Wiesmoor-Connection  Cannabis-Plantage fällt Polizei bei erster Razzia nicht auf

| | 17.11.2022 20:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Angeklagten werden von jeweils bis zu drei Anwälten verteidigt. Foto: Ortgies
Die Angeklagten werden von jeweils bis zu drei Anwälten verteidigt. Foto: Ortgies
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Im März durchsuchen Ermittler ein Ex-Autohaus in Wiesmoor, um Beweise für einen Betrug zu finden. Schon damals gedeiht ein paar Türen weiter der Hanf.

Aurich/Wiesmoor - Ende Mai fand die Polizei in einem Ex-Autohaus in Wiesmoor durch Zufall eine riesige Hanfplantage – genau dort, wo es bereits Ende März eine Razzia wegen eines mutmaßlichen Corona-Testbetrugs gegeben hatte. Eine Frage drängte sich damals schnell auf: Wie risikofreudig muss man eigentlich sein, um dort, wo die Polizei schon einmal war, auch noch mit dem Cannabis-Anbau zu beginnen? Am Donnerstag zeigte sich beim Drogen-Prozess am Auricher Landgericht aber: So war das gar nicht. Als die Polizei Ende März in dem ehemaligen Autohaus nach Beweisen für die Betrügereien gesucht hatte, hatte es die Plantage bereits gegeben. Nur war sie den Beamten offenbar nicht aufgefallen.

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Prozessbeginn: Drogenfund in Wiesmoor
17.11.2022

Zeugen beschrieben bei Gericht, dass das ehemalige Autohaus ziemlich verschachtelt ist: Es gibt dort beispielsweise mehrere Büroräume, Lagerhallen, einen Ausstellungsraum und eine große Werkstatt. Das Gewächshaus hatten die Drahtzieher in der ehemaligen Werkstatt eingerichtet – samt darüber liegender Wohnung für die Gärtner. In welchen Teilen des Komplexes sich die Beamten Ende März umgesehen hatten, wissen wir nicht. Fest steht aber: Auch Ende Mai hat die Polizei eigentlich nach Papieren und Datenträgern, nicht aber nach erntereifem Hanf gesucht. Trotzdem stießen sie auf die mehr als 400 Pflanzen und nahmen zwei Tatverdächtige ohne Aufenthaltserlaubnis direkt mit.

Weitere Plantage an unbekanntem Ort

Später durchsuchten die Beamten auch ein Bauernhaus im Wiesmoorer Dorf Voßbarg – und fanden dort rund 45 Kilogramm Marihuana, fertig zum Verkauf in Ein-Kilo-Gebinden. Beim Prozess am Donnerstag erklärte Oberstaatsanwalt Helge Ommen, dass diese Drogen nicht aus der Produktion im Wiesmoorer Autohaus stammen könnten, sondern aus einer weiteren Plantage gekommen sein müssten. Wo diese Plantage liegt oder wer sie betreibt, wissen die Ermittler allerdings nicht. Die Staatsanwaltschaft hat allerdings drei weitere Männer, die nicht zum aktuellen Kreis der Angeklagten gehören, im Verdacht, bei den Drogengeschäften geholfen zu haben. Auch auf sie dürfte in nächster Zeit ein Prozess zukommen.

Im aktuellen Prozess sitzen aber erst einmal der Ex-Bürgermeisterkandidat Christian Rademacher-Jelten, sein Kompagnon mit dem Spitznamen Dave und drei mutmaßliche Bandenmitglieder auf der Anklagebank. Zwei der Männer waren beim Prozessauftakt geständig, sagten aber aus, weder Rademacher-Jelten noch Dave jemals gesehen zu haben. Sie hätten als Cannabis-Gärtner im Grunde die ganze Zeit im Innern des Ex-Autohauses gelebt und das Gebäude kaum verlassen. Dave beteuerte, nichts von den Drogen gewusst zu haben. Aus seiner Aussage ging allerdings hervor, dass sich eine Nachbarin im Laufe der Zeit etwas zu sehr für das Gebäude interessiert hatte – und unter anderem mit Videokamera-Attrappen abgeschreckt werden sollte.

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