Autos auf A31 von Steinen getroffen  Sind es Einzelfälle und wie will die Polizei die Täter stoppen?

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Von Vera Vogt
| 27.10.2022 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Nach Polizeimeldungen von Steinewerfern fährt man manchmal mit einem mulmigen Gefühl unter Autobahnbrücken durch. Symbolfoto: Ortgies
Nach Polizeimeldungen von Steinewerfern fährt man manchmal mit einem mulmigen Gefühl unter Autobahnbrücken durch. Symbolfoto: Ortgies
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Steinewerfer verbreiten Schrecken. Nach zwei aktuellen Fällen im Kreis Leer wandten wir uns an die Polizei: Wie oft passiert hier so etwas, wer wird zum Steinewerfer und was wird getan?

Landkreis Leer - „Achtung! Auf der A31 werfen Personen Gegenstände auf die Fahrbahn“ – solche Warnungen im Verkehrsfunk lösen Angst aus. Besonders der Fall der jungen Mutter, die nahe Oldenburg von einem Holzklotz 2008 auf dem Beifahrersitz im Beisein ihrer Familie erschlagen wurde, dürfte bei vielen Menschen in der Region noch im Hinterkopf verankert sein. Eine grausame Tat, dessen Verursacher gefasst und verurteilt werden konnte.

Was und warum

Darum geht es: Auf der A31 wurden Autos von Steinen getroffen, die jemand von der Brücke warf. Das kann katastrophale Folgen haben.

Vor allem interessant für: alle, die unter Brücken herfahren

Deshalb berichten wir: Das mulmige Gefühl, wenn Personen auf einer Brücke stehen, kennen viele. Wir wollten die aktuellen Fälle zum Anlass nehmen, um zu erfahren, was getan wird, um Steinewerfer aufzuhalten und wie man sich verhalten soll.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Obwohl die sogenannten „Steinewerfer“ wissen müssten, was sie auslösen könnten, gibt es immer wieder Personen, die werfen. Zuletzt auch in der Region. Zwei Autos wurden am Sonnabend gegen 20.15 Uhr auf der A31 von einer Brücke im Bereich „Am Kirchweg“ von Steinen getroffen. Die jeweiligen Fahrzeugführer blieben unverletzt. Schon am Mittwoch davor wurden zwei Autos auf der A31 getroffen. Das passierte nah der Anschlussstelle Neermoor. Die Polizei fuhr am Sonnabend schnell raus, drei Jugendliche – zwei 15 Jahre alt, einer 16 – sagten der Polizei, sie hätten Personen auf der Brücke gesehen. Die Ermittlungen laufen.

Wie oft passiert so etwas?

Diese Art Vorkommnisse seien in der Region zum Glück nicht so häufig, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen. Neben den beiden aktuellen Fällen habe es vor rund vier Monaten noch ein Vorkommnis auf der A28 in Höhe der Anschlussstelle Apen/Remels gegeben. Verletzt wurde in den hier bekannten Fällen glücklicherweise niemand, so Temmen. Im Juli 2021 kam es zu einem weiteren gefährlichen Vorfall: Eine 22-jährige Emderin fuhr auf der A31 in Richtung Emden. Zwischen den Ausfahrten Pewsum und Emden-West fiel ein Pflasterstein von einer Brücke. Die Frau konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen, sodass sie den Pflasterstein überfuhr.

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Bundesweite Zahlen liefert der ADAC: 2018 musste die ADAC-Verkehrsredaktion 491 Warnmeldungen über geworfene Gegenstände herausgeben. Besonders viele dieser Gefahren-Meldungen aus der Verkehrsdatenbank wurden für Strecken in Bayern ausgegeben, gefolgt von Niedersachsen. Seit Jahrzehnten komme es immer wieder zu derartigen Vorfällen, nicht selten mit tödlichem Ausgang. „Wie viele Menschen genau bei diesen Attacken zu Schaden gekommen sind, ist allerdings unbekannt. Es gibt dafür keine offiziellen Zahlen“, so der ADAC.

Wie sollte man reagieren?

„Natürlich ist es als Autofahrer schwierig, auf solche Vorkommnisse zu reagieren. Vorausschauendes Fahren kann helfen, eine sich möglicherweise anbahnende Situation zu erkennen. Jedoch gibt es aufgrund der auf Autobahnen gefahrenen Geschwindigkeiten nicht immer die Möglichkeit, zu erkennen, welche Personen sich zu welchem Zweck auf der Autobahnbrücke befinden“, sagt Temmen. Wenn man doch eine Gefahr vermute, heiße es „unbedingt Ruhe bewahren“. Nicht hektisch bremsen oder ausweichen, sobald man jemanden auf einer Brücke sieht. Damit gefährde man den nachfolgenden Verkehr und es könne zu Unfällen kommen.

Der ADAC stellt außerdem klar, wenn eine „Steinewerfer-Meldung“ im Radio gesendet werde, sei die Gefahr in der Regel bereits gebannt, da der Täter inzwischen geflüchtet sein dürfte. „Man sollte ruhig und sicher weiter fahren.“ Und nicht nach der entsprechenden Brücke und dem möglichen Attentäter suchen. Dies lenke zu sehr ab.

Wann soll ich die Polizei rufen?

„Das ist schwierig“, sagt Temmen. Oftmals würden Brücken von Fußgängern ganz normal überquert und es gebe keine Gefahr. „Aber vielleicht kann hier das Bauchgefühl helfen.“ Wenn man tatsächlich Personen auf einer Brücke sehe, die sich weit über das Geländer lehnen oder Ähnliches, dann sei eine Meldung an die Polizei immer eine Option. Sofern man sicher telefonieren könne.

Was wird getan, um Steinewerfern das Handwerk zu legen?

„Die Autobahnpolizei hat die Brücken im Einsatzbereich immer im Auge. Die Kontrollen laufen zu unterschiedlichsten Zeiten mit verschiedenen Fahrzeugen, auch in zivil“, so Temmen.

Brücken mit hohen Gittern, Zäunen oder Netzen auszustatten, wäre nach ADAC-Ansicht bei Zehntausenden Brücken allein an Bundesfernstraßen ein extrem kostspieliges Unterfangen. „Ob die Täter davon abgeschreckt werden, darf zudem bezweifelt werden. Im Übrigen darf nicht übersehen werden, dass die Zahl der Attacken im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen eher gering ist“, heißt es weiter.

Warum wirft jemand Steine von der Brücke?

„Die Psychologen sind sich einig: Die Täter handeln in der Regel ohne Tötungsabsicht“, so der ADAC. Oft passierten die Attacken eher zufällig. Nicht selten sei Alkohol im Spiel. Steinewerfer seien oft Jugendliche, die häufig in Gruppen auftreten, so der ADAC. „Aufgrund der hier bekannten Vorfälle können wir dazu keine Einschätzung geben“, sagt Polizeisprecherin Temmen. Aber es sei richtig, dass besonders junge Menschen die tatsächlichen Folgen einer Tat oft einfach nicht realisierten. „So wird dann aus einem vermeintlichen ‚Abenteuer’ mit dem Hintergrund ‚Mal gucken, was passiert’ eine schwere Straftat mit üblen Folgen. Dass dabei Menschen schwer verletzt oder getötet werden können, kommt den jungen Leuten als Folge oftmals gar nicht in den Sinn“, sagt sie.

Auf die Täter komme einiges zu, erklärt die Polizistin: „Von dem Tatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr bis hin zum versuchten Tötungsdelikt ist für Täter, die Gegenstände von einer Brücke auf die Autobahn werfen, alles drin.“ Es unterscheide sich nach Art der Tatbegehung bis hin zum Ergebnis der Tat.