Gemeinde Krummhörn  Analyse zu Schulen und Kitas öffentlich – zum Teil

| | 07.03.2023 11:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Kitas und Grundschulen gehören zum Versorgungsauftrag der Gemeinden. In der Krummhörn geht es nun darum, welche Standorte man erhalten und welche man schließen will. Symbolfoto: DPA
Kitas und Grundschulen gehören zum Versorgungsauftrag der Gemeinden. In der Krummhörn geht es nun darum, welche Standorte man erhalten und welche man schließen will. Symbolfoto: DPA
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Die Gemeinde Krummhörn hat Unterlagen zur „Bedarfsanalyse“ veröffentlicht. Die Analyse bildet die Grundlage für die Zukunft der Schulen und Kitas. Aber die Unterlagen verraten nicht viel.

Krummhörn - Der Teufel steckt im Detail. Am Wochenende gab Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) bekannt, dass Politik und Verwaltung sich darauf geeinigt haben, „die Fakten“ zur Bedarfsanalyse der Kindertagesstätten und Grundschulen zu veröffentlichen – „und dabei jede Positionierung zunächst auszusparen“. Das bedeutet übersetzt, das wurde am Montag deutlich: Veröffentlicht wird das reine Zahlenwerk, ohne Schlussfolgerungen und ohne Darstellung der Varianten.

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinde Krummhörn spielt bei der Bedarfsanalyse weiterhin nicht mit offenen Karten.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Zukunft der Kitas und Grundschulen in der Krummhörn interessieren.

Deshalb berichten wir: Am Montag wurden Teile der Bedarfsanalyse der Presse vorsgestellt. Die Öffentlichkeit bekommt wiederum anderes Material.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Dabei hat sich gerade bei diesen etwas verändert. Das teilte die Bürgermeisterin ebenfalls am Wochenende mit. Und am Montag, bei einer extra zum Thema Bedarfsanalyse anberaumten Pressekonferenz, wurde es auch nicht wirklich genauer.

Eine Variante vom Tisch, eine neue in der Prüfung

Zuvor wurde unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit über vier Varianten diskutiert: alle Schulstandorte bleiben bestehen; alle Grundschulen werden geschlossen außer Pewsum; die Grundschulen Pewsum und Jennelt bleiben bestehen, dafür werden Greetsiel und Loquard geschlossen; Jennelt wird geschlossen, dafür bleiben die anderen Schulstandorte bestehen. Was mit den Kindertagesstätten passiert ist weitestgehend, das empfiehlt zumindest die Firma Biregio als Ersteller der Analyse, von der Entscheidung über die Schulstandorte abhängig. Die Gemeinde hatte sich zuletzt in einer Beschlussvorlage für den Erhalt von Jennelt und Pewsum als Grundschulstandorte und für die Schließung von Loquard und Greetsiel ausgesprochen. Für diese Beschlussvorlage, die noch vor der jüngsten Klausurtagung veröffentlicht wurde, gab es seitens der Politik zum Teil scharfe Kritik.

Die Variante, dass nur Pewsum bestehen bleibt und zur fünfzügigen Grundschule umgebaut wird, war als erstes vom Tisch. Laut einer Verordnung des Landes Niedersachsen wäre diese Lösung so nicht machbar. Dafür hat die Politik am vergangenen Sonnabend bei der jüngsten Klausurtagung zum Thema eine neue Variante ins Spiel gebracht. „Eine Mischung aus einer großen und einer kleinen Lösung“, so Christian Hamel von Biregio am Montag. Mehr Details wolle man nicht nennen, da die Variante noch geprüft werden müsse. Nur so viel war in Erfahrung zu bringen: Die Idee sei durch Vertreter der Politik geäußert worden.

Betrifft die „neue Variante“ Jennelt?

Laut Informationen dieser Zeitung könnte es sich dabei um folgende Variante handeln, die am Sonnabend besprochen wurde: Alle Grundschulstandorte außer Jennelt bleiben erhalten. Dafür wird Jennelt zu einem größeren Kitastandort. Ob es sich tatsächlich um die neue vierte Variante handelt, lässt sich aber bislang nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Dass die Schlussfolgerungen, die Biregio zieht, nicht veröffentlicht werden, hänge damit zusammen, dass man eine „Zerredung“ von vielleicht unbequemen aber sinnvollen Lösungen in der Öffentlichkeit vermeiden wolle. Die Politik solle sich in Ruhe mit der „schwerwiegenden Entscheidung“ befassen.

Sicher ist unterdessen: Die breite Öffentlichkeit wird weiter nicht offiziell über die von Biregio erarbeiteten Varianten zur Zukunft der Grundschulen und Kitas informiert. Das wurde am Montag mehrfach auf Nachfrage bestätigt. Auf der Internetseite der Gemeinde (www.krummhoern.de) werde nur der vor allem aus Zahlenmaterial und Prognosen bestehende Teil der Bedarfsanalyse zur Verfügung gestellt. Zumindest wurde dies so angekündigt.

Bereisung und Infos im Schlaglichtformat

Tatsächlich online gestellt wurde dann aber nicht das Material, welches der Presse zur Verfügung gestellt wurde, sondern eine Präsentation der Klausurtagung vom Sonnabend, die in Teilen ohne Erläuterung nicht verständlich ist. Sie umfasst zwar die wesentlichen Prognosen und Grundlagen, allerdings eher in Schlaglichtform. Bis die komplette Analyse inklusive der vorgeschlagenen Varianten öffentlich vorgestellt wird, wird es noch dauern. Die Politik hat sich am Sonnabend darauf geeinigt, dass man erst alle Grundschul- und Kitastandorte bereisen wolle. Wenn das geschehen ist und auch die neue Variante geprüft sei, wolle man in die öffentliche Vorstellung und Diskussion eintreten. So der Tenor.

Die Bereisung selbst soll laut Looden „sobald wie möglich“ und möglichst konzentriert an zwei Tagen stattfinden. Die Bereisung passiere auch aus Respekt vor der Arbeit der Einrichtungen. Die Politik wolle sich selbst ein Bild vor Ort machen, bevor es zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft einzelner Einrichtungen kommt.

Datengrundlage wird nicht in Zweifel gezogen

Das von Biregio gelieferte Zahlen- und Datenmaterial sei unterdessen in den Diskussionen nicht in Zweifel gezogen worden, hieß es am Montag. Laut dem Material, was dieser Zeitung vorliegt, hat die Gemeinde perspektivisch vor allem ein Problem mit der Bereitstellung von Betreuungsplätzen im Krippenbereich. Das Material sagt aber auch, dass mehrere Kitas kein „Entwicklungspotenzial“ haben: Greetsiel, Groothusen, Loquard, Manslagt und Uttum.

Dass etwas passieren muss, um dieses zum Teil jetzt schon merkliche Fehl auszugleichen, ist allen klar. Doch die Zeit drängt. Die Grundschulen müssen ab 2026 verpflichtend ein Ganztagesangebot vorhalten. Nach aktuellem Stand ist das vor allem in Greetsiel und Loquard nicht ohne Weiteres realisierbar, auch weil die Schulen dies baulich nicht hergeben. Wenn man bis dahin die Bildungslandschaft in der Krummhörn neu ordnen will, ist dies ein durchaus „sportliches“ Programm. Auch deswegen hofft Looden weiterhin, dass spätestens bis zur politischen Sommerpause zumindest eine grundlegende Entscheidung getroffen wird. Für diese Entscheidung ist die Politik zuständig.

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