutisch-technische Assistentin Kerstin Smidt sagt: „Eine Menge Menschen kommen zu uns, die aus Stressgründen Probleme beim Einschlafen haben.“ Darunter seien auch viele, die wegen der aktuellen Krise Sorgen haben. Größere Rechnungen und steigende Preise machten diesen zu schaffen. In so einem Fall empfehle man Medikamente auf pflanzlicher Basis. „An chemische Mittel gewöhnt sich der Körper und man braucht mit der Zeit immer mehr. Das kann zu einer Sucht führen.“

Das Durchschlafen ist laut ihr weniger ein Problem. Kunden kämen eher in die Apotheke, weil sie schlecht einschlafen könnten. Smidt rät, Stress so gut es geht zu vermeiden und eine Schlafroutine einzuführen. „Bei vielen Leuten ist es ein Gedankenkarussel vor dem Schlafen gehen.“ Durch eine Routine könne man die Gedanken sortieren und sich einfacher entspannen. Sollte eine Person sich öfter nach Schlafmittel erkundigen, lege man ihr nahe, einen Arzt aufzusuchen.

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