An der Straße und am Grundstück Treibjagden – Das dürfen die Jäger
Bei Facebook gab es Beschwerden über Jagden an Privatgrundstücken, im Dezember standen viele Schilder auch an Bundesstraßen. Was dürfen Jäger?
Rheiderland - Eine Rehfamilie habe auf einem verfallenen Hof im Rheiderland gelebt, dort das Fallobst gefressen, sei nach einer Treibjagd jetzt nicht mehr da – verärgert schrieb dies ein Nutzer auf Facebook. Im Dezember gab es an vielen Straßen im Kreis Leer Schilder mit dem Hinweis auf Treibjagden. Für den einen oder anderen mag das ein mulmiges Gefühl auslösen. Wir wollten wissen, was es mit den Jagden auf sich hat.
Was und warum
Darum geht es: Im Dezember gab es einige Treibjagden im Kreis Leer. Die Schilder, die darauf hinweisen, stehen auch an Bundesstraßen. Was passiert eigentlich bei solchen Jagden?
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Natur, Tiere und Jagd interessieren
Deshalb berichten wir: Bei Facebook beschwerten sich ein paar Nutzer über Treibjagden. Wir wollten wissen, was ein Jäger darf und was nicht. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
„Zunächst mal muss man wissen, dass es natürlich keine Jagdausübung in privaten Gärten gibt“, sagt Jan-Wilhelm Hilbrands aus Jemgum, Kreisjägermeister im Kreis Leer. Die Jagd ruhe dort, so formuliere man es. Generell gelte aber, dass die Jagd auf einer Wiese oder anderen ländlichen Grundstücken, auch wenn die Privatbesitz sind, erlaubt sei.
Jagd an der Bundesstraße?
Gerade im Dezember begegneten Autofahrern, die im Kreis Leer unterwegs waren, immer wieder Warnschilder. Auf ihnen waren rennende Wildtiere abgebildet und das Wort „Treibjagd“. Aber eine Jagd an der Bundesstraße? „Natürlich wird nicht bewusst in Richtung der Straßen getrieben“, sagt Hilbrands. Zum Schutz der Tiere – auch der Jagdhunde – würden die Kraftfahrer aber auf die Jagd aufmerksam gemacht. „Aus Sicherheitsgründen, aus Versicherungsgründen und aus Vorsicht. Jäger stehen im Fokus. Wir möchten natürlich, dass alles glatt läuft, sonst schaden wir uns ja auch selbst.“
Nicht nur die Schilder, die auf möglichen Wildwechsel aufmerksam machen, können verunsichern. „Manchmal wundern sich vielleicht Personen, wenn sie viele Menschen auf einmal über ein Feld gehen sehen“, fügt Jürgen Oltmanns aus Uplengen, Obmann für das jagdliche Schießen im Kreis Leer, hinzu. „Zum Beispiel in Uplengen sind bei Treibjagden auch Leute aus dem Ort mit dabei als Treiber. Das sieht vielleicht ungewöhnlich aus. Aber man muss wissen, dass man nah an einem Hasen dran sein muss, damit man ihn sicher erlegen kann. Das kann man besser sicherstellen, wenn mehrere Leute in einer Reihe gehen“, sagt er. Es gehe aber nicht darum, einfach so viele Tiere wie möglich zu erlegen. „Wir fragen vorher herum, wer einen Hasen haben möchte“, sagt er. Zum sogenannten Hasensilvester zum Jahreswechsel ist die Jagd auf das Langohr vorbei. „Treibjagden sind im Rheiderland überlicherweise Hasenjagden“, erklärt Harm Groeneveld aus Jemgum, Obmann für Naturschutz. Er ist Jagdpächter in Bingum.
Was treiben die da eigentlich?
Eine Treibjagd ist eine Gesellschaftsjagd mit mehreren Beteiligten. „Es wird aber nicht wild durcheinandergelaufen und einfach alles geschossen“, erklärt Hilbrands. Es werde vorher festgelegt, was gejagt werde, es sei wichtig, dass man gut sichtbare Kleidung trage, außerhalb der Jagd würden die Waffen immer entladen geführt. „Bei den meisten sieht man das dadurch, dass sie geknickt sind“, erklärt er.
Kritiker sehen in der Treibjagd eine zu große Stressbelastung der Tiere und eine zu große Gefahr der Verwundung und dadurch eines langsamen Todes. „Der Vorteil bei Treibjagden ein-, zweimal im Jahr ist, dass die Tiere seltener beunruhigt werden und die Regulierung trotzdem sichergestellt ist“, hält Hilbrands gegen. „Allerhöchstes Ziel ist, dass kein Tier verletzt zurückbleibt. Die Hunde sind dafür ausgebildet, die Tiere schnell zu packen“, erklärt Groeneveld. Es gehe auch in Bingum nicht darum, möglichst viele Hasen zu erlegen. „Natürlich ist Jagd eine Passion und dazu gehört das Erlegen. Aber auch das Hegen und Pflegen. Wir haben heute Möglichkeiten, die Bestände zu überwachen und mit Vorjahren zu vergleichen. Wenn man feststellt, dass es weniger wird, gibt es keine weitere Jagd – dann ist sofort Schluss.“
Wo ist Jagd tabu?
Nicht nur in privaten Gärten ist Jagen tabu. Es gibt auch sogenannte befriedete Bezirke. „Dazu zählen Friedhöfe oder Sportplätze“, so Groeneveld. Auch Privatleute, die aus ethischen Gründen die Jagd nicht auf ihrem Grund dulden wollten, könnten entsprechende Anträge stellen. Das komme aber eher selten vor. Wie Kreisjägermeister Hilbrands sagt, seien auch Anrufe mit Beschwerden eher selten.
„Man kann vieles nachvollziehen und innerhalb der vorgeschriebenen Zeiten ist auch nicht viel gegen Jagden einzuwenden. Allerdings könnte man hinterfragen, warum auch Treibjagden in Vogelschutzgebieten stattfinden“, sagt Agnes Ratering, erste Vorsitzende der Nabu-Gruppe Rheiderland. Vor einigen Tagen habe sie eine solche Jagd beobachtet.
Im Mai 2013 hatten die Grünen im Rat der Stadt Weener mit ihrem Antrag zur Abschaffung der Jagd im Hessepark Weener eine breite Diskussion zwischen Jägern und Naturinteressierten losgetreten. Grundstückseigentümer und Jäger haben nach Angaben des Kreises Leer 2015 allerdings eine einvernehmliche Lösung gefunden.