Verkehrssicherheit Wird die neue Ampel in Weener Fluch oder Segen?
Viele haben sie lange herbeigesehnt: die Ampel in der Ortsdurchfahrt von Weener. Sie soll für mehr Verkehrssicherheit sorgen, könnte in nächster Zeit aber auch zum Ärgernis für Autofahrer werden.
Weener - Seit fast zehn Jahren wird in Weener über eine Ampel an der stark befahrenen Mühlenstraße (Landesstraße 15) diskutiert. Jetzt kommt sie. Bewohner des Altenzentrums Rheiderland haben lange für die Querungshilfe gekämpft. „Mein Partner ist inzwischen gestorben und kann das leider nicht mehr miterleben. Trotzdem sind wir froh, dass die Ampel nun endlich aufgestellt wird“, sagt Heimbewohnerin Engeline Boer, die auf einen E-Rollstuhl angewiesen ist.
Was und warum
Darum geht es: In diesem Monat wird die Ampel an der Mühlenstraße (L 15) in Weener aufgestellt.
Vor allem interessant für: alle Verkehrsteilnehmer, die durch Weener kommen
Deshalb berichten wir: Die Bewohner des Altenzentrums haben fast zehn Jahre für die Ampel gekämpft. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Die vorbereitenden Arbeiten sind abgeschlossen, die Anschlüsse bereits installiert. „Bis zum Ende des Monats soll die Ampel aufgebaut sein“, teilte Weeners Bürgermeister Heiko Abbas auf Nachfrage mit. Die Kosten für die Ampel liegen nach seinen Worten bei 49.000 Euro. Davon übernimmt der Landkreis Leer 20.000 Euro.
Es gab Verzögerungen
Eigentlich sollte die Ampel bereits im Frühjahr vergangenen Jahres aufgestellt werden, aber es gab mehrere Verzögerungen, unter anderem wegen der Abstimmung mit der EWE über die Stromversorgung. Dabei wurde die Ampel von vielen so sehnlich erwartet. Denn die Straße ist die Hauptverbindung zwischen Weener und Papenburg und wird vom Schwerlastverkehr stark frequentiert. Gefahren werden darf dort Tempo 50.
Vor allem für die Bewohner des Altenzentrums, die nicht gut zu Fuß sind, ist es schwierig, die Straße gefahrlos zu überqueren. Sie haben sich seit Jahren für eine Querungshilfe vor dem Altenheim eingesetzt, die es ihnen ermöglicht, sicherer über die Straße zu kommen, um Besorgungen beim Lidl-Markt zu machen.
Diskussion um Standort
Der Standort direkt vor dem Altenzentrum wurde nach langer Diskussion allerdings verworfen. Verkehrsexperten und Politik kamen schließlich zu dem Schluss, dass ein Standort für die Druckampel in Höhe des Friedhofs und der Felta-Tankstelle für die schwächeren Verkehrsteilnehmer sicherer und besser geeignet ist. „Direkt vorm Altenzentrum wäre besser gewesen, aber eine Ampel hier ist besser als gar nichts“, sagt Engeline Boer.
Heimbewohnerin Maria Petat gibt zu bedenken, dass dieser Standort auch für andere von Vorteil ist: Der Schulweg wird künftig für viele Kinder und Jugendliche, die die vielbefahrene Mühlenstraße auf dem Weg zu den Schulen an der Wiesenstraße queren müssen, sicherer. Dasselbe gilt für Kunden, die aus Richtung Rathausstraße zum Einkaufzentrum rund um den Combi-Markt gelangen wollen.
Straßensanierung könnte Probleme bringen
Heimbewohner Georg Huisinga ist dagegen skeptisch, ob der Standort unmittelbar an einer Kreuzung so optimal ist. Heimleiter Andreas Cramer, der die Senioren in ihrem Kampf um die Ampel maßgeblich unterstützt hat, hat zu der langen Zeitspanne bis zur Umsetzung seine persönliche Meinung. „Die erste und zweite Generation, die für die Ampel gekämpft hat, lebt schon nicht mehr“, sagt er, „ich wundere mich schon, dass die Verwaltungswege so lang sind, bis endlich eine Entscheidung gefällt wird.“ Dennoch findet er es positiv, dass die Ampel endlich aufgestellt wird. „Künftig werden mit Sicherheit mehr Heimbewohner die Möglichkeit nutzen, einkaufen zu gehen. Insofern hat sich der Kampf gelohnt, auch wenn es so lange gedauert hat.“
Während schwächere Verkehrsteilnehmer künftig sicherer über die L 15 gelangen, könnte die Ampel sich möglicherweise auf den Verkehrsfluss auswirken. Kritiker des Vorhabens haben daher vor dem geplanten Ampelstandort gewarnt. Ihre Bedenken: Insbesondere zu Hauptverkehrszeiten könnte es zu Staus kommen. Verschärfen könnte sich die Situation, wenn die Auricher Straßenbaubehörde im Frühjahr ihre Sanierungsarbeiten auf einem etwa 900 Meter langen Abschnitt der L 15 umsetzt. „Inwieweit die Ampel auf der stark frequentierten Straße zu Rückstaus führen könnte, kann unter Bezugnahme etwaiger Arbeiten anderer Straßenbaulastträger nicht eingeschätzt werden“, so Heiko Abbas.