Graffiti-Workshop in Leer Jugendliche sprayen Kunstwerk auf Nessemauer
Die triste Mauer unter der Nessebrücke in Leer ist Geschichte. Am Wochenende haben Jugendliche zusammen mit dem Künstler Germar Claus ein kunstvolles Graffito gesprüht.
Leer - Wenn man an diesem Sonnabend vom Ernst-Reuter-Platz über die Nessebrücke geht, weht einem schon aus der Entfernung der Geruch nach Farbe entgegen. Die einst triste Mauer unterhalb der Brücke strahlt bereits in hellen Farben. Aus einer Kanne wird Tee in eine Tasse gegossen, aus der wiederum ein langer Strom des ostfriesischen Traditionsgetränks fließ. Dieser wird schließlich zu einem Drachenkopf. Ein weiterer Drache schlängelt sich in den Farben einer Schwarzbunten mit mehreren Eutern über die Mauer, vorbei an einem Leuchtturm mit Schlafmütze. Sieben Jugendliche haben dieses Bild in einem Projekt des Jugendzentrums zusammen mit dem Künstler Germar Claus gestaltet – und setzen es nun in die Tat um.
Einige von den jungen Menschen im Alter von zwölf bis 25 Jahren haben bereits Erfahrung mit Graffiti. Sie sind Teilnehmer des Workshops des Leeraner Jugendzentrums, sagt dessen Leiterin Ulrike Lübbers, die an diesem Sonnabend ebenfalls vor Ort ist. In dem Workshop können Jugendliche legal beim Sprayen kreativ sein. Im vergangenen Jahr wurde bereits der Brückensockel auf der anderen Hafenseite künstlerisch gestaltet. Nachdem das Kunstwerk anfangs höchstens mit Eddings beschmiert worden war, sind mittlerweile große Schriftzüge – sogenannte Tags – zu sehen. „Hoffentlich bleibt dieses hier so, wie es ist“, sagt Lübbers.
Sprayen ist abwechslungsreich
Das hoffen auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine von ihnen ist die 15-jährige Kaatje Kellermann. Sie hatte im vergangenen Jahr an dem Workshop teilgenommen, indem schließlich das Graffito unter dem Brückensockel gestaltet wurde. „Es ist natürlich schade, dass das beschmiert wurde“, sagt die Leeranerin. „Aber es war auch vorhersehbar.“ Das Sprayen mache ihr einfach Spaß. „Es ist sehr abwechslungsreich“, sagt sie.
Schon als Kind hatte Clara Claus eine Spraydose in der Hand. „Ich war fünf Jahre alt“, erinnert sich die 13-jährige Schülerin des Telletta-Groß-Gymnasiums. Die Tochter von Germar Claus probierte früh, Bilder zu sprayen. „Richtig aktiv angefangen habe ich dann aber mit zehn Jahren“, sagt sie. Am Sprayen gefällt ihr, dass man keinen direkten Kontakt mit der Wand hat, auf die man sprüht – im Gegensatz zum Malen mit einem Pinsel. Ob sie sich allerdings vorstellen könnte, Graffiti professionell zu sprayen, weiß sie noch nicht. „Die Szene ist geprägt von Männern“, sagt Clara Claus. „Es wäre schön, wenn auch Mädchen oder Frauen in der Szene bekannt wären.“
Zwei Tage wird am Kunstwerk gearbeitet
Bis das Kunstwerk auf der Nesseseite fertig ist, braucht es zwei Tage. Die Jugendlichen übernehmen dabei hauptsächlich das Ausfüllen der Flächen, sagt Germar Claus. Die Details wie die Verzierung der Teetasse oder die Drachenköpfe übernimmt er selbst.
Teilnahme und Flächen
Interessierte Jugendliche, die bei künftigen Graffiti-Aktionen dabei sein wollen, können sich bei ihr im Jugendzentrum melden. Auch Privatleute oder Firmen, die Flächen für Graffiti zur Verfügung stellen wollen, können gerne Kontakt aufnehmen, so Lübbers.
Am Sonntagnachmittag ist es dann so weit. Das große Graffito ist fertig. „Wir hatten Glück mit dem Wetter“, sagt Ulrike Lübbers. „Das Kunstwerk kann sich wirklich sehen lassen.“
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