Besuch hat lange Tradition Die „Zwarten Pieten“ zeigen in Emden erstmals helle Haut
Hunderte Menschen empfingen am Sonnabend in Emden das Boot mit dem Sinterklaas aus den Niederlanden. Nur einige Musiker im Gefolge waren schwarz geschminkt.
Emden - Zum ersten Mal seit drei Jahren hat Emden am Sonnabendnachmittag wieder den Sinterklaas empfangen und damit eine Jahrzehnte alte Tradition fortgesetzt. Einige Hundert Kinder mit deren Eltern und Großeltern sowie viele in Ostfriesland lebende Niederländer verfolgten am Alten Binnenhafen in der Innenstadt die Ankunft des Nikolaus aus dem Nachbarland auf dem Rundfahrtboot „Schreyers Hoek“. Der Besuch des niederländischen Nikolaus in Emden war in den beiden Jahren zuvor wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.
Offiziell begrüßt wurde der Heilige mit dem weißen Rauschebart und dem roten Bischofsmantel von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), dem Honorarkonsul der Niederlande in Emden, Dr. Claas Brons, und dem Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Schaufenster Emden, Wilhelm Eilers. Kruithoff hieß den Gast auf Niederländisch willkommen.
Gesichter waren von Ruß geschwärzt
Begleitet wurde der Sinterklaas von drei „Zwarte Pieten“. Dabei gab es eine Neuerung. Denn zum ersten Mal in der langen Geschichte der Visite in Emden waren diese Nikolaus-Gehilfen nicht schwarz, sondern nur so schminkt, als seien ihre hellhäutigen Gesichter von Ruß beschmutzt. Denn der niederländischen Legende zufolge kriechen die Helfer des Sinterklaas durch die Schornsteine der Häuser und bringen den Kindern Geschenke. Die große Bescherung in den Niederlanden ist dann am 5. Dezember.
Nach Angaben von Brons hatte die niederländische Regierung angeordnet, dass die „Zwarten Pieten“ nicht mehr schwarz geschminkt auftreten. Der Hintergrund: In den Niederlanden ist die Ankunft des Nikolaus seit Jahren immer wieder mit heftigem Streit um dessen schwarze Gehilfen verbunden. Kritiker sehen in den traditionell schwarz geschminkten Begleitern in Pagenkostümen eine Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen. Auch in Emden hatte das in der Vergangenheit zu Diskussionen geführt.
Der Nikolaus besuchte auch Geflüchtete
Die Musiker der Blaskapelle De Klinker aus dem niederländischen Winschoten, die den Besuch des Sinterklaas begleiteten, waren hingegen schwarz geschminkt. „Sie dürfen das auch“, sagte Brons. Denn es seien keine „Zwarte Pieten“.
Nach seiner Ankunft im Alten Binnenhafen ritt der Gast aus dem Nachbarlandauf einem Pferd durch die Innenstadt, besuchte den Engelke-Markt und verteilte Süßigkeiten. Weitere Stationen sollten am späteren Nachmittag die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der ehemaligen Barenburgschule sowie der Kulturbunker in Barenburg sein.
Die Stippvisite des niederländischen Sinterklaas in Emden hat eine lange Tradition. Sie reicht bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals kam der Heilige zunächst zu Feiern der schon vor Jahren aufgelösten „Eendracht“, einer Vereinigung von in Ostfriesland lebenden Niederländern. Nach Kriegsende ließen die Holländer in der Region diesen Brauch wieder aufleben. Öffentlich trat der Sinterklaas in Emden erstmals 1959 auf. Seitdem gehört seine Ankunft zu den Höhepunkten im vorweihnachtlichen Emden.
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