Polizei ermittelt Geldautomat am Leeraner Ems-Park zerstört
In der Nacht zu Donnerstag haben Unbekannte beim Ems-Park in Leer zugeschlagen. Beute machten die Täter jedoch keine.
Leer - Um kurz nach 9 Uhr herrschte noch große Ratlosigkeit in der Halle des Ems-Parks. Die meisten Geschäfte waren noch nicht geöffnet, gut zwei Dutzend Kundinnen und Kunden mit Einkaufswagen stehen vor einer schwarzen Wand. Der Kaufland, der eigentlich bereits um 8 Uhr geöffnet haben sollte, ist noch immer nicht erreichbar. Auf einem Zettel an der Wand wird den Kunden mitgeteilt, dass wegen einer technischen Störung der Markt später geöffnet werde. Dass hinter der schwarzen Wand ein Geldautomat zerstört wurde, kann man von dort aus nicht sehen. Es ist ruhig.
Dann die Gewissheit: Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag einen Geldautomaten beim Ems-Park in Leer zerstört. Eine am Morgen von der Polizei getätigte Aussage, der Automat sei gesprengt worden, revidierte die Sparkasse Leer-Wittmund am Mittag. „Der Automat ist nicht gesprengt worden. Er wurde aus seiner Verankerung gerissen“, so Frank Fastenau von der Sparkasse Leer-Wittmund. Diese Verankerung gehe tief in den Boden, was ihn zu der Vermutung leitet, dass am Ems-Park schweres Gerät eingesetzt wurde. „Als der Automat dann auf dem Boden lag, haben sie versucht, ihn aufzubrechen. Dabei entstand erheblicher Sachschaden“, sagt er. An das im Automaten befindliche Geld kamen die Diebe jedoch nicht. Über die Täter und die Flucht der Unbekannten wurden bislang keine Angaben gemacht. „Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir uns auch dazu noch nicht äußern“, sagte eine Polizeisprecherin.
Automat liegt geschützt
Der Geldautomat liegt innerhalb des Einkaufszentrums. Er ist von außen ohne Weiteres nicht zugänglich. Deshalb stellt sich auch die Frage, wie die Einbrecher in das Gebäude gelangt sein könnten. Diese Frage konnte am Donnerstag allerdings nicht abschließend geklärt werden. Ein Sprecher von Kaufland gab jedoch einen Hinweis: „Es wurden Dach sowie Teile des Vorkassenbereichs beschädigt. Die Behebung des Schadens ist bereits beauftragt worden“, sagt Kaufland-Sprecher Dominik Knobloch. Die Polizei wollte sich nicht dazu äußern, wie die Einbrecher in das Gebäude gelangt sind. Man habe jedoch Spuren am Tatort gesichert, die nun ausgewertet werden. Im Anschluss werde man schauen, ob es Parallelen zu anderen Taten gebe.
Neben dem Eingang des Ems-Parks steht ein Gerüst. Der Bereich vor dem Gerüst ist mit Flatterband als „Polizeiabsperrung“ markiert. Die Kaufland-Filiale konnte gegen 9 Uhr für die Kunden geöffnet werden. Auch auf dem Parkplatz herrschte das übliche Treiben eines Donnerstagvormittags. Autos fuhren auf den Parkplatz und Menschen unterhielten sich über die Einkäufe, das Wetter und das nahende Wochenende. Kaum etwas weist daraufhin, dass hier nur wenige Stunden zuvor ein Verbrechen geschehen ist. Nur das Flatterband gibt einen kleinen Eindruck darüber, dass hier etwas passiert ist. Innerhalb des Ems-Park ist das Bild jedoch ein etwas anderes. Kisten versperren für die Besucher den Blick in die Ecke, in der der Automat stand. Polizisten sind mit der Beweisaufnahme beschäftigt. Im tagtäglichen Treiben ist dies allerdings schnell zu übersehen.
Geldautomaten schon öfter Ziel
Klar ist: Die Polizei ermittelt. Es ist nicht das erste Mal, dass in der Region Geldautomaten zum Ziel von Verbrechern wurden. So wurde im Januar ein Geldautomat in Holtland gesprengt. Die Polizei ging von drei direkt beteiligten Tätern aus, von denen zwei mit dunklen Reisetaschen in das Gebäude eingedrungen waren.
Diese beiden raubten den Bankautomaten aus. Klar ist, dass es im Inneren der Filiale eine Explosion gab. Welche genauen Sprengstoffe dafür verwendet wurden, ist jedoch unklar. Bei dem genutzten Fluchtfahrzeug könnte es sich nach ersten Erkenntnissen um einen dunklen Audi gehandelt haben. Nach der Tat flüchteten die Täter demnach zunächst über die A 28 weiter über die A 31 durch den Emstunnel in Fahrtrichtung Oberhausen. Nach dem Emstunnel verliert sich ihre Spur.
Im Jahr 2020 wurden 414 Geldautomaten gesprengt, ein Jahr später waren es 392. Dies seien die beiden höchsten Fallzahlen seit dem Beginn der statistischen Erfassung durch das Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr 2005, hieß es vor Kurzem von BKA und Innenministerium. Die vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr 2022 ließen einen neuen Jahreshöchststand erwarten. Ein möglicher Grund dafür ist demnach, dass ein großer Teil der Täter aus den Niederlanden nach Deutschland kommt, nachdem dort umfangreiche Präventionsmaßnahmen umgesetzt wurden. Auch die Sparkasse Leer-Wittmund rüstet auf. „Wir überprüfen die Gebäudesicherheit und haben da vieles schon umgesetzt“, sagt Fastenau. Das gelte aber für eigene Gebäude, zu denen der Ems-Park nicht gehört. Doch auch der Standort steht jetzt zur Diskussion.