Pläne vorgestellt  So könnte das Jufa-Hotel in Greetsiel werden

| | 22.02.2023 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bürgermeisterin Hilke Looden (Mitte, stehend) stellte zusammen mit Gerhard Wendl (auf dem Bildschirm, von links) und Claudia Oberhofer das geplante Hotelprojekt vor. Foto: Wagenaar
Bürgermeisterin Hilke Looden (Mitte, stehend) stellte zusammen mit Gerhard Wendl (auf dem Bildschirm, von links) und Claudia Oberhofer das geplante Hotelprojekt vor. Foto: Wagenaar
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Am Dienstagabend wurden erstmals konkretere Pläne für ein Jugend- und Familienhotel in Greetsiel vorgestellt. Eine wichtige Änderung gibt es nach dem Abend schon.

Greetsiel - Die touristische Entwicklung der Krummhörn und speziell von Greetsiel ist ein Thema, welches in der Gemeinde immer wieder diskutiert wird – und auch immer wieder für Emotionen sorgt. Das war am Dienstagabend nicht anders, als erstmals die Pläne für ein Jugend- und Familienhotel mit bis zu 90 Betten im Außenbereich des Fischerdorfes vorgestellt wurden.

Was und warum

Darum geht es: Die österreichische Hotelkette Jufa will ein neues Familien- und Seminarhotel in Greetsiel bauen. Die Pläne wurden erstmals öffentlich vorgestellt.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die (touristische) Entwicklung Greetsiels und der ostfriesischen Küste interessieren.

Deshalb berichten wir: Am Dienstagabend wurden die Pläne für das Jufa-Hotel erstmals öffentlich vorgestellt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Eingeladen hatte die Gemeinde, die Verantwortlichen der Hotelkette Jufa mit Hauptsitz in Österreich wurden per Videokonferenz in die Grundschule Greetsiel dazugeschaltet. Rund 100 Greetsieler und Krummhörner kamen zu dem Termin.

Umsetzung mit regionalem Investor

Die Hotel-Kette Jufa würde gerne eine Hotelanlage auf dem ehemaligen Gelände des früheren Bauamtes für Küstenschutz errichten. Jufa hat schon 65 ähnliche Projekte in mehreren europäischen Ländern umgesetzt. Bei dem Greetsieler Projekt wolle man mit einem „regionalen Investor“ zusammenarbeiten, so Gerhard Wendl, Gründer und Chef von Jufa. Um welchen Investor es sich dabei handelt, wurde nicht mitgeteilt. In der Vergangenheit wurde die Firma Real-Immobilien aus Moormerland als Investor genannt.

Auf dieser Fläche soll der Hotel-Bau mit seinen Außenanlagen entstehen. Foto: Wagenaar
Auf dieser Fläche soll der Hotel-Bau mit seinen Außenanlagen entstehen. Foto: Wagenaar

Das Gelände zwischen Deichlinie und der Straße Zur Hauener Hoge war ganz ursprünglich mal für den Bau einer Jugendherberge von der Gemeinde vorgesehen worden. Nachdem sich das nicht realisieren ließ, kam es zu den Gesprächen zwischen Gemeinde und Jufa. 2015/16 haben diese begonnen.

Mehrere Häuser und bis zu 90 Betten

Was jetzt vorgestellt wurde, sei auch noch nicht endgültig, wurde am Dienstagabend betont. Jufa plant eine Hotel-Anlage mit mehreren Gebäuden, teilweise sollen die alten Bauamtsgebäude genutzt werden. Neu gebaut werden sollen aber auch mehrere Gebäude. Darunter zwei Häuser mit den 75 bis 90 Betten, mit denen die Kette bislang rechnet. Die Gebäude sollen einem oben „abgeschnittenen“ Gulfhof ähneln und eine Höhe von ungefähr 7,50 Metern haben, also etwas über die Deichlinie hinaus ragen.

Auf dem Gelände stehen noch Gebäude, die früher vom Bauamt für Küstenschutz genutzt wurden. Foto: Wagenaar
Auf dem Gelände stehen noch Gebäude, die früher vom Bauamt für Küstenschutz genutzt wurden. Foto: Wagenaar

In die Anlage integriert werden auch Bereiche, die explizit „offen für alle“ sein sollen. „Wir wollen immer ein Treffpunkt auch für die Einheimischen sein“, betonte Wendl. Das sei eine der Säulen des Jufa-Konzeptes. Bei diesen Für-Alle-Bereichen handelt es sich neben der Gastronomie vor allem um einen geplanten Aussichtsbereich, der unter anderem Vogelbeobachtung ermöglichen soll, sowie einen innen gelegenen Spielbereich für Kinder sowie einen Erlebnisspielplatz. Aber auch die Wellness-Angebote sollen nicht nur den Hotelgästen vorbehalten sein. Das Haus mit der Vogelbeobachtung soll die anderen etwas überragen und eine Höhe von ungefähr zehn Metern haben.

Zielgruppe: Junge Familien – und Vereine

Die Jufa-Hotels richten sich vor allem an Familien mit kleineren Kindern und Jugendlichen. Laut Wendl sind ein weiterer wichtiger Bestandteil Vereine und Seminargruppen als Gäste, aber auch Klassenfahrten seien in den anderen Häusern oft zu Gast. Zielgruppen, die Jufa dann auch nach Greetsiel bringen will. Zusammen mit dem Anspruch, auch einen Treffpunkt für Einheimische zu bieten, habe man bislang gute Erfahrungen gemacht.

Einen weiteren Vorteil bringe die Zielgruppe ebenfalls mit: „Sie übernachten länger.“ Das Ziel, mehr Übernachtungs- statt Tagesgäste nach Greetsiel und damit auch in die restliche Krummhörn zu bringen, verfolgt auch die Krummhörner Touristik. Deren Geschäftsführer Benjamin Buserath meldete sich bei der Infoveranstaltung ebenfalls zu Wort. „Die angesprochene Zielgruppe ist eine, die in Greetsiel fehlt“, so der Touristiker. Das würde auch in Gesprächen mit anderen Beherbergungsbetrieben immer wieder deutlich. Dass junge Familien Greetsiel nicht so häufig als Zielort wählen würden, sie machen nur ein Viertel der Gäste aus, hat nach Buserath auch etwas mit dem mangelnden Angebot für Kinder und Jugendliche zu tun. Auch das werde immer wieder rückgemeldet. Die Ideen zum Jufa-Hotel seien hier ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir unterstützen das Projekt.“ Sollte es so weit kommen, dann müsse man perspektivisch aber auch über eine bessere Erschließung des Greetsieler Badesees nachdenken.

Unterstützung, aber auch Kritik

Eine grundlegende Offenheit gegenüber des Projektes wurde auch von anderer Seite geäußert. So sprachen sich Vertreter der Ratsparteien, darunter SPD, SWK, CDU und Grüne, durchaus wohlwollend für das Projekt an sich aus. Nähere Details müsse man aber noch abwarten. Laut Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) stehe auch die Gemeinde dem Projekt aufgeschlossen gegenüber und auch der Landkreis Aurich als Bauaufsichtsbehörde habe bereits grundlegende Zustimmung signalisiert.

Interessant war unterdessen, wer am lautesten Kritik in Richtung des Projektes äußerte: „Zugezogene!“, wie an einer Stelle durch die angestammten Greetsieler spitz bemerkt wurde. Die „Zugezogenen“ waren zwar nicht die einzigen, die sich kritisch äußerten, aber die ersten und die vehementesten. Wobei es sich insgesamt nur um eine Handvoll kritischer Stimmen handelte.

Bürgermeisterin nimmt Punkt von der Tagesordnung

Bei den Bedenken ging es unter anderem um die Sorge vor noch mehr Verkehr, Sorgen vor weiteren Versiegelungen, Sorgen um die Verträglichkeit zwischen Ort und Hotelanlage und so weiter. Auch die Frage, warum man das Hotel nicht dichter ans Dorf baue, wurde aufgeworfen. Auf viele Fragen konnten Wendl und die Projektplanerin Claudia Oberhofer noch keine konkrete Antwort geben. „Die vorgestellte Planung ist quasi die Knetmasse“, so Wendl. Änderungen seien noch möglich. „Da suchen wir auch gerne das Gespräch, zum Beispiel auch mit Vereinen aus der Krummhörn“, sagte Wendl.

Wenn das Hotel errichtet wird, muss auch die Zuwegung "ertüchtigt" werden. Diese ist aktuell allein von der Breite her kaum für Begegnungsverkehr geeignet. Foto: Wagenaar
Wenn das Hotel errichtet wird, muss auch die Zuwegung "ertüchtigt" werden. Diese ist aktuell allein von der Breite her kaum für Begegnungsverkehr geeignet. Foto: Wagenaar

Der Info-Abend brachte allerdings eine entscheidende Folge schon mit sich: Looden kündigte gegenüber dieser Zeitung an, dass sie den Antrag zu Aufstellung des Bebauungsplanes für das Hotel erstmal zurückstellen wird. Eigentlich sollte bereits an diesem Donnerstag, 23. Februar, im Infrastrukturausschuss der Gemeinde Krummhörn über den Bebauungsplan abgestimmt werden. „Es gibt da sicher noch Gesprächsbedarf, auch mit den Greetsielern“, so Looden. Man habe ursprünglich signalisieren wollen, dass es mit dem Projekt jetzt vorangeht. Die Gemeinde plant bislang mit notwendigen Erschließungskosten in Höhe von zwei Millionen Euro. Für den Bau wäre auch zumindest eine „Ertüchtigung“ der Straße Zur Hauener Hoge notwendig.

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