Ostfriese reist mit Meppen nach Dresden Wie Luca Prasse sich für den Profivertrag in Meppen empfahl
Vor wenigen Tagen noch FSJ in Hinte, nun Drittliga-Auswärtsspiel in Dresden: Beim Ostfriesen ist viel passiert. Mit einer Eigenschaft beeindruckt der Ostfriese in Meppen besonders.
Hinte - „Gib mir einen Ball und ich zeig dir was mein Leben bedeutet.“ Der Whats-App-Status von Luca Prasse sagt viel aus über den 18-Jährigen aus Hinte. Viereinhalb Jahre schon pendelt der Ostfriese mehrmals die Woche mit dem Zug von Emden nach Meppen. „Egal, wie groß der Aufwand war und wie auch das Wetter war: Luca hat sich auf jedes Training gefreut. Das hat mich selber überrascht“, verrät Vater Michael Prasse.
Der hohe Aufwand hat sich für Luca Prasse nun bezahlt gemacht. Der Leistungsträger der A-Junioren des SV Meppen (Bundesliga) unterschrieb Mitte der Woche einen Profivertrag für das Männerteam in der 3. Liga. Für zweieinhalb Jahre. Ein Vertrauensvorschuss, den sich der Offensivspieler durch seine guten Trainingsleistungen in den vergangenen Wochen bei den Profis erspielt hatte. „Lucas große Stärke ist seine Unbekümmertheit, die er auch bei den Profis weiter an den Tag legt“, sagt sein Trainer U19-Trainer Carsten Stammermann, in dem zwei Herzen schlagen. „Einerseits verliert unsere Mannschaft einen wichtigen und tollen Spieler für die Rückserie – anderseits ist Luca ein tolles Vorbild für all die anderen Talente, die auch Profi werden wollen.“
Plötzlich ging es ganz schnell
Bis vor wenigen Tagen war Luca Prasse ein talentierter 18-jähriger Fußballer, der vormittags ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Grundschule in Hinte leistete und abends in Meppen mit der U19 trainierte. Nun hat er sein FSJ vorzeitig beendet – er ist nun Berufsfußballer. Nach zwei Trainingseinheiten am Donnerstag und der Rückkehr ins elterliche Haus in Hinte am frühen Abend saß er am Freitag schon wieder um 7.52 Uhr im Regionalzug Richtung Meppen. Training um 10 Uhr, Treff um 9.15 Uhr. Samstagvormittag wurde nochmal trainiert. Danach stieg der 18-Jährige mit in den Bus nach Dresden, wo am Sonntag nach einer Hotelnacht an der Elbe das Auswärtsspiel bei Dynamo ansteht. Vor rund 20.000 Zuschauern. Auch der zweite Ostfriese Marek Janssen aus Jemgum (zuletzt BW Lohne) steht im Kader.
„Das ist natürlich alles sehr aufregend. Ich mache mir aber keinen großen Kopf. Auch wenn Herrenfußball nochmal ein anderer Schritt ist. Das habe ich in den Trainingswochen auch schon festgestellt.“ Meppen steckt in der 3. Liga im Abstiegskampf. Sollte es mal nicht zum Kaderplatz reichen, fällt Prasse weich. Er kann weiterhin bei den U19-Junioren spielen, die er im entscheidenden Aufstiegsspiel im Juni mit drei Toren beim 4:0-Sieg in die Bundesliga schoss. „Ich warte die nächsten Wochen ab, wie sich alles so entwickelt.“
Nur eine kleine Delle in der B-Jugend
Seine Fußball-Entwicklung begann bei den G-Junioren bei Concordia Suurhusen. Sein Trainer bis zum Wechsel in der C-Jugend zu Kickers Emden war Vater Michael, der früher 13 Jahre bei FT Groß-Midlum spielte und derzeit die Reserve von Concordia Suurhusen trainiert. Als der SV Meppen sich nach nur einem Landesliga-Jahr im Hause Prasse meldete, war die Familie überrascht.
„Die wollten ihn für die C-Jugend-Regionalliga. Das ging alles sehr schnell. Wegen des hohen Aufwandes haben wir aber nicht direkt ja gesagt, nach einiger Bedenkzeit aber schon“, erinnert sich Michael Prasse. In Meppen ging es für den Sohnemann bis auf die erste Saison in der B-Jugend, wo er erst in der U16 spielen musste, immer nach vorne.
Dann meldeten sich die Berater
Auch einige Berater meldeten sich bei Familie Prasse, um das Talent zu betreuen. Ein üblicher Prozess. „Für uns war das alles Neuland. Ich arbeite bei Volkswagen zum Glück mit Daniel Franziskus zusammen, der uns mit Rat und Tat zur Seite steht und auch einen Berater empfohlen hat“, erzählt Michael Prasse. Daniel Franziskus war einige Jahre selbst Profi in Oldenburg, Regensburg oder Lübeck.
Als der Vertrag unterschrieben war, teilte Luca Prasse erstmal die Freude mit seinen Eltern und seiner Schwester, die ihn auf dem Weg auch immer begleitet hatten und mehrmals die Woche zum Bahnhof nach Emden hingebracht und abgeholt haben. Auch die gestandenen Profis in der Kabine beglückwünschten den jungen Ostfriesen, der beim ersten Training bei den Männern „noch sehr nervös“ war. Aber nur vor dem Training. Als der Ball ins Spiel kam, war er wieder Luca, der Unbekümmerte. Das lässt auch den Vater staunen. „Er hat auch bei den Profis die Ruhe weg, das ist bemerkenswert.“