Wiesmoor-Connection Zeuge vermittelte Handwerker an Rademacher-Jelten
Ein Zeuge im Wiesmoorer Drogenprozess hat CRJ mit einem Elektriker und Klempner vernetzt. Mit der Hanfplantage habe das aber nichts zu tun gehabt, sagt CRJs Anwalt.
Aurich/Wiesmoor - „Freunde sind wir nicht, Bekannte eher“, sagte am vergangenen Donnerstag ein Zeuge im Prozess um die große Cannabis-Plantage in Wiesmoor. Björn Raap, Vorsitzender Richter der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Aurich, hatte ihn zuvor gefragt, in welchem Verhältnis er zum schräg hinter ihm im Gerichtssaal sitzenden Mann stehe. Angeklagt ist dieser, weil die Staatsanwaltschaft Aurich davon ausgeht, dass er der Kopf hinter der Hanfplantage ist. Er und seine Anwälte bestreiten das. Den Mann, der nun am Zeugentisch saß, hatte der Angeklagte im offenen Strafvollzug kennengelernt – und ihm dessen Aussage nach direkt einen Job für die Zeit nach dem Gefängnis organisiert.
Der Zeuge ist gelernter Dachdecker, kümmere sich, so sagte er, aber auch um andere Holzkonstruktionen und Trockenbauarbeiten. Nach dem Gefängnisaufenthalt – wegen räuberischer Erpressung und Nötigung – habe er für den Angeklagten in dessen Friseursalons gearbeitet, „das hatten wir schon in der Haft geklärt, dass ich das mache“. Angefallen seien diverse Handwerksarbeiten, die er für seinen Bekannten durchgeführt habe. In der Zeit habe er auch Christian Rademacher-Jelten (CRJ) kennengelernt, der unter anderem der Beihilfe zum bandenmäßigen Drogenhandel beschuldigt wird. CRJ habe für sein Unternehmen „die Sachen mit der AOK“ gemacht, sagte er. Es dürfte also um Buchhaltungsdinge gegangen sein.
„Kabel ziehen kann ich nicht“
Angesichts der professionellen Elektrik und Wasserversorgung der 406-Pflanzen-Anlage in dem ehemaligen Wiesmoorer Autohaus kam bei Gericht die Frage auf, ob der Dachdecker auch als Elektriker oder Klempner arbeite – was er verneinte. „Kabel ziehen kann ich nicht“, sagte er. Er habe CRJ allerdings über seinen anderen Bekannten einen Handwerker vermittelt, der beide Gewerke beherrsche. „Ich habe nur die Nummer weitergegeben, ob da was draus geworden ist, weiß ich nicht“, so der Zeuge. Dr. Stephan Weinert, einer von CRJs Rechtsanwälten, wollte wissen, ob es bei den zu vermittelnden Elektriker- und Klempnerarbeiten um eine Soccerhalle gegangen sein könnte. „Nein, der brauchte einen Klempner für zu Hause“, sagte der Zeuge.
Nach einer Verfahrenspause kam Weinert erneut zu Wort – um eine Erklärung im Namen seines Mandanten abzugeben: Sofern der vom Zeugen genannte Handwerker Elektriker- oder Klempnerarbeiten im Auftrag von CRJ durchgeführt habe, hätten sich diese ausschließlich auf das Privathaus und die Soccerhalle seines Mandanten beschränkt. Zu Hause habe die Heizungsanlage erneuert werden müssen, in der Soccerhalle seien eine ganz Reihe an Handwerksarbeiten nötig gewesen. Was der Anwalt damit sagen will: Mit dem Aufbau einer Cannabis-Plantage habe CRJ nichts zu tun gehabt. Auch der Zeuge hatte ausgesagt, noch nie etwas mit einer Hanfplantage zu tun gehabt zu haben.
Also ist es nur ein Zufall, dass CRJ sich nach genau einem solchen Handwerker erkundigt, wie er für den Aufbau der Wiesmoorer Hanfplantage gebraucht wurde? Für das Gericht klangen die Angaben Weinerts laut Raap plausibel. Wenn man eine Cannabis-Plantage aufbaue, sei es auch eher unwahrscheinlich, sich nach örtlichen Handwerkern umzuhören, so der Richter. „Das sagt uns schon die kriminalistische Erfahrung.“ Auch Oberstaatsanwalt Helge Ommen, der in dem Strafprozess die Anklage vertritt, signalisierte in Richtung CRJs Anwalt, dass dieser Beweisstrang für ihn im weiteren Verfahren eher keine Rolle mehr spielen dürfte. Weiterverhandelt wird trotzdem – und zwar an diesem Dienstag ab 14 Uhr in Saal 03 des Auricher Landgerichts.
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