Wiesmoor-Connection So kam die „Katzenfrau“ ins Spiel
Woher Christian Rademacher-Jelten die meisten seiner Geschäftspartner kannte, hatten wir schnell herausgefunden. Aber woher kannte er die „Katzenfrau“? Ein Anrufer gibt den entscheidenden Tipp.
Wiesmoor - Unsere Recherche über die Wiesmoor-Connection hatte im Frühjahr 2022 mit einer Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei begonnen: Eine junge Frau aus Aurich werde verdächtigt, den Staat und damit alle Steuerzahler mit fingierten Corona-Tests betrogen zu haben. Wir wurden skeptisch: Sollte diese Frau, die in Wiesmoor, der Zentrale des Geschehens, eigentlich nur für ihre Vorliebe für Katzen bekannt ist, tatsächlich allein hinter einem mutmaßlichen Millionenbetrug stecken? Unsere Recherche ergab: Nein, absolut nicht. Hinter der Sache – und mutmaßlich noch hinter einigen anderen – steckt ein Geflecht an Firmen: die Wiesmoor-Connection mit Ex-Bürgermeisterkandidat Christian Rademacher-Jelten im Zentrum. Doch eins blieb bis jetzt unklar: Wie kam die junge Frau dazu, Geschäftsführerin und Gesellschafterin zu werden?
Bei vielen Akteuren waren die Beziehungen zu Rademacher-Jelten vergleichsweise schnell aufgedeckt: Die jungen Männer, die für ihn arbeiteten, kannte er vom Fußball, Gastronomen über die Buchhaltung und Steuerberatung – obwohl er nie die Steuerberaterprüfung bestanden hatte. Wieder andere Personen hatte er über familiäre Verbindungen kennengelernt, Rechtsanwälte darüber, dass er ihre Unterschriften beziehungsweise ihre Namen auf offiziellen Dokumenten brauchte. Aber die „Katzenfrau“? Keine Ahnung, wie sie mit ins Spiel gekommen ist. Das sagten wir im OZ-Podcast „Aktenzeichen Ostfriesland“, in dem es in der ersten Staffel um die Wiesmoor-Connection geht. Einige Tage nach der Veröffentlichung meldete sich ein Mann in der Redaktion: Er wisse, woher Rademacher-Jelten und die Frau sich kennen.
Ex-Chef zählt zu den Verdächtigen
Wer der Mann ist, kann wegen des Quellenschutzes nicht preisgegeben werden. Wir haben allerdings unter anderem anhand seiner Telefonnummer seine Identität geprüft und andere verlässliche Quellen zu seiner Glaubwürdigkeit befragt. Er sagt, dass Rademacher-Jelten und die „Katzenfrau“ mehrmals in einem Unternehmen, das er kenne, aufeinandergetroffen seien. Sie habe bei einer Installations- und Wartungsfirma im Nordwesten als Bürokraft gearbeitet, für die auch Rademacher-Jelten tätig gewesen sei, sagte der Mann. Und: Im Zuge der vielen Razzien Ende Mai sei auch diese Firma von der Polizei durchsucht worden – in der Hoffnung, Beweise für den mutmaßlichen Millionenbetrug mit Corona-Subventionen zu finden. Aus Unterlagen der Strafverfolger, deren Inhalt wir kennen, geht tatsächlich hervor, dass der ehemalige Chef dieses Unternehmens einer der Verdächtigen ist.
Er hatte das Unternehmen laut Handelsregister im Sommer 2021 an einen Angehörigen überschrieben. Einen Autohandel, an dem bis Januar 2022 auch Rademacher-Jeltens Beratungsfirma beteiligt war, führt er allerdings weiter. Die Beratungsfirma gehört nach aktuellem Stand des Handelsregisters zu 75 Prozent dem Rademacher-Jelten-Vertrauten Dave und zu 25 Prozent der KS Consult GmbH, die im Zentrum der Wiesmoor-Connection steht. Bis November 2021 hatten Daves Geschäftsanteile noch einem Privatmann aus Ostfriesland und der Installationsfirma gehört, bei der die „Katzenfrau“ gearbeitet hat. Bis kurz nach der Razzia war sie außerdem Geschäftsführerin von Rademacher-Jeltens Beratungsfirma.
Falsche Adresse auf offiziellem Dokument
Auch an dieser Konstellation merkt man, wie stark das Wiesmoorer Firmengeflecht auf Verschleierung und Verwirrung ausgelegt ist: Mitarbeiter werden zu Inhabern und Geschäftsführern, Unternehmensanteile wechseln hin und her. Da wundert es nicht, dass auch ein Notar mal durcheinander kommen kann: Auf einem offiziellen Dokument der Beratungsfirma im Handelsregister taucht als Geschäftsadresse die Anschrift des Installationsbetriebs auf. Mit Kugelschreiber wurde sie durchgestrichen und durch die korrekte Anschrift ersetzt. „Adresse gestrichen und berichtigt“ ist da notiert – mit Notar-Unterschrift und Niedersachsenpferd-Stempel. Ganz unten steht die Unterschrift der „Katzenfrau“ als Geschäftsführerin.
Wir wollen mit ihr – wie schon vor Monaten – über ihre Rolle in der Angelegenheit sprechen, doch unter den Telefonnummern, die uns bekannt sind, ist sie nicht zu erreichen. Rademacher-Jeltens Familie hat uns am Rande eines Gerichtsprozesses gesagt, dass weder sie noch der Familienvater selbst mit uns zur Sache sprechen werden, ehe nicht alle juristischen Dinge erledigt sind. Und der Technik-Experte und Autoverkäufer? Der geht wenigstens ans Telefon, hat aber gerade keine Zeit. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen. Doch als wir ihm in unserem zweiten Gespräch ganz zu Beginn sagen, dass wir für die Ostfriesen-Zeitung arbeiten und mit ihm über Christian Rademacher-Jelten sprechen möchten, legt er ohne ein weiteres Wort auf.CRJ, der „König von Weedmoor“
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