Bedarfsanalyse  Diese Krummhörner Kitas werden zur Schließung empfohlen

| | 19.02.2023 08:03 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gleich für mehrere Kitas sieht die Firma Biregio in der Krummhörner Bedarfsanalyse keine rosige Zukunft. Fotos: Wagenaar
Gleich für mehrere Kitas sieht die Firma Biregio in der Krummhörner Bedarfsanalyse keine rosige Zukunft. Fotos: Wagenaar
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Kommt es zur Schließung von zwei Grundschulen und fünf Kita-Standorten in der Krummhörn? Die Bedarfsanalyse der Firma Biregio legt diese Lösung nahe.

Krummhörn - Das wird eine schwierige Entscheidung für die Krummhörner Politik. Nachdem bereits die empfohlenen Varianten zu den Grundschulen aus der Bedarfsanalyse durchgesickert sind, liegen dieser Zeitung nun die empfohlenen Schließungen im Bereich der Kitas vor.

Denn obwohl es, so viel war schon zuvor bekannt, der Gemeinde Krummhörn an Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige (U3) mangelt: Die Firma Biregio bescheinigt gleich mehreren Kitas schlechte Zukunftsaussichten – und spricht sich für einschneidende Lösungsansätze aus.

Das Problem: Zu wenige Kita Plätze

Schon jetzt, das ist der Präsentation der Firma Biregio zu entnehmen, fehlt es in der Gemeinde Krummhörn an Krippenplätzen. In Niedersachsen hat jedes Kind „mit Vollendung des ersten Lebensjahres und bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres einen individuellen Rechtsanspruch“ auf eine bedarfsgerechte Betreuung in „der Kindertagespflege oder einer Kindertagesstätte“. So schreibt es das Land Niedersachsen.

In der Gemeinde fehlen aktuell rund 45 U3-Plätze, aber auch bei den Kindergartenplätzen gibt es perspektivisch noch Bedarf. „In zehn Jahren fehlen 90 Plätze“, so die Prognose. Zwar ist, das zeigt ein anderer Teil der Bedarfsanalyse, zunächst mit einem Rückgang der Bedarfszahlen zu rechnen, aber eben nicht dauerhaft. Zumindest nicht, wenn die Gemeinde gegensteuert, was ja erklärtes Ziel von Verwaltung und Politik ist.

Der Lösungsansatz: Mehrere Kitas schließen?

„Aus Sicht der Gutachter ist der Status quo nicht haltbar“, heißt es in der Präsentation. Und: „Der Bedarf an U3-Plätzen wird ebenso steigen wie der Bedarf an Ganztagsbetreuung in allen Altersgruppen.“ Dennoch empfiehlt Biregio „darüber nachzudenken“, gleich mehrere Kitas in der Gemeinde zu schließen.

Das Biregio-Urteil zur Kita Uttum: eingruppig, eingeschränkte Nutzung, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Uttum: eingruppig, eingeschränkte Nutzung, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Manslagt: eingruppig, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Manslagt: eingruppig, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar

In der Krummhörn gibt es elf Kindertagesstätten, zusätzlich den Sprachheilkindergarten Pewsum sowie die Tagesbetreuungsstelle (TABS) im Familienzentrum des Landkreises Aurich in Pewsum, Schatthausstraße. Von diesen Kitas haben laut Biregio sind fünf „ohne Entwicklungspotenzial“: Greetsiel, Groothusen, Loquard, Manslagt und Uttum. Einige weitere Standorte – Eilsum, Jennelt, Pewsum, Pilsum und Visquard – „erscheinen den Gutachtern nur bedingt erhaltenswert“.

Das Biregio-Urteil zur Kita Loquard: eingruppig, eingeschränkte Nutzung, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Loquard: eingruppig, eingeschränkte Nutzung, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Groothusen: eingruppig, eingeschränkte Nutzung, nicht ganztagsfähig. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Groothusen: eingruppig, eingeschränkte Nutzung, nicht ganztagsfähig. Foto: Wagenaar

Doch wie passt das zusammen: Auf der einen Seite fehlen aktuell und perspektivisch Plätze, auf der anderen Seite wird angeregt darüber nachzudenken, zumindest die Kitas Greetsiel, Groothusen, Loquard, Manslagt und Uttum zu schließen. Das Schlüsselwort in der Biregio-Präsentation ist die Empfehlung zur „Arrondierung“. Das bedeutet Zusammenlegung und in diesem Fall konkret „zu größeren Einrichtungen“.

Das Biregio-Urteil zur Kita Greetsiel: eingruppig, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar
Das Biregio-Urteil zur Kita Greetsiel: eingruppig, nicht ganztagsfähig, Sanierungsbedarf. Foto: Wagenaar

So kommen die Schulen ins Spiel

Die drei nördlichen Kitas (Greetsiel, Manslagt, Uttum) und die zwei Kitas im Süden der Krummhörn (Groothusen, Loquard) sind alle „eingruppig“. Außerdem seien die Gebäude zum Teil nur eingeschränkt nutzbar, manche sind sanierungsbedürftig. Aber vor allem attestieren die Gutachter den fünf Standorten, dass sie „nicht ganztagsfähig“ seien.

„Die Sanierungskosten dürften den Nutzen der kleinen, oft nicht ganztagsfähigen Einrichtungen deutlich übersteigen“, heißt es. Abhilfe könnte unter anderem durch die bei den Schulen empfohlene Schließung der Grundschulstandorte Loquard und Greetsiel geschaffen werden. Dann könnten diese beiden Schulen nämlich laut Biregio umgebaut und als zentrale Kita-Standorte genutzt werden. Gleichzeitig würden so Jennelt und Pewsum als Grundschulstandorte ausgebaut und gestärkt werden.

Die bisherigen Kitas Greetsiel, Manslagt und Uttum würden dann in der Zentral-Kita Greetsiel aufgehen, Loquard und Groothusen würden in der Zentral-Kita Loquard aufgehen. Die weiteren Kitas in Eilsum, Jennelt, Pewsum, Pilsum, Woquard und Visquard müssten zum Teil saniert und mitunter auch ausgebaut werden. Trotz Vorbehalte gegen einzelne dieser Einrichtung sieht Biregio hier Möglichkeiten. Die durch die überlegenswerten Schließungen wegfallenden Kita- und Krippengruppen müssten jedenfalls kompensiert werden, bei gleichzeitiger Herstellung der Zukunftsfähigkeit.

Die Entscheidung muss weit in die Zukunft reichen

Die Situation, die Biregio in der Bedarfsanalyse zeichnet, ist herausfordernd – und wird Geld kosten, wahrscheinlich viel Geld. Das ist mittlerweile klar. Entsprechend betont die Bonner Firma: „Jede Erweiterung – vor allem aber etwaige Neubauten – sollten so geplant werden, dass sie jederzeit erweitert werden sowie ohne größere bauliche Eingriffe von U3- auf Ü3-Gruppen umgerüstet werden können.“

Und: „Die Herausforderungen für die Gemeinde Krummhörn sind so vielfältig, dass – wie es bei der Präsentation für die Schulen gewesen ist – keine Schnellschüsse möglich erscheinen.“

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