Bildung in der Krummhörn  Betreuung der Unter-Dreijährigen muss ausgebaut werden

| | 06.02.2023 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die allermeisten Kitas in der Gemeinde Krummhörn sind nicht auf Ganztagsbetreuung und auf den steigenden Platzbedarf eingerichtet. Das ist eines der Ergebnisse der Bedarfsanalyse. Symbolfoto: DPA
Die allermeisten Kitas in der Gemeinde Krummhörn sind nicht auf Ganztagsbetreuung und auf den steigenden Platzbedarf eingerichtet. Das ist eines der Ergebnisse der Bedarfsanalyse. Symbolfoto: DPA
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Die Bedarfsanalyse zu Kitas und Schulen in der Krummhörn hat gezeigt, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren die Krippen zu stark aus dem Blick verloren hat.

Krummhörn - Es sei schnell klar gewesen, dass „wir nicht nur nach Jennelt gucken können“. So drückte es Hilke Looden, parteilose Bürgermeisterin der Krummhörn, auf dem Jahrespressegespräch aus. Hintergrund der Aussage: Die Bedarfsanalyse zur Situation der Kitas und Schulen in der Gemeinde, die in dieser Woche eigentlich erstmals öffentlich vorgestellt werden sollte.

Was und warum

Darum geht es: Die allermeisten Kitas in der Gemeinde sind nicht auf Ganztagsbetreuung und auf den steigenden Platzbedarf eingerichtet.

Vor allem interessant für: (werdende) Eltern in der Gemeinde Krummhörn; diejenigen, die Berührungspunkte mit der vorschulischen und frühen schulischen Bildung in der Gemeinde haben

Deshalb berichten wir: Die Gemeinde Krummhörn hat ein paar weitere Ergebnisse der Bedarfsanalyse durchschimmern lassen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Wie Recherchen unserer Zeitung schon vor dem Pressegespräch ergaben, empfiehlt die Firma Biregio, die die Analyse erstellt hat, für Schulen folgende mögliche Szenarien: Erhalt aller Standorte, Schließung aller Standorte bis auf Pewsum, Aufgabe der Standorte Loquard und Greetsiel, Aufgabe des Standortes Jennelt. Aber, und das bestätigte Looden jetzt erneut: Wahre Aufgaben werden wohl die Kitas.

Zukunftsfähigkeit der Kitas

Die Gemeinde habe vor allem starke Defizite im Bereich der Betreuung der Unter-Dreijährigen, also im Krippenbereich. Eine Entwicklung, die sich in Teilen schon länger abzeichnet. Schon frühere Recherchen dieser Zeitung ergaben, dass man im U-3-Bereich in der Gemeinde Krummhörn schon mit Wartelisten arbeiten musste. 2021 standen beispielsweise nach Beginn des Kindergartenjahres noch elf Kinder auf der Warteliste.

„Wir haben die Zukunftsfähigkeit der Kitas insgesamt nicht genug im Blick gehabt“, so Looden. Der Handlungsbedarf liege „deutlich höher“ als man das zunächst angenommen habe. Grund dafür seien auch die sich in den vergangenen Jahren und künftig deutlich verändernden Anforderungen an Krippen und Kindergärten. „Die allermeisten Kitas in der Gemeinde sind nicht auf Ganztagsbetreuung und auf den steigenden Platzbedarf eingerichtet“, so Looden.

„Das wird auch Geld kosten“

Christian Behringer, stellvertretender Leiter des zuständigen Fachbereiches, ergänzte: „Wir haben zudem Gebäude, die nicht ausbaufähig sind.“ Hinzu komme, dass man auch geeignete Mitarbeiter finden beziehungsweise attraktiv für Fachkräfte werden müsse.

„In der normalen Kita-Betreuung sind wir gut aufgestellt“, betonte Behringer. Hier sei der Handlungsbedarf nicht so groß. Aber, und das betonte Looden auch im direkten Gespräch mit dieser Zeitung, man müsse alle Einrichtungen und alle Bereiche zusammen in den Blick nehmen. „Das wird auch Geld kosten“, so die Bürgermeisterin.

Wie geht es jetzt weiter?

Auch wenn jetzt schon erste Details der Bedarfsanalyse bekannt geworden sind: Die öffentliche Vorstellung wird dennoch sowohl von der Politik als auch von „Betroffenen“ sowie von Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde mit Spannung erwartet. So will sich die Bürgerinitiative zum Erhalt der Grundschule Jennelt in dieser Woche treffen. An diesem Mittwoch, 8. Februar, treffen sich die BI-Mitglieder ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus „Oll School Jinnelt“ an der Knyphausenstraße, gleich neben der Jennelter Kirche. Man wolle über die Inhalte der bereits erfolgten, nicht-öffentlichen Analyse-Vorstellungen informieren. Ursprünglich sollten diese Ergebnisse an diesem Donnerstag, 9. Februar, in der Sitzung des Bildungsausschusses der Gemeinde vorgestellt werden. Dies entfällt, stattdessen stehen nur das Projekt „Lust auf Familie“ sowie ein Antrag der Grundschule Pewsum auf der Tagesordnung der Sitzung, die um 18.30 Uhr im Sitzungszimmer im Rathaus beginnt.

Am 4. März soll es eine weitere nicht-öffentliche Diskussion über die Ergebnisse mit allen „Beteiligten und Betroffenen“ geben. Am 7. März soll dann die fertige Bedarfsanalyse in einer zusätzlichen, öffentlichen Sitzung des Bildungsausschusses vorgestellt werden. Das bedeutet, dass im Gemeinderat am 2. März das Thema Bedarfsanalyse ebenfalls nicht auf der Tagesordnung stehen wird. „Wir werden gegebenenfalls nach dem 7. März dann eine zusätzliche Ratssitzung einberufen“, hieß es seitens der Gemeinde in der vergangenen Woche.

Zu betonen ist: Egal, zu welchen Ergebnissen Biregio in der Bedarfsanalyse kommt, die Analyse bleibt eine Entscheidungshilfe. Die Politik, die über das weitere Vorgehen entscheidet, kann sich an die Analyse halten, muss sie aber nicht.

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