Schenkung Keramik Schätze aus der Krummhörn für das Landesmuseum
Der frühere Pewsumer Arzt Dr. Sunke Herlyn war Sammler von Delfter Fayence. Die Nachkommen haben die Sammlung jetzt dem Landesmuseum in Emden überlassen.
Krummhörn/Emden - Es ist ein Name, der einem in der ostfriesischen Geschichte öfters begegnet: Herlyn. Bis heute ist die Familie in der Region sesshaft, ebenso wie in den Niederlanden. In der Familiengeschichte gibt es mehrere, für die Region oder zumindest einzelne Orte bedeutende Herlyns. Einer davon: Sanitätsrat Dr. Sunke Herlyn.
Die Enkel dieses Arztes überreichten der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, kurz: 1820-Die Kunst, nun eine Sammlung von Delfter Fayence.
Was ist Delfter Fayence?
Das Landesmuseum, welches die Sammlung übernimmt, erklärt dies in einer Mitteilung so: „Delfter Fayence oder auch Hollants porceleyn bezeichnet ein repräsentatives Geschirr, das man in Regalen und auf Schränken – meist in mehrteiligen Sets aufstellte.“ Hergestellt wurden die Teile der Herlyn-Sammlung vor allem im 18. und 19. Jahrhundert. Damals sei auch in Ostfriesland in den Städten und auf dem Land Delfter Fayence üblich gewesen, „wo in fast jedem Haushalt zumindest einige Stücke vorhanden waren“. Vieles sei im Laufe der Zeit kaputt gegangen, weil der Geschmack sich änderte und die Fayence sehr stoßempfindlich ist.
Wer war Dr. Sunke Herlyn?
Sunke Herlyn, der 1947 verstarb, trug laut Mitteilung des Museums „den allergrößten Teil“ der Sammlung zusammen. Sunke Herlyn, der aus einer Landwirtfamilie auf der Domäne Uplewarder Grashaus stammte, war ab 1893 praktischer Arzt, Frauenarzt und Geburtshelfer in Pewsum, wo er Wohn- und Praxishaus gegenüber der Burg hatte. Die Nachmittage war er auf Hausbesuchen in der Krummhörn unterwegs. „Manches Stück erwarb er bei diesen Gelegenheiten, denn nicht in jedem Haushalt war zu seiner Zeit das alte Porzellan noch so geschätzt wie zu seiner Entstehungszeit“, so das Museum.
Ab dem mittleren 19. Jahrhundert wurde historische Delfter Fayence erneut ein Sammelgebiet bis in die heutige Zeit. „Dr. Sunke Herlyn war einer dieser Sammler, der zahlreiche Stücke aus ostfriesischen Haushalten bewahrte“, erklärt das Landesmuseum.
Woraus besteht die Sammlung?
Die Schenkung umfasst rund 70 Vasen, Teller und Figuren überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Viele Stücke tragen die Marke einer großen Manufaktur in Delft, das sich im 17. Jahrhundert zu einem Zentrum der Keramikproduktion entwickelte. Mitte des 17. Jahrhunderts gab es dort mehr als 20 Werkstätten, so das Landesmuseum. Sie produzierten zunächst Keramiken, die das viel bewunderte chinesische Porzellan nachahmten. Der dunklere Scherben der Irdenware wurde mit einer opaken weißen Glasur überzogen und nach chinesischen Vorbildern bemalt.
Neben solchen Kopien sei die Produktion bald „von originellen Dekoren“ bestimmt worden, die aus einer Mischung europäischer und chinesischer Motive entstanden. Daneben wurden neue Gefäßformen entwickelt und Figuren geformt. Delfter Fayence etablierte sich als eine Keramikindustrie, die europaweit gehandelt und gesammelt wurde. Dabei gab es durchaus Qualitätsunterschiede. Einige große Firmen setzten Marken auf ihre Produkte und hatten oft sogar namentlich überlieferte Maler beschäftigt. Viele der Keramiken in der Sammlung Herlyn seien solche Markenware.
Welche Bedeutung hat die Sammlung?
Für das Museum ist dieser historische Hintergrund der Sammlung ein wichtiges kulturhistorisches Zeugnis. „Mit konkreten Stücken dokumentiert sie die breite Wertschätzung der Delfter Fayence in Ostfriesland schon zur Produktionszeit in breiten Teilen der Bevölkerung“, heißt es zur Begründung.
Für das Museum ist die Schenkung aber noch aus einem anderen Grund von Bedeutung: Die ursprünglichen Fayence-Objekte des Museums wurden größtenteils im Krieg zerstört. Erst durch die jetzige Schenkung und eine Schenkung aus dem Jahr 2019 konnte der Bestand wieder aufgebaut werden.
Gezeigt werden ausgewählte Teile der Sammlung bis auf Weiteres im Foyer des Landesmuseums.