Teures und rares Geflügel  Für die Weihnachtsgans muss man tief in die Tasche greifen

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 13.11.2022 12:10 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei den Gänsen herrscht Gruppenzwang. Sie schnattern in der Herde. Foto:Ortgies
Bei den Gänsen herrscht Gruppenzwang. Sie schnattern in der Herde. Foto:Ortgies
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Die Geflügelpest und gestiegene Futtermittelpreise zwingen die Erzeuger zu einem Preisaufschlag. Jetzt beginnt die Jagd nach dem raren Federvieh.

Ostfriesland - Liebhaber von Gänse- und Entenbraten zu Weihnachten müssen in diesem Jahr stark und spendabel sein: Die vor allen Dingen an Festtagen begehrten Geflügeltiere sind teuer und rar. Für Gänse müssen Kunden im Schnitt 60 bis 70 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr. Eine fünf Kilo schwere Gans kann dann schon mal bei 120 Euro liegen. Bei Enten ist der Aufschlag nicht ganz so gravierend: Er liegt bei 40 bis 50 Prozent. Das haben Anfragen der Redaktion bei Händlern und bei Zuchtbetrieben ergeben. Die Gründe: Das Kraftfutter ist im Preis stark angestiegen, außerdem hat die Geflügelpest in den Ställen gewütet. Viele Tiere mussten gekeult werden. „Das war vor allen Dingen im vergangenen Jahr sehr schlimm“, sagt Albert Ohling. Der Landwirt aus Emden ist einer der wenigen gewerblichen Gänsebauern in Ostfriesland.

Reinhard Lodde bietet derzeit schon Entenbraten an. Foto: Boschbach
Reinhard Lodde bietet derzeit schon Entenbraten an. Foto: Boschbach

Mehr Betriebe gibt es im Emsland und im Oldenburger Münsterland. Dort ist der Gänsehof Tapphorn ansässig. In Lohne werden die Tiere seit 60 Jahren gezüchtet. „Wir sind mit unseren paar Tausend Gänsen in erster Linie ein Elternzuchtbetrieb, mästen aber auch. Die Vögel werden über unseren Online-Shop vermarktet“, sagt Iris Taphorn. Die Preise für Futtermittel seien vor einigen Monaten enorm in die Höhe geschnellt. Das müsse sie an den Verbraucher weitergeben. Sie verlange mit 19,50 Euro drei Euro pro Kilo mehr als im vergangenen Jahr. Das sei noch moderat.

Gänse sind Mangelware

Der vergleichsweise niedrige Preis kann nur wegen der Direktvermarktung kalkuliert werden. Händler haben andere Preise. Wochenmarkt-Beschicker Reinhard Lodde verlangt für ein Kilo Gans 26 Euro, das sind zehn Euro mehr als im Vorjahr. Es sei für ihn sehr schwer gewesen, überhaupt Gänse zu bekommen. Er kenne einige Erzeuger im Emsland, bei denen er teilweise die letzten Tiere aufgekauft habe. Ähnlich verhalte es sich mit Enten. Früher habe man dieses Geflügel auch in Frankreich erwerben können: „Die haben in diesem Jahr ganz dicht gemacht.“ Wegen der verknappten Ware rät er allen Kunden, Gänse und Enten vorzubestellen und unter Umständen einzufrieren.

Albert Ohling weiß, dass viele Ostfriesen das ablehnen: „Jeder möchte am liebsten eine frische Gans oder Ente.“ Das könne er aber, nicht zuletzt wegen der Geflügelpestgefahr, nicht garantieren. „Wer sagt denn, ob ich wegen eines neuen Ausbruchs nicht im Dezember meinen Betrieb dichtmachen muss?“, stellt er eine rhetorische Frage in den Raum. Im vergangenen Jahr habe er im November und Dezember auf Geheiß des Veterinäramtes drei Wochen lang schließen müssen. Derzeit halte er 350 Gänse. Er arbeite mit zwei Restaurants zusammen, die Tiere für Weihnachten bei ihm vorbestellt haben. Dazu gebe es Reservierungen von Stammkunden. 60 bis 80 Gänse habe er jetzt noch zur Verfügung. Weil er für seine Tiere eine spezielle Fläche eingezäunt habe, konnten sie dort ihr Futter aufnehmen. Ohling musste weniger vom teuren Kraftfutter einsetzen. Deshalb war es für ihn möglich, mit einem Aufschlag von nur einem Euro pro Kilo zu arbeiten.

Wer jetzt glaubt, auf tiefgekühlte Ware aus dem Supermarkt zurückgreifen zu können, könnte in vielen Geschäften eine böse Überraschung. Die meist aus Polen eingeführte Gans, die man dann meist in der Gefriertruhe findet, ist ebenfalls sehr viel teurer als in den Vorjahren. Albert Ohling hat schon Marktbeobachtungen angestellt: „Früher konnte man eine durchschnittliche polnische Tiefkühl-Gans schon mal für fünf bis sieben Euro bekommen. Jetzt liegt der Einstiegspreis auch bei zehn oder zwölf Euro. Christian Brahms von den Multi-Märkten in Emden und Leer bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass es in diesem Jahr zu einer Verknappung bei Enten komme. Wie es bei Gänsen aussehe, könne er derzeit noch nicht abschließend überblicken.

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