Debatte in der Krummhörn Ist die Neugestaltung vom Marktplatz Greetsiel vom Tisch oder nicht?
Die Gemeinde widerspricht einem Medienbericht, der am Montag die Runde machte. Es gebe allerdings noch Gesprächsbedarf. Kritisiert an der Neugestaltung wurde vor allem die Fällung von Bäumen.
Greetsiel - Im Juni wurden die Pläne für die Neugestaltung des Greetsieler Marktplatzes vorgestellt. Schon dort gab es unter anderem wegen der vorgesehenen Fällung mehrerer alter Kastanien Bedenken. Diese konnten offenbar bislang nicht ausgeräumt werden. „Vom Tisch“ seien die Pläne, anders als jüngst in einem Medienbericht behauptet, aber nicht, betont die Gemeinde gegenüber dieser Zeitung.
Was und warum
Darum geht es: Die Gemeinde Krummhörn hat die Neugestaltung des Marktplatzes in Greetsiel entgegen anderer Meldungen noch nicht zu den Akten gelegt.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklung des Ortskerns von Greetsiel interessieren.
Deshalb berichten wir: Es hieß, dass die Neugestaltung des Marktplatzes „vom Tisch sei“. Dem widerspricht die Gemeinde. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
„Die Markplatzumgestaltung – in welcher Form auch immer – ist von der Gemeinde noch nicht ad acta gelegt worden“, so Gemeindesprecher Fritz Harders, Er widerspricht damit eindeutig einem gegenteiligen Medienbericht. Was stimme, so Harders, dass „es noch Gesprächsbedarf gibt“.
Sanierung sollte mehr als 800.000 Euro kosten
Der rund 2800 Quadratmeter große Marktplatz soll mit Mitteln der Städtebauförderung neu gestaltet werden. Im gleichen Zuge sollen die Obere und Untere Sielstraße saniert werden. Die Umgestaltung des Marktplatzes und der Sielstraße sollte, so eine Kostenschätzung von vor einem Jahr, rund 820.000 Euro kosten. Über die Städtebauförderung würden zwei Drittel der Kosten übernommen, hieß es bei der Vorstellung der Pläne. Ziel der Umgestaltung soll sein, dass unter anderem die Barrierefreiheit des Bereiches erhöht wird. So sollten im gesamten Gebiet neue Pflasterklinker verlegt werden. Bislang gebe es vor allem Kopfsteinpflaster, welches mit Rollatoren, Rollstühlen oder auch Kinderwagen nur schwer zu befahren sei. Auch der Zugang zum Wasser soll erleichtert werden, hier sollen auch neue Sitzgelegenheiten geschaffen werden. Neue Bepflanzungen und Sitzmöglichkeiten sollen das Gebiet insgesamt abrunden.
Welche Bedenken genau an die Gemeinde herangetragen wurden, darüber sagt Harders nichts. Aber aus Greetsieler Kreisen werden immer wieder die Bäume genannt – wie auch schon bei der Vorstellung der Pläne im Juni dieses Jahres. Denn: Während die dort stehende Winterlinde in einem guten Zustand ist, führe an der Fällung der fünf Kastanien direkt am Marktplatz wohl kein Weg vorbei. Dies habe auch mit Verkehrssicherheit zu tun, wie die Gemeindeverwaltung im Juni betonte. An der Sielstraße wird zudem die Fällung der nördlichsten Kastanie empfohlen.
Ehemaliger Ortsvorsteher bestätigt Vorbehalte
Die Gemeinde, so betont Harders, nehme die Vorbehalte gegen die Planungen „ernst“. Deswegen seien weitere Gespräche in Planung. Dass die vorgestellten Ideen nicht in Stein gemeißelt seien, wurde schon im Juni mehrfach betont. „Wir wollen natürlich nicht an der Öffentlichkeit vorbeiplanen“, so Bürgermeisterin Hilke Looden damals.
Wann und in welcher Form diese Gespräche stattfinden sollen, ist noch nicht bekannt. Alfred Jacobsen, SPD-Ratsherr und vormaliger Ortsvorsteher von Greetsiel, bestätigt auch Nachfrage, dass es Gespräche zwischen Verwaltung, Planungsbüro und Einheimischen gegeben habe. „Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Menschen vor Ort früher mit einbezogen worden seien“, so Jacobsen. Er bestätigt, dass sich viele Greetsieler vor allem an der Fällung der alten Kastanien stören würden. „Es wäre fatal, Bäume zu fällen, die nicht gefällt werden müssen“, so Jacobsen.
Sanierung der Sielstraße soll stattfinden
Jacobsen ist davon überzeugt, dass weitere Gespräche geführt werden. „Ich sehe uns da auf einem guten Weg“, sagt er stellvertretend für die beteiligten Greetsieler. Allerdings: „Wir sind eher dafür, gar nichts am Marktplatz zu machen“, so Jacobsen. Zweifel habe man auch an der Sinnhaftigkeit einer barrierefreien Gestaltung des Platzes, da die angrenzenden, zum Teil denkmalgeschützten Gebäude eh nicht barrierefrei seien. „Was bringt ein barrierefreier Platz, wenn die Toilette in der Gaststätte im Keller ist?“
Ins gleiche Horn stößt Jakob Jacobsen, Vorsitzender vom Fremdenverkehrsverein Greetsiel. Die Greetsieler hätten sich in der ganzen Sache nicht mitgenommen gefühlt. „Es sollte eine Bürgerbeteiligung geben“, so der Vorsitzende, „aber dann wurden plötzlich die Pläne vorgestellt.“ Im Nachgang sei bei Versammlungen im Ort und bei Gesprächen mit den Einwohnern des Fischerdorfes schnell klar geworden: „Wir wollen das nicht“, sagt Jakob Jacobsen. Weder wolle man, dass die Kastanien gefällt werden, noch eine Umgestaltung des Marktplatzes. „Eigentlich wollen wir unser Dorf möglichst so erhalten, wie es ist.“
Es könnte also durchaus sein, dass die Pläne für die Umgestaltung im Endeffekt „ad acta“ gelegt werden – auch wenn dies bislang nicht der Fall ist. Was allerdings fortgesetzt werden soll, ist die Sanierung der Sielstraße. Zunächst soll, so Harders, mit der Oberen Sielstraße begonnen werden. Die Sanierung und Neugestaltung dieses Abschnittes von der Eisdiele in Richtung Deich sieht auch Jakob Jacobsen als dringend notwendig an. Das sei auch, soweit er das einschätzen könne, Mehrheitsmeinung in Greetsiel. Genauso wie die Ablehnung der Pläne für den Marktplatz. „Eine Spaltung, wie behauptet wird, kann ich da in Greetsiel nicht erkennen“, so der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins.
Es könnte also durchaus sein, dass die Pläne für die Umgestaltung im Endeffekt „ad acta“ gelegt werden – auch wenn dies bislang nicht der Fall ist. Was allerdings fortgesetzt werden soll, ist die Sanierung der Sielstraße. Zunächst soll, so Harders, mit der Oberen Sielstraße begonnen werden.