Kickers unterliegt HSV II mit 1:2  „Slapstick“-Gegentor und strittige Elfmeter-Entscheidungen

| | 17.02.2023 22:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele Diskussionen gab es im Laufe des Spiels - und danach auch noch. Foto: Doden/Emden
Viele Diskussionen gab es im Laufe des Spiels - und danach auch noch. Foto: Doden/Emden
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Nach einem großen Kampf kassierte das Schlusslicht gegen den Zweiten vor 1114 Fans eine unglückliche Pleite. Es gab einige Diskussionen - und eine provokante Aktion nach dem Abpfiff.

Emden - Den intensiven Fußball-Abend ohne Emder Happy End fasste Abwehrchef Marvin Eilerts treffend zusammen: „Das ist das Leben des Tabellenletzten.“ Nach einem großartigen Kampf hatte sich das abgeschlagene Schlusslicht der Fußball-Regionalliga gegen den Aufstiegskandidaten Hamburger SV II ein Remis verdient. Nach einem „Slapstick“-Gegentor zum 1:1 und diskussionswürdigen Entscheidungen siegte der Tabellenzweite beim BSV Kickers Emden aber 2:1. Und das nicht vor den Augen von HSV-Nachwuchschef und Ex-Nationalspieler Horst Hrubesch, der nicht nach Emden gereist war.

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Emden: Kickers-Trainer äußert sich zum Spiel gegen Hamburger SVII
17.02.2023

Als Stefan Emmerling in der Pressekonferenz zum Mikrofon griff, lobte er vor der Leistung seines Teams erstmal die Saison-Rekordkulisse: „1114 Zuschauer: Wow.“ Der Tabellenletzte hat durch sein neues Gesicht im Jahr 2023 mit zwei verdienten Remis gegen Jeddeloh und Norderstedt wieder für noch mehr Interesse in Ostfriesland gesorgt. Fast hätte es auch für das nächste Remis gereicht. „Es war ein glücklicher Sieg für uns, so ehrlich müssen wir sein“, sagte HSV-Trainer Pit Reimers.

Emder 1:0 nach 89 Sekunden

Zwar besaß der HSV mit einem tollen Angriff und einer Marvin-Eilerts-Rettungstat den ersten Offensivmoment (2.), der böse Erinnerungen an das Hinspiel (1:6) und den HSV-Hochgeschwindigkeitsfußball aufkommen ließ. Aber nach dem folgenden Eckball startete der Emder Fußball-ICE per Blitzkonter. Einen 40-Meter-Pass von Tido Steffens aus der eigenen Hälfte leitete Ilyas Bircan auf Rico Cordes weiter. Der Niederländer ließ im Strafraum noch einen Hamburger aussteigen und schob dann zum 1:0 ein – nach 89 Sekunden.

Rico Cordes (rechts) schoss Kickers schon früh in Führung. Foto: Doden/Emden
Rico Cordes (rechts) schoss Kickers schon früh in Führung. Foto: Doden/Emden

In der Folge hatte der HSV-Nachwuchs zwar etwas mehr vom Spiel. Doch die in diesem Jahr so sattelfeste Kickers-Defensive ließ keine klare Torchance zu. Die Emder wiederum wagten auch immer wieder gelegentliche Vorstöße, bei denen die Kickers-Akteure durchaus Gefahr ausstrahlten. HSV-Trainer Pit Reimers setzte dann ein klares Zeichen. Er wechselte zur Pause gleich dreimal aus. „Wir haben zu spät gemerkt, wie man auf diesem Platz Fußball spielen muss“, erklärte Reimers.

Kurioser Gegentreffer zum 1:1

Ein kurioses Tor brachte die zunächst agileren Hamburger zurück ins Spiel (55.). Nach einer abgewehrten Ecke setzte sich Ayukayoh Mengot auf der rechten Seite gegen den ersten Gegenspieler durch, drang fast von der Grundlinie in den Strafraum ein, ließ den zweiten Emder stehen und schoss den Ball zur Überraschung aller aus fast unmöglichem Winkel ins Tor. Am kurzen Pfosten rollte Kickers-Torwart Malte Schuchardt der Ball durch die Beine – ein haltbar wirkender Schuss, auch wenn der Ball noch leicht abgefälscht wurde. Die Emder monierten nach der Partie, dass der Ball zuvor im Toraus gewesen sein soll. Auch Tido Steffens, der dennoch von einem „Slapstick“-Gegentor sprach.

Antreiber, Torvorbereiter und Vorbild: Tido Steffens zeigte als Kapitän eine gute Leistung. Foto: Doden/Emden
Antreiber, Torvorbereiter und Vorbild: Tido Steffens zeigte als Kapitän eine gute Leistung. Foto: Doden/Emden

Zehn Minuten nach dem 1:1 hatte sich Emden aber wieder berappelt und gestaltete die Partie nun offen. Die größte Chance auf das zweite Tor hatten auch die Ostfriesen. Ein Fernschuss von Ismet Osmani wurde vom HSV-Keeper an den Pfosten gelenkt (71.). Dann forderte Kickers nach einer Grätsche eines HSV-Verteidigers gegen Ilyas Bircan Elfmeter – vergebens (74.). Auch in der ersten Halbzeit gab es aus Emder Sicht eine diskussionswürdige Strafraum-Szene.

„Fußballgott war gegen uns“

Auf der anderen Seite ertönte nach 86 Minuten der Elfmeterpfiff, nachdem nach einem Zweikampf mit Rico Cordes ein HSV-Spieler im Strafraum zu Boden gegangen war. Douda Beleme verwandelte zum 1:2. „Wir haben zwei 50:50-Szenen im HSV-Strafraum, der HSV eine bei uns“, sagte Emdens Kapitän Tido Steffens. „Zur Schiedsrichter-Leistung sage ich nichts. Aber der Fußballgott war gegen uns. Wir haben alles reingehauen, gehen aber frustriert nach Hause.“

Beim Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Max Rosenthal (Lübeck) war der Gast nur noch zu zehnt, da Valon Zumberi zehn Minuten zuvor nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (76.). In dieser Phase hatte die Partie schon an Hektik zugenommen, zwei Betreuer auf der HSV-Bank die Gelbe Karte gesehen.

Ärger gab es nach dem Abpfiff noch zwischen den Teams. Foto: Doden/Emden
Ärger gab es nach dem Abpfiff noch zwischen den Teams. Foto: Doden/Emden

Eine klare Ausgleichschance besaß Kickers nicht mehr. Nach dem Abpfiff war die Partie aber noch nicht vorbei. Es kam noch zu einer Spielertraube, nachdem sich Ilyas Bircan und sein Gegenspieler ein paar „nette Worte“ sagten und der Hamburger anschließend einen hämischen Siegertanz vor dem Emder aufführte. Das Leben des Tabellenletzten kann so richtig mies sein – trotz guter Leistung.

Spieldaten

Kickers: Schuchardt; Kugland, Eilerts, Jabbie, Köster (90. Niehues), Frerichs (63. Visser), Ndiaye, Cordes (86. Friesen), Osmani, Bircan, Steffens.

Tore: 1:0 Cordes (2.), Mengot (54.), 1:2 Beleme (Foulelfmeter, 87.).

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