Mögliche Einflussnahme Zeugen im Wiesmoorer Drogenprozess bei Gericht angegangen
Den fünften Tag des Cannabis-Prozesses eröffnete der Richter mit klaren Worten in Richtung der Familie eines Angeklagten: Die Justiz wehre sich gegen die Beeinflussung von Zeugen.
Aurich/Wiesmoor - Der fünfte Verhandlungstag im Wiesmoorer Hanfplantagen-Prozess begann am Donnerstag mit in diesem Verfahren bisher ungewohnt deutlichen Worten von Richter Björn Raap. Er habe eine „sitzungspolizeiliche Angelegenheit“ anzusprechen – und die richte sich in Richtung Zuschauerraum, leitete der Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer ein. Dort hatten zuvor unter anderem eine Wiesmoorer Schulklasse, Wiesmoorer Bürger, einige Polizeibeamte und der Autor dieses Textes als Pressevertreter Platz genommen – doch an all die sollte sich Raaps Ansage nicht richten. Sondern an eine blonde Frau und einen dunkelhaarigen Mann, die auch schon bei vorangegangenen Verhandlungstagen dabei gewesen waren.
Ihm sei von den Wachtmeistern des Gerichts zugetragen worden, dass der Mann mitunter sehr energisch auf vom Gericht vernommene oder noch zu vernehmende Zeugen eingeredet habe. Es stehe eine mögliche Einflussnahme auf Zeugen im Raum. Die blonde Frau habe zudem in nicht erlaubter Weise Kontakt zu einem der Angeklagten aufgenommen – der in Untersuchungshaft sitzt. Ein solches Verhalten sei „nicht geboten, nicht gewünscht und nicht zulässig“, sagte Raap – und ergänzte, dass es dem Gericht möglich sei, ein Ordnungsgeld zu verhängen oder gar eine Ordnungshaft vollstrecken zu lassen. Fürs Erste belasse er es aber bei „den Worten von der Kanzel“.
Von den Wachtmeistern ließ Raap die Personalien der beiden Personen aufnehmen, die unseren Informationen zufolge zur Familie des aus Sicht der Staatsanwaltschaft Aurich mutmaßlichen Drahtziehers der Plantage gehören. Der Richter betonte, dass sich seine Anordnung nicht gegen die Öffentlichkeit des Gerichtsprozesses als solche richte, sondern ausschließlich gegen genannte Personen. Bezüglich deren Verhalten sagte der Richter noch: „Wir werden uns dagegen wehren.“ Er wolle in dem Saal „einen vernünftigen Strafprozess“ führen. Die Angesprochenen verfolgten auch im Donnerstag den Prozess weiter und unterhielten sich in und am Gerichtsgebäude unter anderem mit Rechtsanwälten.
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