WG-Leben in Veenhusen Fünf Senioren, eine Küche und viel gemeinsame Zeit
Weil sie nicht mehr alleine leben können oder wollen, sind fünf Senioren in eine betreute Wohngemeinschaft in Moormerland gezogen. Wir haben sie getroffen.
Veenhusen - Wenn Fenna Schilling aus ihrem Fenster schaut, dann sieht sie gleich, ob jemand zu Besuch kommt. Aber diese Aussicht genießt sie nicht so oft. Denn gerne hält sie sich im großen Gemeinschaftsraum auf, wo immer jemand ist. „Ich konnte nicht mehr alleine leben“, sagt die 78-Jährige. Ihre Töchter hätten dafür gesorgt, dass sie umziehen konnte.
Was und warum
Darum geht es: In Moormerland gibt es eine neue WG für Senioren in einer Pflegeeinrichtung.
Vor allem interessant für: alte und nicht so alte Menschen
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, warum sich die Bewohnerinnen für diese Wohnform entschieden haben Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Nun ist sie eine der ersten Bewohnerinnen einer neuen Senioren-Wohngemeinschaft im Haus am Weidenweg. Diese Einrichtung gibt es offiziell seit November. Fünf der Zimmer im Haus am Weidenweg sind bereits belegt, sieben weitere warten auf neue Bewohner, sagt Geschäftsführer Christoph Leßnig. Das Konzept: Die Bewohnerinnen und Bewohner haben jeweils ein eigenes Zimmer mit Bad und können die Gemeinschaftsräume jederzeit nutzen.
Es wird gemeinsam entschieden
Fenna Schilling und ihre Zimmernachbarin Elisabeth Busse machen davon gerne Gebrauch. „Es ist immer jemand da“, sagt die 88-jährige Elisabeth Busse und meint damit nicht nur ihre Mitbewohner. Denn darüber hinaus ist die Küche immer mit einer Mitarbeiterin besetzt und der Pflegedienst ist ebenfalls zur Stelle, wenn es nötig ist, sagt Pflegedienstleiterin Ingrid Rühaak. Trotzdem ist das Leben in der Wohngemeinschaft selbstbestimmter als in einem Pflegeheim.
Denn die WG-Mitglieder entscheiden vieles selbst. Zum Beispiel, wann die Mahlzeiten eingenommen werden. Es wird zusammen gefrühstückt, das gleiche gilt für Mittagessen und Abendbrot. Die Küche kann gemeinsam genutzt werden, um ein Essen für alle zu kochen. Kürzlich hat Fenna Schilling ostfriesischen Stipp gemacht, eine Soße aus Zwiebeln und Speck mit Milch. „Ich hatte Hilfe dabei“, freut sie sich. Die fehlte ihr zu Hause. Ihre Parkinson-Erkrankung hatte sich verschlimmert, alleine kam sie nicht mehr zurecht. „Man muss immer jemanden fragen“, sagt sie, aber gleichzeitig wollte sie ihren Angehörigen nicht lästig werden. Die Wohngemeinschaft bietet ihr beides: Es gibt so viel Hilfe wie nötig, aber mehr persönliche Freiheiten als im Pflegeheim.
Eigene Möbel kommen mit
Das fängt bei der Zimmereinrichtung an. „Die Zimmer sind leer und können nach Belieben eingerichtet werden“, sagt Leßnig. Fenna Schilling und Elisabeth Busse haben das gemacht. Schränke und Sofa, Fernsehsessel und Tische sind aus ihrem früheren Zuhause mitgekommen. Beide haben Bilder ihrer Familie aufgestellt und aufgehängt. „Ich brauche noch einen Schrank“, sagt Elisabeth Busse, und sie habe noch nicht alle Bilder aufgehängt.
Aber sonst haben beide es sich gemütlich gemacht. Die großen Häuser, die sie vorher hatten, vermissen sie nicht, beteuern die Witwen. Es sei einfach zu viel Arbeit, die sie nicht mehr schafften. Hier wird zum Beispiel die Wäsche für sie gewaschen. Bekannte und Angehörige sind jederzeit willkommen. Sie könnten sich mit dem Besuch in die Zimmer zurückziehen – aber das passiert nicht oft. „Sie setzen sich hier einfach dazu, dann gibt es Tee“, freut sich Fenna Schilling.
Jederzeit nach draußen gehen
Die beiden Frauen haben sich schon eingewöhnt. „Nach dem Frühstück bleiben meistens alle noch sitzen. Dann quatschen wir manchmal ein oder zwei Stunden weiter“, sagt Elisabeth Busse. Vor dem Esszimmerfenster liegt ein kleiner Garten, leider steht er nach dem vielen Regen unter Wasser. Aber im Frühjahr brauchen die WG-Mitglieder nur die Tür aufzumachen und können nach draußen.
Gemeinsame Ausflüge sind geplant, sagt Geschäftsführer Leßnig. Dafür könne der Kleinbus des Haus am Königsmoor, dem Pflegeheim nebenan, benutzt werden. Spaziergänge in die Umgebung sind ebenfalls kein Problem. Alles so, wie es die Bewohnerinnen und Bewohner wollen. Wenn sie nicht selbst kochen wollen, kann das Essen aus dem Haus am Königsmoor bestellt werden. „Wir hatten Königsberger Klopse, die waren sehr lecker“, schwärmt Elisabeth Busse.
Kasse liegt in Selbstverwaltung
Neben der Miete für das Zimmer zahlen die WG-Mitglieder jeden Monat 290 Euro in eine Gemeinschaftskasse ein. Daraus werden zum Beispiel Einkäufe für das Essen bezahlt. „Das geschieht in Selbstverwaltung“, sagt Leßnig, der auch das Haus am Königsmoor leitet. Ähnliche Wohngemeinschaften gibt es zwar schon im Landkreis Leer, aber bisher nicht in Moormerland.
Im Haus am Weidenweg gibt es außerdem eine Tagespflege sowie ambulante Pflege und Service-Wohnen. Die Wohngemeinschaft, die bewusst für Demenzkranke offen ist, stellt eine Zwischenform dar. Elisabeth Busse drängt nun zum Aufbruch. Sie will nämlich zum Sport in der Tagespflege.