Geplantes Hotel  Gemeinde will Greetsieler nicht zum Jufa befragen – aber wir

| | 01.03.2023 18:31 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Hotelkette Jufa aus Österreich ist vor allem auf Familien spezialisiert. Gerne würde das Unternehmen ein Hotel in Greetsiel bauen. Doch das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Symbolfoto: Pixabay
Die Hotelkette Jufa aus Österreich ist vor allem auf Familien spezialisiert. Gerne würde das Unternehmen ein Hotel in Greetsiel bauen. Doch das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Symbolfoto: Pixabay
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Laut Gemeinde soll es keine Bürgerbefragung zum geplanten Jufa-Hotel in Greetsiel geben. Diese Zeitung will daher wissen: Wie stehen Sie zu dem Thema?

Krummhörn/Greetsiel - Wird es zum Muster? Zweimal trat Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) seit Beginn ihrer Amtszeit schon vor die Greetsieler und zweimal lief der Abend nicht zwangsläufig so, wie sich die Krummhörner Bürgermeisterin das vorgestellt haben mag. Erst war es die Neugestaltung des Marktplatzes, für die es Gegenwind aus dem Fischerdorf gab. Aktuell liegen die Pläne auf Eis. Nun ist es das Jufa-Hotel – droht dem Projekt das gleiche Schicksal wie dem Marktplatz?

Deutlich wurde sowohl am Abend der ersten Infoveranstaltung zum geplanten Jugend- und Familienhotel der österreichischen Jufa-Gruppe als auch im zwei Tage später angesetzten Infrastrukturausschuss: Es gibt Redebedarf. Eine der wichtigen Fragen, die aufgeworfen wurde: Braucht Greetsiel ein solches Hotel mit 90 Zimmern und einer größeren Anlage?

Was ist geplant?

Das Unternehmen Jufa aus Österreich möchte in Greetsiel eine Hotelanlage mit bis zu 90 Zimmern sowie Gastronomie, Innen- und Außenspielbereichen und so weiter errichten.

Ins Auge gefasst ist ein Bereich an der Straße „Zur Hauener Hooge“ direkt am Deich. Auf Teilen des Geländes befand sich früher das Bauamt für Küstenschutz.

Wer ist eigentlich die Jufa-Gruppe?

Heute ist Jufa-Holding die größte Hotelkette Österreichs. Jufa betreibt die meisten Hotels in Österreich, aber hat auch noch Häuser in vier weiteren Ländern: Liechtenstein, Schweiz, Ungarn (jeweils ein Hotel) und Deutschland (bislang elf Hotels). Seinen Ursprung hat das Unternehmen im Jahr 1991, als Jufa-Gründer und Unternehmenschef Gerhard Wendl drei alte Jugendherbergen in der Steiermark übernahm und mit neuem Konzept wieder nach vorne brachte.

Geht es nach Wendl, würde er gerne zwei bis drei Hotels pro Jahr eröffnen und in weitere Länder expandieren. Das sagte er im vergangenen Jahr dem Handelsblatt. Das Konzept der Jufa-Hotels richtet sich dabei vor allem an Familien mit Kindern sowie Vereine beziehungsweise Gruppen. Das betonte Wendl auch bei der Vorstellung der Pläne für Greetsiel. Außerdem sei es der Gruppe wichtig, auch für die Bevölkerung vor Ort zur Verfügung zu stehen. So seien bestimmte Angebote, wie Spielplätze oder Sportanlagen, auch für Nicht-Gäste zugänglich.

Will die Gemeinde eine Bürgerbefragung?

Wie schon beim Thema Marktplatz äußerte Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) auch beim Thema Jufa-Hotel, dass man nicht an den Greetsielern vorbei entscheiden wolle. Auch, das schwang bei Marktplatz und Jufa mit, müsse man genau schauen, wer denn dagegen sei: eine kleine, laute Minderheit oder doch die schweigende Mehrheit.

Wie das herausgefunden werden soll? Zumindest nicht mit der simpelsten Möglichkeit, einer Bürgerbefragung. Diese sei „gegenwärtig nicht“ geplant, lässt die Gemeindeverwaltung auf Nachfrage durch Sprecher Fritz Harders mitteilen. Im Infrastrukturausschuss sprach Looden zumindest davon, dass „alle Beteiligten“ zu einer weiteren Besprechung eingeladen werden sollen. Termin: noch offen.

Wir wollen wissen: Jufa-Hotel Ja oder Nein?

Bis es so weit ist, würde diese Zeitung gerne, vor allem von den Krummhörnern und Greetsielern, wissen: Sind Sie grundsätzlich für oder gegen ein Jufa-Hotel am geplanten Standort?

Wem gehört eigentlich das Grundstück?

Diskussionen gab es sowohl im Ausschuss als auch bei der Infoveranstaltung unter anderem zu den Kosten. Aktuell plant die Gemeinde mit Erschließungskosten von rund zwei Millionen Euro für das Gelände, auf dem das Hotel entstehen soll. „Die Erschließung ist Bestandteil der Verhandlungen“, so Harders auf Nachfrage. Nicht ganz durchsichtig ist allerdings, wem das Gelände überhaupt gehört.

Auf eine Nachfrage dieser Zeitung, ob der Gemeinde das rund 24.000 Quadratmeter umfassende Gelände gehört, welches durch die Bauleitplanung erfasst werden sollte, war die Antwort: „Nein.“ Mehr könne man aus Datenschutzgründen nicht sagen. Erst auf weitere Nachfrage zeigt sich: Das stimmt nur bedingt. Das Gelände des früheren Bauamtes für Küstenschutz gehört nämlich sehr wohl der Gemeinde. Gekauft wurde es vor Jahren, weil die Gemeinde dort die Ansiedlung einer Jugendherberge angepeilt hatte. Dieser Plan zerschlug sich, woraufhin sich die Jufa-Gruppe ins Gespräch brachte.

Ob die Gemeinde ihren Teil des Geländes schlussendlich verkauft hat oder wie genau die bisher angestrebte Vereinbarung aussieht, darüber schweigt die Verwaltung. Aus Datenschutzgründen. Unklar ist bislang, wie viel der 24.000-Quadratmeter-Fläche für das Hotel überplant werden. Weitere Projekte auf dem Gelände seien aber nicht geplant, so die Gemeinde.

Was sagt die Politik?

In der Krummhörner Politik wird das geplante Hotel ebenfalls diskutiert. Dabei ist das Stimmungsbild recht regelmäßig aufgeteilt – bislang. CDU und SWK stehen, das bestätigen beide Parteien auf Nachfrage, dem Projekt positiv gegenüber. Unter anderem aufgrund der neuen Zielgruppen, die durch Jufa erschlossen werden könnten, sehe man einen Zugewinn für die Krummhörn, wenn das Projekt umgesetzt wird. Im Ausschuss wurde aber unter anderem von der SWK betont, dass man gewisse Dinge sehr eindeutig vertraglich regeln müsse, unter anderem die Zugänglichkeit gewisser Hotel-Anlagen für die Einheimischen. „Wir finden das Jufa-Konzept grundsätzlich gut“, so CDU-Fraktionschef Roelf Odens auf Nachfrage. Man müsse aber dann auch den Badesee mit in die Planung einbeziehen und aufwerten. Bislang ist der Greetsieler Badesee, in dem häufiger auch Blaualgen vorkommen, kaum erschlossen, es fehlt an Infrastruktur wie Sanitär- und Umkleideanlagen.

Die SPD im Gemeinderat will sich noch nicht direkt äußern, so Fraktionsvorsitzender Alfred Jacobsen auf Nachfrage. „Wir wollen das erst noch ausführlich besprechen.“

Das hat unterdessen die FBL wohl schon erledigt. „Die FBL steht dem Jufa sehr kritisch gegenüber“, so Heiko Ringena in einer Mitteilung. Die entscheidende Frage sei: „Braucht Greetsiel ein Jufa in dieser Größe und an dem Platz?“ Für die ursprünglich geplante Jugendherberge sei der Standort „ideal gewesen“ und eine Jugendherberge hätte das Angebot auch „abgerundet“. „Greetsiel braucht allerdings kein weiteres Hotel, und schon gar nicht in dieser Größenordnung“, so Ringena weiter. Allein durch das Neubaugebiet Grachten II und den dortigen „Ferienwohnen“ würden schon rund 400 Betten hinzukommen. Auch die bisher bekannten Kosten von rund zwei Millionen Euro zu Lasten der Gemeindekasse sieht die FBL kritisch. „Wir sind der Meinung, dass wir an der Qualität des Angebotes, und nicht an der Quantität arbeiten sollten. Weg vom Mehr, Mehr, Mehr und hin zum Edler, Besser, Toller.“ Zudem zeige die Diskussion, dass man endlich den vor rund eineinhalb Jahren beschlossenen, aber noch nicht umgesetzten „Masterplan Greetsiel“ brauche.

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