Ostfriese verpasste seit 1996 keine EM und WM  Katar-WM sorgt vermutlich für das Ende einer langen Serie

| | 05.10.2022 20:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitte November startet in Katar die Fußball-WM. Foto: DPA
Mitte November startet in Katar die Fußball-WM. Foto: DPA
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Der Emder Kai Schoolmann reist seit 26 Jahren für den Fußball um die Welt. In den Flieger nach Katar steigt er aus verschiedenen Gründen vermutlich nicht. Eine kleine Hintertür lässt er aber offen.

Emden - Wenn eine Europa- oder Weltmeisterschaft ansteht, ist Kai Schoolmann mittendrin. Ob Russland, Brasilien, Japan oder Ukraine: Seit 1996 hat der Emder kein Turnier verpasst. Die bemerkenswerte Serie wird dieses Jahr vermutlich unterbrochen. Die Winter-WM in Katar, die in knapp sieben Wochen startet, versprüht auf den Fußball-Liebhaber keinen großen Reiz. „Es sieht stark danach aus, dass ich nicht nach Katar fliege“, erzählt der 50-Jährige.

Auch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika war Kai Schoolmann (rechts) vor zwölf Jahren dabei. Foto: Archiv
Auch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika war Kai Schoolmann (rechts) vor zwölf Jahren dabei. Foto: Archiv

Schon die umstrittene Vergabe an ein Land, das nicht ansatzweise als Fußball-Nation bekannt ist, sorgte 2010 beim Ostfriesen für Kopfschütteln. Die vergangenen Jahre mit vielen Vorwürfen und Berichten zu Menschenrechtsverletzungen, Zwangsarbeitern und Todesfällen bei den Stadionbauten bekräftigten das mulmige Gefühl.

Hotelpreise um die 1000 Euro

Auch die Fan-Reise an sich sorgt nicht für Begeisterungsstürme beim sonst so reisefreudigen Emder „Der Winter-Zeitpunkt, die Hotelpreise, die Ticketpreise, die Bier-Situation – das macht doch alles keinen Spaß.“ Bekannte aus der Fast-Allesfahrer-Szene berichteten ihm von Hotelpreisen um die 1000 Euro – pro Nacht. Die Ticketpreise seien auch eine Unverschämtheit. Während in der Vorrunde das günstigste Ticket der Kategorie 3 noch 61,50 Euro kostet, steigen die Preise bis zum Halbfinale auf mindestens 325 Euro. Für das Endspiel wären es dann mehr als 500 Euro. Auch auf sein Bier beim Spiel muss der Fan verzichten, es gibt in dem streng muslimischen Land vor und nach dem Spiel vorm Stadion dafür „feste Bierzonen“.

Das Treffen mit Menschen aus aller Welt und die Begegnungen vor Ort waren für den großen Fan des FC Bayern München immer Beweggründe, mehrere Wochen eine EM oder WM vor Ort zu erleben. Bei der EM 1996 in England packte den 24-Jährigen das „Turnier-Fieber“. Die damalige EM im Mutterland des Fußballs und die diesjährige WM im Scheich-Staat könnten gegensätzlicher kaum sein. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dort in den Stadien Stimmung aufkommt, wie wir es kennen“, meint Schoolmann. Er besuchte vor wenigen Jahren Spiele beim Asien-Cup in Katars Nachbarstaat Dubai.

Der Reiz liegt in der Ferne

Je weiter entfernt ein Spielort von Deutschland ist, desto spannender empfindet es Schoolmann. Nach seiner ersten WM 1998 in Frankreich ging es vier Jahre später auch nach Japan und Südkorea. Natürlich war er auch beim Endspiel zwischen Brasilien und Deutschland (2:0) in Yokohama live dabei. Es folgten Deutschland (2006), Südafrika (2010), Brasilien (2014) und Russland (2018). Zwischendurch ging es bei den Europameisterschaften in Niederlande/Belgien (2000), Portugal (2004), Österreich/Schweiz (2008), Ukraine/Polen (2012), Frankreich (2016) und in ganz Europa (2021) quer über den Kontinent. Immer mit dabei und im Stadion sichtbar: die „Grossheide“-Fahne – eine Hommage an seinen Heimatort.

Für die OZ fungierte Kai Schoolmann (links) als Kolumnist und hatte in Russland auch eine Zeitung mit im Stadion. Foto: Archiv
Für die OZ fungierte Kai Schoolmann (links) als Kolumnist und hatte in Russland auch eine Zeitung mit im Stadion. Foto: Archiv

Einige Wochen vor dem Eröffnungsspiel am 20. November zwischen Katar und Ecuador verspürt der Ostfriese keine große WM-Vorfreude. „Ich werde mir die Spiele im Fernsehen anschauen. Wenn es erstmal läuft und Deutschland auch erfolgreich ist, werden auch viele einschalten. Da bin ich mir sicher“, sagt der Volkswagen-Mitarbeiter.

Auch wenn viel weniger deutsche Fans zu dieser umstrittenen WM reisen werden – leer sein wird der Fan-Block sicherlich nicht. „Ein paar kenne ich auch, die sich auf den Weg machen“, sagt Kai Schoolmann, der sich eine kleine Hintertür offen lässt. „Mein Trend geht klar dahin, nicht nach Katar zu reisen. Aber wenn Deutschland ins Finale kommt, würde ich mir es für dieses eine Spiel vielleicht anders überlegen.“

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