Wiesmoor-Connection Auricher Krisenstab wollte Wiesmoorer Ex-Autohaus nicht haben
Im Drogenprozess am Auricher Landgericht hat am Mittwoch ein Mitarbeiter des Landkreises Aurich ausgesagt. Das berichtete er über den Kontakt zu Christian Rademacher-Jeltens Bruder.
Aurich/Wiesmoor - Im Gerichtsprozess um die große Cannabis-Plantage in Wiesmoor hat am Mittwochnachmittag ein Mitarbeiter des Landkreises Aurich ausgesagt. Der Kreismitarbeiter hatte Anfang Mai vergangenen Jahres – also kurz vor dem Entdecken der Plantage durch die Polizei – Kontakt mit einem der Brüder des angeklagten Geschäftsmannes Christian Rademacher-Jelten (CRJ) gehabt. Der Bruder hatte dem Landkreis im Auftrag CRJs damals das ehemalige Autohaus, in dessen Werkstatt der Hanf wuchs, als Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge angeboten. So konkret, wie es in der Aussage des CRJ-Bruders vor Gericht geklungen hatte, war die Sache aber offenbar nicht gewesen. Es habe, so der Kreismitarbeiter, noch nicht einmal einen Besichtigungstermin gegeben.
Der Zeuge sagte, dass der Kreis damals täglich eine aktualisierte Tabelle an möglichen Unterkünften an die Kreisvolkshochschule (KVHS) übermittelt habe. Deren Mitarbeitende hätten wiederum geklärt, wann eine Besichtigung stattfinden könne und ob sich das angebotene Gebäude jeweils eigne. Doch in Sachen Ex-Autohaus sei es zu dieser Übermittlung an die KVHS gar nicht gekommen. Als „besonderes Objekt“ sei der Fall direkt an den Krisenstab gegeben worden – der eine dortige Unterbringung abgelehnt habe. Einer der Gründe: Es wären Investitionen und Umbauten nötig gewesen, der Landkreis habe aber nach fertigem und direkt verfügbarem Wohnraum gesucht. Die Absage sei CRJs Bruder auch übermittelt worden, so der Zeuge.
Gebäude wurde Stadt Wiesmoor angeboten
Aus einem von CRJs Verteidiger Dr. Stephan Weinert bei Gericht vorgelesenen E-Mail-Verlauf zwischen CRJs Bruder, Politikern und dem Wiesmoorer Rathaus ging zudem hervor, dass auch versucht worden war, das Gebäude der Stadtverwaltung anzudienen – als Kindertagesstätte. Das hatte die Verwaltung aber mit Verweis auf bereits ausgegorene und mit breiter Zustimmung beschlossene Kita-Planungen schnell abgelehnt. Für Weinert ist allerdings klar: Sein Mandant habe keinesfalls gewusst, dass sich in dem Gebäude eine Cannabis-Plantage befand. Sowohl eine Kita als auch eine Flüchtlingsunterkunft hätten zu einem großen Menschenaufkommen und der Gefahr der Entdeckung geführt. Dass es nicht einmal zu einer Besichtigung kommen würde, hätte CRJ nicht wissen können, als er seinen Bruder mit den Angeboten beauftragt habe.
Das Auricher Landgericht hatte einen zwischen den Verhandlungstagen gestellten Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft für CRJ abgelehnt – mit der Begründung, erst die Vernehmung des Landkreismitarbeiters abwarten zu wollen. Die ist jetzt erfolgt, sodass das Gericht demnächst darüber befinden wird. Alle bisherigen Anstrengungen, den ehemaligen Bürgermeisterkandidaten aus dem Gefängnis zu holen, waren gescheitert – auch das Angebot, 50.000 Euro als Kaution zu hinterlegen. Gescheitert ist auch der aktuelle Aussetzungsantrag der Verteidiger, mit dem sie das Verfahren abblasen lassen wollten. Die Kammer befand, dass der Prozess fortgesetzt wird. Die Beschwerde, die Anwälte hätten keine ausreichende Akteneinsicht erhalten, lasse sich nicht halten, so Richter Raap.
Den Prozess bestimmten bisher vor allem Beweisanträge der Anwälte – doch damit ist bald Schluss. Die Kammer hat verfügt, dass Anträge nur noch bis zum 23. Februar gestellt werden können. Termine sind noch bis Mitte März angesetzt, das nächste Mal trifft man sich am 16. Februar um 13.30 Uhr. Ein Ende der Sache ist aber längst nicht in Sicht: Die verurteilten Hanfgärtner sind in Revision gegangen – und die Anwälte im aktuellen Prozess haben den Bundesgerichtshof als nächste Instanz ebenfalls fest im Blick.Verhandlung im Drogenprozess ausgefallen
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