Bedarfsanalyse  Der Kita-Bedarfsplan der Krummhörn erklärt

| | 07.03.2023 15:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Gemeinde Krummhörn hat weitere Details der Bedarfsanalyse veröffentlicht. Wir erklären das Datenmaterial Schritt für Schritt. Symbolfoto: DPA
Die Gemeinde Krummhörn hat weitere Details der Bedarfsanalyse veröffentlicht. Wir erklären das Datenmaterial Schritt für Schritt. Symbolfoto: DPA
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Mit etwas Verspätung hat die Gemeinde Krummhörn doch noch weiteres Material zur Bedarfsanalyse online gestellt. Was Sie wissen müssen.

Krummhörn - Die Verwaltung der Gemeinde Krummhörn hat nachgebessert: Nachdem sie gestern nicht wie angekündigt die Bedarfsanalyse, genauer: den Schulentwicklungsplan und den Kindertagesstätten-Bedarfsplan, hochgeladen hatte, sieht es am Dienstagmorgen schon anders aus. Tatsächlich hat die Gemeinde um kurz nach 9 Uhr die fehlenden Dateien auf www.krummhoern.de ins Netz gestellt.

Der Schulentwicklungsplan umfasst 56 Seiten, der Kita-Bedarfsplan 30 Seiten. Was Sie wissen müssen zum Kita-Bedarfsplan, erklärt diese Zeitung anhand der wichtigsten Daten..

Was betrachtet die Analyse?

Die Firma Biregio, die von der Gemeinde mit der Analyse beauftragt wude, hat sich vor allem mit der Entwicklung der Bevölkerungszahlen auseinandergesetzt. Damit verbunden ist eine Prognose zum Bedarf an und zur Auslastung von Kindertagesstätten.

Wie ist die Bevölkerung in der Krummhörn zusammengesetzt?

Die meisten Menschen in der Krummhörn sind älter als 50 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt bei 47,1 Jahren (Deutschland: 47,1 Jahre, Niedersachsen: 44,3 Jahre). Einen besonderen Ausschlag nach oben gibt es in der Altersgruppe zwischen 50 und 60 Jahren, aber auch zwischen 60 und 70 Jahren.

Bei den „potenziellen künftigen Jungeltern“ (zwischen 20 und 30) sind die Frauen mit 45,8 Prozent vertreten, bei den potenziellen „aktuellen Jungeltern“ (zwischen 30 und 40) mit 50,4 Prozent.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Fünf- bis Zehnjährigen ist stärker gestiegen als es die Geburtenzahlen vor fünf Jahren hergeben. Das liegt laut Biregio daran, dass es durch Zuzüge einen starken Anstieg bei der Zahl der Kinder gibt. Insbesondere bis ungefähr 15 Jahren kommt es hier zu einem Anstieg durch Zuzüge, wohingegen danach zunächst die Wegzüge dominieren. Ab 30 Jahren wird dann wieder zugewandert in die Gemeinde – und ab 55 Jahren zeigt sich dann erneut ein deutlicher Anstieg. Stärker, als in den Jahrgängen der „potenziellen Jungeltern“.

Was kann die Gemeinde beeinflussen?

Klassisches Mittel, um junge Familien anzulocken, ist neben einer passenden Infrastruktur vor Ort (Schulen, Kitas, ärztliche Versorgung und so weiter) auch: Bauland. „Nach dem aktuellen Planungsstand bezüglich des Wohnungsbaus kann in der Gemeinde Krummhörn mit der Fertigstellung und dem Bezug mittelfristig (bis zum Jahr 2026) von 467 und langfristig mit weiteren 581 Wohneinheiten gerechnet werden“, heißt es von Biregio. Auf Nachfrage wird aber konkretisiert, dass die „weiteren 581 Wohneinheiten“ nicht zusätzlich zu den 467 gemeint sind, wie man es verstehen könnte. Sondern: Insgesamt kommen bis schätzungsweise Ende der 2030er Jahre 581 neue Wohnungen auf den Markt.

Diese setzen sich sowohl aus Neubauten als auch aus „Zuzug in den Wohnbestand“ zusammen. Also beispielsweise dadurch, dass Wohnungen und Häuser durch das Versterben der Eigentümer frei werden.

Wie wird sich die Krummhörn entwickeln?

Seit 2000 ist die Zahl der Einwohner von 13.295 auf 12.025 gesunken. „Mit einer Abnahme um -9,6 Prozent liegt die Bevölkerungsentwicklung deutlich unterhalb des Landesschnitts von 1,0 Prozent“, so Biregio.

Biregio schätzt hier „vorsichtig“, wie sich die Krummhörn unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren entwickeln könnte. Der Zuzug spielt dabei eine besondere Rolle, ebenso die Schaffung neuen Wohnraums. Nach der „vorsichtigen“ und auf Nachfrage auch durchaus „optimistischen“ Schätzung entwickelt sich die Krummhörn so: „In dem Jahr 2031 beläuft sich die Zahl auf 12.307, im Jahr 2041 auf 12.449, im Jahr 2051 auf 11.859 Einwohner.“

Wie werden sich die Kita-Zahlen entwickeln?

Trifft die vorsichtige Prognose ein, sagt Biregio folgende Veränderungen voraus, die direkt die Kindertagesstätten betreffen.

Unter Dreijährige: Der Bedarf an Betreuungsplätzen im Krippenbereich wird deutlich ansteigen. Aktuell liege der Bedarf bei rund 28 Prozent, also für etwas mehr als ein Viertel der unter Dreijährigen wird ein Krippenplatz nachgefragt. 2026 soll der Bedarf schon bei rund 32 Prozent liegen und dann bis zum Ende der 2040er Jahre auf mehr als 50 Prozent ansteigen. Das alles hochgerechnet nach jetzigem Gesetzesstand, was Betreuung angeht.

Dreijährige bis Einschulung: Auch bei den über Dreijährigen wird der Bedarf steigen. „Mittelfristig und durchschnittlich bedarf es bis zum Jahr 2026 328 Plätze.“ Auch danach wird es laut Biregio weiter nach oben gehen. In Niedersachsen hat jedes Kind ab dem dritten Lebensjahr einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz.

Problematisch ist also vor allem die Krippenversorgung?

Noch, ja. Aktuell bleibt die Anzahl der tatsächlichen Plätze (ohne Tagespflege) im Krippenbereich schon unter dem rechnerischen Bedarf zurück. 29 Plätze sind vorhanden. Aktuell gibt es nur in Loquard und in Pewsum ein Krippenangebot. Das Soll an Plätzen lag laut Biregio im vergangenen Jahr bei 78 Plätzen, dieses Jahr bei 82 Plätzen. Es fehlen also aktuell schon 53 Plätze zur Betreuung von unter Dreijährigen in den Kindertagesstätten. 2027 wären es schon 77 Plätze zu wenig. Mit Tagespflege belaufe sich das Fehl immer noch auf 50 Plätze im Jahr 2027. Das entspricht laut Biregio bei einer Gruppenfrequenz von 15 Kindern schon einem Fehl von 3,3 Krippengruppen.

Mit zu wenig Plätzen im Kindergarten rechnet Biregio, wenn sich nichts verändert, erstmals im Jahr 2027. Dort würde rechnerisch nur ein Platz fehlen – vier Jahre später wären es schon 40. Auch unter Einbeziehung der Tagespflege ändert sich die Tendenz nicht.

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