Analyse  Feuerwehr und Gemeinde müssen aus der Drohung lernen

| | 01.12.2022 15:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden stellte am Mittwochabend den Fahrplan zum Neubau des Feuerwehrhauses für die Feuerwehr Nord vor. Foto: Hock
Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden stellte am Mittwochabend den Fahrplan zum Neubau des Feuerwehrhauses für die Feuerwehr Nord vor. Foto: Hock
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Es war ein Schuss vor den Bug der Verwaltung, dass die Feuerwehr Krummhörn-Nord mit einem Massenaustritt gedroht hat. Der Konflikt konnte beigelegt werden, aber es müssen Lehren daraus gezogen werden.

Krummhörn - Es waren ziemliche Wellen, die die Feuerwehr Krummhörn-Nord ausgelöst hat. Aber der angedrohte Massenaustritt hat zum gewünschten Erfolg geführt, in mehrfacher Hinsicht. Genau das könnte zum Problem werden.

Was und warum

Darum geht es: Was zwischen Feuerwehr und Gemeinde in der Krummhörn vorgefallen ist, darf nicht zur Regel werden.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Ehrenamt interessieren.

Deshalb berichten wir: Ein Massenaustritt von Feuerwehrleuten konnte in der Krummhörn verhindert werden. Aber allein aus dem Umstand, dass es so weit gekommen ist, müssen Lehren gezogen werden.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Wie wir zu dieser Einschätzung gelangen, zeigen wir anhand einer Analyse. Bei einer Analyse handelt es sich – ähnlich wie bei einem Kommentar – um einen Meinungsbeitrag.

Ein wichtiger Schritt: regelmäßiger Austausch

Die Mehrheit der Feuerwehr-Nord hat der Verwaltung die Pistole auf die Brust gesetzt. Entweder, man bekomme endlich das, was man schon lange will, oder es drohen massive Konsequenzen. In diesem Fall ging es um einen ordentlichen Fahrplan für den lange versprochenen Neubau des Feuerwehrhauses.

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Der Frust, der die Feuerwehrleute getrieben hat, ist verständlich. Es gab, das gibt auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) zu, Kommunikationsschwierigkeiten. Hier will Looden nachbessern und für einen regelmäßigen Austausch zwischen Verwaltung und Feuerwehr sorgen. Nicht nur bezogen auf das Feuerwehrhaus, sondern allgemein. Ein wichtiger Schritt, der auch in anderen Bereichen Mode machen sollte.

Ein Gespräch hätte gereicht

Denn: Eigentlich hätte ein ganz normales Gespräch zwischen Feuerwehr(führung) und Gemeinde gereicht. Eigentlich sogar eine E-Mail, wenn die Gemeinde mit offenen Karten spielt – und die Feuerwehr auch. Die „Lösung“ des ganzen Problems, nämlich ein ungefährer Zeitplan, passte am Mittwochabend auf ein sehr luftig beschriebenes Blatt Papier – oder in diesem Fall auf eine sehr luftig beschriebene Powerpoint-Folie.

Die Sicherstellung des Brandschutzes und der Schutz der Bevölkerung sind Pflichtaufgaben der Gemeinden. Erfüllt werden sie aber von Freiwilligen. Tausenden Freiwilligen in ganz Ostfriesland. Was die Einsatzkräfte bei der Feuerwehr und in anderen Hilfsorganisationen leisten, verdient den vollen Respekt.

Die Eskalation darf nicht zur Regel werden

In der Krummhörn fühlten sich die Freiwilligen nicht gut behandelt. Es kam zur Eskalation. Eine Eskalation, die aufgrund der Macht, die Feuerwehrleute haben, funktioniert. Feuerwehrleute – und andere Einsatzkräfte – sind speziell geschult, machen ihre Sache in der Regel mit Herzblut und viel Engagement. Wenn sie plötzlich wegfallen, haben Kommunen ein Problem. Diese Machtkarte wurde jetzt ausgespielt.

Und genau hier müssen jetzt beide Seiten, Kommune und Feuerwehr, ganz genau aufpassen: Es darf nicht zur Regel werden, dass diese Machtkarte ausgespielt wird – und es darf nicht zur Regel werden, dass jemand sich genötigt fühlt, diese Machtkarte auszuspielen. Die Feuerwehr-Nord hat gezeigt, dass die Drohung funktioniert. Das könnte Nachahmer nach sich ziehen. Die ganze Diskussion hat aber auch gezeigt, dass man mit ordentlicher Kommunikation „auf Augenhöhe“ die ganze Situation hätte vermeiden können.

Und das ist die Lehre, die man daraus ziehen sollte: Offen und ehrlich miteinander reden, bevor man alle Register zieht. Looden brachte es auf den Punkt am Mittwochabend: Man müsse „auch unangenehme Wahrheiten“ weitergeben und kommunizieren. Gleichzeitig, das machte Bernd Oltmanns als Sprecher der Gruppe, die mit Austritt gedroht hatte, deutlich: „Den Worten müssen auch Taten folgen.“ Und: „Es geht hier einfach nur miteinander.“ Das gilt sicher nicht nur für diesen Fall.

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