Bewaffnete Bande  Polizei findet Pistole bei Wiesmoor-Connection

| | 03.11.2022 18:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rund 400 Marihuana-Pflanzen hatten die Beamten in Wiesmoor gefunden. Archivfoto: Polizei
Rund 400 Marihuana-Pflanzen hatten die Beamten in Wiesmoor gefunden. Archivfoto: Polizei
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Eine Auricher Anklageschrift verrät neue Details über die Wiesmoorer Hanfplantage – und darüber, wer den Porsche in die Niederlande fuhr und schrottete.

Wiesmoor/Aurich - Hinter der Wiesmoorer Cannabis-Plantage, die Ende Mai durch Zufall von der Polizei entdeckt worden war, sollen außer dem Ex-Bürgermeisterkandidaten Christian Rademacher-Jelten und seinem Kompagnon Dave drei Mitglieder einer bosnisch-albanischen Bande gesteckt haben. Das geht aus der Anklageschrift der Auricher Staatsanwaltschaft hervor, von deren Inhalt wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben. Demnach wird ein 32-jähriger Bosnier aus dem Emsland als Kopf der Bande angesehen, dem zwei 31 und 32 Jahre alte Albaner zugearbeitet haben sollen. Bereits bekannt war, dass Rademacher-Jelten wegen Beihilfe angeklagt ist, weil er die Räumlichkeiten des Autohauses zur Verfügung gestellt haben soll. Dave soll bei der Aufzucht des Hanfs behilflich gewesen sein.

Die Ermittlungen konzentrierten sich nicht nur auf das ehemalige Autohaus, sondern auch auf ein landwirtschaftliches Gebäude – das ebenfalls von Rademacher-Jelten zur Verfügung gestellt worden sein soll. Den Ermittlern zufolge wurde dort geerntetes Cannabis gelagert – zum Zeitpunkt der Razzia 40 Kilogramm. Ebenfalls 40 Kilogramm wurden durch Polizeibeamte von den rund 400 im Autohaus gefundenen Pflanzen geerntet. Gefunden haben die Ermittler außerdem eine Pistole des österreichischen Waffenherstellers Glock. Das berühmteste Modell des Unternehmens, die Glock 17, ist bei Sicherheitskräften weltweit wegen der einfachen Handhabung und ihres geringen Gewichts beliebt – aber auch bei Terroristen, Kriminellen und Amokläufern. So hatten sie etwa die Todesschützen von Erfurt und München sowie Anders Breivik in Norwegen benutzt.

Wer saß am Porsche-Steuer?

Aus der Anklage gehen auch weitere Details zum Fall des blauen Porsche hervor, den die niederländische Polizei nach einer Verfolgungsjagd im Juni gestoppt hatte. Informanten hatten uns schon damals mitgeteilt, dass Rademacher-Jelten den Wagen für einen „Geschäftspartner“ ausgeliehen, aber nicht wieder zurückgegeben hatte. Jetzt ist bekannt, wer das Fahrzeug mit 65.000 Euro über die Grenze gefahren sowie an einem Kreisverkehr geschrottet hatte und dann mit einem Polizei-Elektroschocker niedergestreckt worden war: der Bosnier aus dem Emsland. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Rademacher-Jelten dem Mann das Auto zur Verfügung gestellt hatte. Angezeigt hatte die Sache der Polizei der Porsche-Eigentümer und ehemals Vertraute des Wiesmoorer Geschäftsmannes, der nun auf 40.000 Euro Sachschaden sitzt.

Dass die zusammen angeklagten Drogen- und Betrugstaten am Auricher Landgericht verhandelt werden, ist sehr wahrscheinlich – fest steht das aber noch nicht. Erst muss das Gericht die Sache zur Hauptverhandlung zulassen, und das ist noch nicht geschehen. „Momentan hat sich an diesem Sachstand noch nichts geändert“, sagt Pressesprecher Stefan Büürma auf Nachfrage der Redaktion. Auch eine andere die Wiesmoor-Connection betreffende Angelegenheit stagniert: Eine eng mit den Hells Angels verbundene Prostituierte versucht, das von der Wiesmoor-Connection verwaltete Bordell „Eros 69“ in Bremen wieder zu eröffnen. Die Behörden prüfen seit einiger Zeit, ob ihr das erlaubt werden darf. Und auch jetzt heißt es auf Nachfrage wieder: „Wir befinden uns noch im Prüfungsverfahren der gewerberechtlichen Zuverlässigkeit der Antragstellerin.“

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