Wiesmoorer Drogenprozess War das viele Bargeld im Porsche für eine Luxusuhr gedacht?
Im Juni stoppt die niederländische Polizei einen Porsche. Darin: ein jetzt Angeklagter im Wiesmoorer Drogenprozess und 65.000 Euro. Das sagt sein Steuerberater zu der Sache.
Aurich/Wiesmoor - Als der Mann, den die Auricher Staatsanwaltschaft für den Drahtzieher der Wiesmoorer Hanfplantage hält, im Juni von der niederländischen Polizei gestellt wurde, hatte er 65.000 Euro Bargeld dabei. In einem am Auricher Landgericht vorgetragenen Brief schrieb der Steuerberater des Mannes nun, wofür das viele Geld gedacht gewesen sei: Sein Mandant habe damit in den Niederlanden eine teure Uhr als Wertanlage kaufen wollen. Das habe er ihm mitgeteilt, so der Ammerländer.
Vor der 1. Großen Strafkammer sagte er zudem, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass sein Mandant mit so viel Bargeld herumgefahren sei. Er besitze vier Friseursalons, in denen die Kunden üblicherweise bar bezahlten. Jeden Tag fahre der Angeklagte seine Geschäfte ab, sammele das Geld ein und fahre damit nach Hause. „Das macht nicht nur er so“, sagte der Steuerberater. Bei vielen seiner Kunden im „bargeldintensiven Bereich“ sei das durchaus üblich. Als Beispiel nannte er etwa Dönerbuden, Restaurants und andere Friseure. Einige der Mandanten vertrauten den Banken nicht oder hätten andere Gründe, das Geld zu Hause aufzubewahren. „Es macht ja auch keinen Sinn, Geld einzuzahlen und dann im Supermarkt mit der EC-Karte zu bezahlen, oder?“, sagte der Steuerberater.
Warum raste der Mann davon?
Das Geld, das sein Mandant für Überweisungen – etwa für Löhne oder Krankenkassenbeiträge – benötige, bringe dieser regelmäßig zu dessen Geschäftsbank. „Den Rest hat er für sich“, sagte der Steuerberater. Das gehe auch aus den buchhalterischen Unterlagen so hervor, wobei diese für die vergangenen Jahre nicht vollständig seien. Bevor er für den Angeklagten tätig geworden sei, habe Christian Rademacher-Jelten die Buchhaltung und Steuer für ihn gemacht. Erst seit dieser in Untersuchungshaft sitze, sei er für den Mann tätig – und einige Unterlagen lägen wegen der Ermittlungen noch bei der Staatsanwaltschaft.
Natürlich haben das Gericht und die Staatsanwaltschaft ein großes Interesse daran, zu erfahren, wofür die 65.000 Euro bestimmt waren. Noch interessanter dürfte aber sein, woher das Geld stammt. Während der vergangenen Monate hatten wir mehrmals bei den niederländischen Behörden nachgefragt – aber immer wieder die kurze Antwort erhalten, dass man zu den Ermittlungsergebnissen nichts sagen könne. Der Steuerberater des Angeklagten rechnete bei Gericht vor, dass es aus seiner Sicht durchaus plausibel sei, dass das Geld aus den Kassen der Friseursalons stamme. Das erklärt allerdings nicht, warum der Mann im Juni mit dem Porsche davonraste, als die Polizei ihn auf der Autobahn anhalten wollte.
„Wir haben inzwischen die originalen niederländischen Ermittlungsakten erhalten“, sagte Björn Raap, Vorsitzender Richter der 1. Großen Strafkammer, beim jüngsten Verhandlungstermin. Ein Teil davon sei bereits übersetzt worden. Die niederländischen Behörden hatten den Mann nach einer Verfolgungsjagd an einem Kreisverkehr gestoppt und, als dieser aus dem Auto gesprungen war und davonlief, mit einer Elektroschock-Pistole niedergestreckt. Danach hatten sie in Abstimmung mit der deutschen Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Der öffentliche Strafprozess in Aurich wird am Mittwoch, 4. Januar, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann könnten auch die niederländischen Ermittlungsergebnisse eine Rolle in der Beweisaufnahme spielen.
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