Ex-Kapitän reist mit Kickers Emden an  Die emotionale Rückkehr von Nick Köster nach Delmenhorst

| | 04.11.2022 15:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nick Köster spielt seit dem Sommer für Kickers Emden. Foto: Doden/Emden
Nick Köster spielt seit dem Sommer für Kickers Emden. Foto: Doden/Emden
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Fünf Jahre spielte der 31-Jährige für Atlas, trug vier Saisons die Kapitänsbinde – nun steht er erstmals auf der anderen Seite. Im Vorfeld des Derbys sorgt ein Zitat für Aufsehen.

Delmenhorst/Emden - Der größte Fokus vor dem Prestigederby der Fußball-Regionalliga Nord zwischen Atlas Delmenhorst und Kickers Emden liegt auf einem der körperlich kleinsten Hauptdarsteller. Der 1,73 Meter große Nick Köster wechselte im Sommer die Seiten, verließ als Kapitän den SV Atlas und schloss sich Aufsteiger Kickers an. Vor der Rückkehr am Samstag nach Delmenhorst (Anstoß 14 Uhr) sagte der 31-Jährige gegenüber dem Kicker-Sportmagazin. „Ich brauche kein Bungee-Jumping und muss nicht aus dem Flugzeug springen. Mir gibt es eben einen Kick, wenn ich zum Erzrivalen wechsle.“

Viele schmerhafte Momente erlebten Nick Köster (rechts) und seine Mitspieler diese Saison. Foto: Doden/Emden
Viele schmerhafte Momente erlebten Nick Köster (rechts) und seine Mitspieler diese Saison. Foto: Doden/Emden

Der flotte Spruch schaffte es am Freitagvormittag dann auch auf die Facebook-Seite des SV Atlas. Dazu schrieb der Ex-Klub ein paar herzliche Worte: „Lieber Nick, wir freuen uns auf Dich. Immer und zu jeder Zeit. Am Samstag ohne Netz und doppelten Boden.“

„Man muss sich im Griff haben“

In den 90 Minuten werden Freund- und Kameradschaften am Samstagnachmittag ausgeblendet. Auch im Vorfeld hielt sich die Kommunikation in Grenzen. „Es geht für beide sportlich um zu viel“, sagt Nick Köster. „Für mich ist das natürlich ein ganz besonderes Spiel, für alle sowieso als Derby eine emotionale Partie. Da muss man sich dann auch im Griff haben.“

Im DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen (vorne Davy Klaassen) führte Nick Köster (hinten) Atlas Delmenhorst 2019 als Kapitän ins Weserstadion. Foto: Imago
Im DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen (vorne Davy Klaassen) führte Nick Köster (hinten) Atlas Delmenhorst 2019 als Kapitän ins Weserstadion. Foto: Imago

In Delmenhorst erlebte der Oldenburger fünf ganz besondere Jahre. Er sprang nach dem Oberliga-Aufstieg 2017 auf den nach oben rasendenden und in der 1. Kreisklasse gestarteten Atlas-Zug auf, war vier Spielzeiten lang sogar Kapitän. Als solcher führte der Mittelfeldantreiber sein Team in die Regionalliga, zum Verbandspokalsieg und 2019 im Jahrhundertspiel im DFB-Pokal gegen Werder Bremen (1:6) vor 41.500 Zuschauern ins Weserstadion aufs Feld. Momente für die Ewigkeit.

Hat er den Wechsel bereut?

In seinen letzten beiden Atlas-Jahren hatte Köster einiges an Verletzungspech, in der Rückserie der vergangenen Saison kam er dann öfters auch mal von der Bank. Das war aber nicht der Hauptgrund, weshalb der Charakterkopf ein Angebot zur Vertragsverlängerung ausschlug und im Sommer überraschend zum Aufsteiger aus Emden wechselte. „Ich habe es als Auswärtsteam geliebt, in diesem engen Ostfrieslandstadion in Emden zu spielen und wollte unbedingt auch noch mal für diesen Traditionsverein spielen. Der Moment im Sommer hat dann gut gepasst.“ Seine Mission bei Atlas sei erfüllt gewesen.

Die neue ist auch für ihn schwerer als gedacht. Die Aufstiegs-Euphorie aus dem Sommer ist in Emden längst verflogen, Kickers auf dem harten Boden der Regionalliga-Realität gelandet. Mit sieben Punkten nach 15 Spielen ist der BSV abgeschlagen Letzter, mit 50 Gegentoren die Schießbude der Liga. Eine ungewohnte Situation, auch für den früher in Oldenburg, Jeddeloh und Cloppenburg in der Regionalliga spielenden Köster. Hat er den Wechsel bereut? „Diese Frage wurde mir in letzter Zeit so oft gestellt“, sagt der 31-Jährige, der kurz durchatmet und dann bestimmt sagt: „Nein, auf keinen Fall! Sportlich hätten wir uns das natürlich etwas anders vorgestellt. Aber ich habe uns auch noch nicht abgeschrieben, wir leben noch und sind längst noch nicht abgestiegen.“

34 Gelbe Karten in 93 Atlas-Spielen

So trat der Mann aus dem defensiven Mittelfeld auch in den vergangenen Partien auf, lässt sein Herz dabei auf dem Platz. Am Dienstag musste er aufpassen, nicht seine fünfte Gelbe Karte zu kassieren. So hätte er die Partie bei Atlas, wo er laut dem „Delmenhorster Kreisblatt“ 34 Gelbe Karten in 93 Pflichtspielen kassiert hatte, verpasst.

„Nach vielen Verletzungen in seinen letzten beiden Spielzeiten bei Atlas ging es für Nick bei uns auch darum, wieder konstant zu spielen und seinen Rhythmus zu bekommen. Das hat er nun geschafft, so dass er uns immer mehr hilft“, so Trainer Emmerling.

Großes Köster-Lob von Atlas

Ob Köster in Delmenhorst angesichts des Wechsels nach Emden von manchen Fans ausgepfiffen wird, weiß Delmenhorsts Sportlicher Leiter Bastian Fuhrken nicht. „Es ist halt ein brisantes Derby. Aber alle bei uns wissen, wie viel Nick für uns getan hat und wie sehr er sich mit Atlas identifiziert hat. Er ist ein Spieler, von dessen Einstellung sich viele eine Scheibe abschneiden können. Er hat auch eine hohe Aufmerksamkeit für die Menschen drumherum, die viel für den Verein machen,“

Das sei ihm auch in Emden wichtig, so Köster. „Wenn wir gewinnen und ich sehe, wie ein langjähriger Kickers-Betreuer sich freut, dann macht mich das auch sehr glücklich“, erzählt Nick Köster, der beide Vereine als sehr familiär empfindet. Während der 90 Minuten geht er Samstag nun für Emden in die „Fußball-Schlacht“, steht auf der anderen Seite. „Das wird für alle ungewohnt“, sagt Fuhrken. „Aber nach dem Spiel werden wir uns dann in den Arm nehmen.“

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