Schaf, Deich und blauer Himmel  Urlaub hinterm Deich – was kommt und was fehlt?

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Von Vera Vogt
| 10.02.2023 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Touren am Deich, wie hier in Ditzum, sind sehr beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
Touren am Deich, wie hier in Ditzum, sind sehr beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
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Über QR-Codes sollen Radler – Touristen und Einheimische – in Jemgum bald Interessantes erfahren können. Was braucht es noch in der Region für den Ausflug oder Urlaub?

Jemgum - Manchmal sieht es aus wie eine Postkarte: Das Schaf auf dem grünen Deich vor endlosem blauen Himmel. Für den Urlaub oder einen Ausflug sind die Weiten des Rheiderlandes beliebt – gerade bei Radfahrern. Das belegen die Zahlen immer wieder. Zehntausende Radler werden allein an der Zählstation in Soltborg erfasst. „Nicht nur dort, wo die Gäste schlafen, zum Beispiel in Ditzum, sondern auch dort, wo sie entlangkommen, wollen wir ihnen etwas bieten“, sagt Annegret Bommelmann vom Verkehrsverein Ems-Dollart. Eine Möglichkeit ist dabei das Projekt „Kiek an“.

Was und warum

Darum geht es: Tagesausflüge ins Rheiderland sind beliebt. Nun soll es ein neues Info-Angebot geben. Was braucht es noch?

Vor allem interessant für: diejenigen, die im Rheiderland leben und die, die dort gern hinfahren

Deshalb berichten wir: Die Gemeinde Jemgum wird das Projekt mitfinanzieren.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

So sollen die Stelen aussehen. Entwurf: Sarah Hensmann/Diek Design
So sollen die Stelen aussehen. Entwurf: Sarah Hensmann/Diek Design

14 Info-Stelen sollen „wie an einer Perlenkette“, so Bommelmann, in der Gemeinde verteilt werden. „Dann kann man mit seinem Handy den QR-Code scannen und bekommt Infos. Zum Beispiel über die friesische Freiheit. Es ist jedem ein Begriff, aber oft weiß man doch nicht genau, was es ist. Das ist nicht nur für Gäste interessant, sondern auch für Einheimische“, so Bommelmann. Vom Römerlager, Biosphären-Reservat und Schiffbau, bis zum schiefen Kirchturm, Be- und Entwässerung oder Landwirtschaft und Windenergie kann man etwas erfahren. Für die grafische Umsetzung ist Sarah Hensmann (Diek Design) zuständig, inhaltlich Kai-Uwe Hanken. Seit zwei Jahren feilt der Verein an dem Projekt. Die Gemeinde soll einen Teil der Kosten übernehmen, die durch die steigenden Rohstoffkosten entstanden sind. „Einen Teil können wir durch Mitgliedsbeiträge aufbringen, die Eigentümerstiftung des Windparks Holtgaste hat eine großzügige Spende gegeben“, sagt Bommelmann. Von den Gesamtkosten von 25.000 Euro will die Gemeinde die Lücke von 17.500 Euro stopfen.

Diesen Code, der am Hafenvorplatz angebracht ist, müsste man für Infos mit dem Smartphone auslesen. Foto: Vogt
Diesen Code, der am Hafenvorplatz angebracht ist, müsste man für Infos mit dem Smartphone auslesen. Foto: Vogt

QR-Codes sind kein alter Hut

„Das ist ein schönes Projekt“, sagt Kurt Radtke, Geschäftsführer der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland. „Die Stelen mit den Codes haben den Vorteil, dass man keine riesigen Tafeln aufstellen muss. So etwas passt sich schön ein“, sagt er. In der Fläche könnten solche Stelen in Kombination mit einer Bank schon einen schönen Ort für eine Rast ergeben. „Heute haben so viele Menschen ein Smartphone dabei. Und man hat so viele Möglichkeiten dadurch“, sagt er. Eine Weile habe man in der Branche geunkt, der QR-Code sei ein alter Hut. „Das sehe ich allerdings nicht so“, sagt er.

Am Alten Hafen in Weener gibt es schon Informationen, die man mit dem Handy abrufen kann. Foto: Vogt
Am Alten Hafen in Weener gibt es schon Informationen, die man mit dem Handy abrufen kann. Foto: Vogt

Nicht nur in Jemgum soll man bald so an Infos kommen. In Weener und Leer gibt es schon länger QR-Code-basierte Stadtführungen. Infos über Sehenswertes aber auch Unterkünfte und Gastronomien, Burgen und Parks sind im Internet unter world-qr.com abrufbar – oder eben über die Codes mit dem Handy. „Solch ein Stadtführer für die Hosentasche hat einen Mehrwert“, sagt Radtke. Gerade bei Radtouristen könne es eine Ergänzung zu den Routen und Schildern sein, die es bereits gibt. „Andere haben lieber geführte Radtouren mit jemandem, der das Wissen weitergibt. Es sollte beides geben. Einen schönen Mix“, sagt er.

Auch der Deich in Jemgum ist bei Radfahrern sehr beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
Auch der Deich in Jemgum ist bei Radfahrern sehr beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv

Was braucht es noch?

Nicht nur eine Mischung aus digital und analog brauche der Tourismus. Bommelmann und Radtke sind sich einig: Die Infrastruktur muss stimmen. „Die Gäste müssen sehen, wo die Beiträge investiert werden“, so Bommelmann. Gerade die Erhaltung von Bestehendem sei wichtig, so Radtke. „Ob es Bank-Tisch-Kombinationen an Rastplätzen sind oder Wege. Aber wir haben leicht reden. Für die Kommunen ist das ein schweres Stück Arbeit, denn Förderungen zu bekommen, ist nicht einfach“, sagt er. Wenn es keine neue Idee sei, sondern um Pflege gehe, sei es noch schwieriger. Allerdings sei nicht so, dass es derzeit viele Beschwerden gebe. „Die Bauhöfe und Ehrenamtlichen tun ihr Möglichstes. Sie leisten sehr gute Arbeit“, sagt er.

Zuletzt hatte sich bei den Viehsperren entlang des Deiches gezeigt, wie schwer es mit den Förderungen sein kann. Eigentlich hätten die drei Rheiderlandkommunen allen Grund zur Freude gehabt: Sie haben einen positiven Bescheid für Fördermittel bekommen, mit denen insgesamt 63 Viehsperren entlang des Deichverteidigungswegs hätten erneuert werden können. Der Zuschuss wäre aber nur geflossen, wenn die Internationale Dollard Route durch aufwändige bauliche Maßnahmen barrierefrei gestaltet und zertifiziert worden wäre: „Das würde Millionen kosten“, machte der Jemgumer Bürgermeister Hans-Peter Heikens das Problem im vergangenen Jahr deutlich. Bei der schrittweisen Sanierung durch die Kommunen könnte ein Blick ins Nachbarland lohnen. Das sagt Helmut Plöger von der SPD. „Dort gibt die Sperren in einer günstigeren Machart. Sodass es auch weniger Unterhaltungsbedarf gibt“, so Plöger in der Sitzung am Donnerstag.

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