Analyse in der Krummhörn  Schulen und Kitas vor „gravierenden“ Veränderungen

| | 01.02.2023 19:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Diskussion um die Bildungslandschaft in der Krummhörn beschränkte sich bislang vor allem auf die Grundschulen. Aber auch bei den Kitas gibt es offenbar viel zu tun. DPA-Symbolbild: Kusch
Die Diskussion um die Bildungslandschaft in der Krummhörn beschränkte sich bislang vor allem auf die Grundschulen. Aber auch bei den Kitas gibt es offenbar viel zu tun. DPA-Symbolbild: Kusch
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Ursprünglich sollten in der kommenden Woche die Ergebnisse der Analyse zu Kitas und Grundschulen in der Krummhörn öffentlich vorgestellt werden. Doch daraus wird nichts.

Krummhörn - Es ist ein gut gehütetes Geheimnis in der Gemeinde Krummhörn: die Ergebnisse der Bedarfsanalyse zu den Grundschulen und Kitas. Eigentlich sollten diese in der kommenden Woche erstmals öffentlich in einer Sitzung des Bildungsausschusses vorgestellt werden. Doch dies wurde verschoben. Dennoch sickern erste Details durch.

Was und warum

Darum geht es: Die Bedarfsanalyse hat vier Szenarien für Grundschulen entwickelt. Schließungen sind eine Option, nicht nur in Jennelt.

Vor allem interessant für: (werdende) Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Krummhörnerinnen und Krummhörner

Deshalb berichten wir: Die angekündigte öffentliche Vorstellung der Bedarfsanalyse wurde ohne Angabe von Gründen abgesetzt. Im Laufe des Tages wurden dennoch erste Details bekannt.

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Zunächst gab es für das Fehlen des Tagesordnungspunktes Bedarfsanalyse in der Sitzungsankündigung keine Begründung. Erst auf Nachfrage erklärte die Gemeindeverwaltung gegenüber der Redaktion, dass es noch Gesprächsbedarf gebe, bevor man an die Öffentlichkeit geht. Zwei solcher nicht-öffentlichen Gespräche gab es bereits, aber die haben offenbar nicht ausgereicht.

Offenbar vier Szenarien zur Zukunft der Schulen

Nach Informationen dieser Zeitung hat die Firma Biregio, die mit der Bedarfsanalyse beauftragt worden war, vier Szenarien entworfen.

Die Vorschläge beinhalten demnach folgende Stoßrichtungen: Erhalt aller Standorte, Schließung aller Standorte bis auf Pewsum, Aufgabe der Standorte Loquard und Greetsiel, Aufgabe des Standortes Jennelt.

Dass Loquard und Greetsiel als Standorte zur Diskussion stehen, verwundert nicht. Zum gleichen Ergebnis ist Biregio nämlich schon 2014 in einer landkreisweiten Analyse gekommen. Damals entschied sich der Gemeinderat allerdings für einen Erhalt aller Standorte in der Krummhörn.

Pewsum wäre der große Profiteur

Diese Option bleibt auch diesmal bestehen, ist dem Vernehmen nach aber nicht die vorrangige Empfehlung von Biregio. Die Experten sehen zwar einen Vorteil im Erhalt mehrerer Grundschulstandorte, aber eben nicht unbedingt im Erhalt aller.

Profitieren dürfte bei allen vorgeschlagenen Varianten, sofern diesen gefolgt wird, vor allem Pewsum: Die Grundschule im größten Ort der Gemeinde wird nämlich in allen Fällen für eine Erweiterung/Sanierung oder gar einen Neubau vorgeschlagen. Die Varianten reichen hier von einer Dreizügigkeit bis hin zu einer Fünfzügigkeit, also drei bis fünf Klassen pro Jahrgang.

Bei Kitas droht Unterversorgung

Der Grundschulstandort Jennelt profitiert in der Hälfte der Fälle. Sowohl bei einem Erhalt aller Standorte als auch bei der Aufgabe von Greetsiel und Loquard rät Biregio zur Sanierung – oder gar zu einer Erweiterung auf zwei Klassen pro Jahrgang.

Interessant auch: Nach Informationen dieser Zeitung muss die Gemeinde Krummhörn auch bei den Krippen- und Kitaplätzen für die Zukunft deutliche Weichen stellen. Hier kündigt sich eine Unterversorgung an. Das erklärt auch, warum sich Biregio beispielsweise im Falle der Aufgabe der Grundschulstandorte in Loquard und Greetsiel für eine Nachnutzung der Gebäude als Kitas ausspricht.

„Wir stehen vor gravierenden Veränderungen“

Auf Nachfrage möchte sich Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) nicht zu den Details äußern. „Ich möchte nicht, dass sich jemand festlegt oder in eine Ecke gedrängt wird, bis nicht alle Informationen vorliegen“, sagt sie im Gespräch.

Looden weiter: „Es hat sich aber gezeigt, dass es sehr gut war, dass wir die Kitas mit in die Bedarfsanalyse genommen haben.“ Auch, weil hier gleich mehrere Faktoren zusammenkommen würden, unter anderem: neue gesetzliche Bestimmungen zur Ganztagsbetreuung und die ausstehende Kita-Vereinbarung mit den Landkreis. „Wir stehen vor gravierenden Veränderungen“, so Looden. Die Aufgabe, die Bildungslandschaft in der Krummhörn auf die kommenden Herausforderungen einzustellen, sei „sehr groß“. Das sei aber auch allen Beteiligten, sowohl auf entscheidender als auch auf „betroffener“ Seite jetzt mehr als bewusst. Der Handlungsbedarf sei „offensichtlich geworden“, so Looden. „Sorgfalt geht immer vor Schnelligkeit, hier aber besonders“, so die Bürgermeisterin.

Was sagt die Bürgerinitiative?

Auf Nachfrage äußert sich Jutta Lerche-Schaudinn, ehemalige Schulleiterin der Grundschule Jennelt und Mitbegründerin der Bürgerinitiative zum Erhalt des Grundschulstandortes, nicht zu den genauen Inhalten der Bedarfsanalyse. Sie begrüßt allerdings, dass es vor der öffentlichen Vorstellung einen weiteren Beratungstermin geben soll.

Wie geht es jetzt weiter?

Zu betonen ist: Egal, zu welchen Ergebnissen Biregio in der Bedarfsanalyse kommt, die Analyse bleibt eine Entscheidungshilfe. Die Politik, die schlussendlich über das weitere Vorgehen entscheidet, kann sich an die Analyse halten, muss sie aber nicht. „Wir müssen wirklich die ganze Bildungslandschaft in den Blick nehmen“, so Looden.

Am 4. März soll es eine weitere Diskussion über die Ergebnisse mit allen „Beteiligten und Betroffenen“ geben. Am 7. März soll dann die fertige Bedarfsanalyse in einer zusätzlichen, dann öffentlichen Sitzung des Bildungsausschusses vorgestellt werden. Das bedeutet, dass im Gemeinderat am 2. März das Thema Bedarfsanalyse ebenfalls nicht auf der Tagesordnung stehen wird. „Wir werden gegebenenfalls nach dem 7. März dann eine zusätzliche Ratssitzung einberufen“, so Harders.

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