Die Bedarfsanalyse erklärt So steht es um die Kitas in der Krummhörn
Nicht alles aus der Bedarfsanalyse ist bisher öffentlich. Wir erklären, was in den nun online zur Verfügung stehenden Dokumenten steht. Jetzt: Der Zustand der Kitas in der Krummhörn.
Krummhörn - Angesichts der Diskussionen um die Zukunft der Schulen und Kitas in der Gemeinde Krummhörn, ist es für manchen sicher verwunderlich, warum jetzt eine Erweiterung der Kita Woquard ins Auge gefasst wird. Im zuständigen Bildungsausschuss am Dienstag wurde empfohlen, die rund 2.430.000 Euro teure Erweiterung in Angriff zu nehmen.
Das signalisiert zumindest, dass man sich um den Fortbestand der Kita in Woquard keine Sorgen macht. Tatsächlich, so auch im Ausschuss diskutiert, sieht man hier eher einen ersten Schritt um dem in der Bedarfsanalyse festgestellten Mangel an Betreuungsplätzen im Krippen- und langfristig im Kindergartenbereich zu begegnen. Kurz vor der Sitzung hatte die Gemeinde Teile der Bedarfsanalyse im Internet für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Wir erklären, wie man den Anhang zur Betrachtung der Kindertagesstätten lesen muss und was dort eigentlich drinsteht.
Was ist im Anhang festgehalten?
Im Oktober vergangenen Jahres war eine Bereisung sämtlicher der zwölf Kitas erfolgt. Zuvor berichteten wir, dass es nur elf seien. Das basierte auf einem falschen Eintrag auf der Internetseite der Gemeinde.
Bei der Bereisung wurden Pläne der Einrichtungen erstellt, auf denen auch ersichtlich ist, wie die Räume genutzt werden. Hier wird beispielsweise zwischen Gruppen- und Fachräumen, Betreuungsräumen oder Verwaltungsräumen unterschieden.
Auf Grundlage der Begehung hat die Firma Biregio, die mit der Bedarfsanalyse betraut ist, Optimierungsvorschläge entwickelt, um den künftigen Herausforderungen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zu begegnen.
Sind die Empfehlungen bindend?
Nein. Biregio hat zwar neben generellen Anregungen auch konkrete Anregungen entwickelt, diese sollen aber von den Einrichtungen und den Fachämtern „diskutiert und geprüft werden“. Grundsätzlich gehen die Anregungen und Hinweise in Richtung einer Weiternutzung als Kindertagesstätte. Auch wenn nachfolgend nicht wiedergegeben: Oft wird das Engagement der Erzieherinnen gelobt.
Kita Eilsum (ev.-ref.): guter Bestand
Die Eilsumer Kita beherbergt eine Gruppe. Laut Biregio-Gutachten ist die Kita auch für Ganztagsbetreuung gut ausgestattet, wenn man das Gebäude nicht mit der Gemeinde teilen müsste. Sollte man die Kita erhalten wollen, sei dies „im Bestand gut möglich“, Möglichkeiten zur Optimierung werden nicht gesehen.
„Im Gespräch hat die pädagogische Leitung vorgeschlagen die Kitas: Jennelt, Visquard, Eilsum und Uttum zusammenzulegen.“
Kita Greetsiel (Awo): Flächenmangel
Auch diese Kita hat eine Gruppe. Das Gebäude bietet laut Gutachten zu wenig Fläche, auch die 2002 zur Eröffnung eingebaute Technik sei veraltet. „Optimierungsmöglichkeiten werden nicht gesehen. Bei Weiternutzung des Gebäudes wäre eine Sanierung zu empfehlen.“
Kita Groothusen (Awo): keine Erweiterungsmöglichkeiten
„Der 1-gruppige Kindergarten im Dorfgemeinschaftshaus des Ortes kann statt der vorgesehenen 25 Plätze nur maximal 23 Plätze belegen, da zu wenig Fläche insgesamt zur Verfügung stehe. Die Räume sind laut Gutachten durch Doppelnutzung nur eingeschränkt und nicht für Ganztagsangebote nutzbar. „Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, wenn auch mit sehr viel Engagement bespielt. Erweiterungsmöglichkeiten bestehen nicht.“
Kita Jennelt (ev.-ref.): ausreichend, aber nicht optimal
Die erste Kita in der Liste, die aktuell Platz für zwei Gruppen mit insgesamt 35 Kindern bietet. „Der Kindergarten arbeitet integrativ und altersübergreifend“, heißt es im Gutachten. Perspektivisch bestehen „Sanierungsbedarfe“, auch wenn die Räume „gut ausgestattet und ausreichend“ sind. Bislang sei das Gebäude aber „nicht optimal für den Ganztag aufgestellt“.
Man solle „gegebenenfalls“ die „bereits vorhandenen Pläne zum Ausbau des Kindergartens“ prüfen.
Kita Loquard (Gemeinde): zu wenig Personal für alle Räume
Die alte Dorfschule, in der der Kindergarten untergebracht ist, sei „deutlich in die Jahre gekommen“ und sanierungsbedürftig. Da nur ein Zweierteam die Kinder betreut, sei das Obergeschoss aus Aufsichtsgründen „faktisch nicht mehr für die pädagogische Arbeit“ nutzbar. Daher stünden für die eine Gruppe nur zwei Räume tatsächlich zur Verfügung. „Eine Erweiterungsmöglichkeit im Bestand oder auf dem Gelände besteht nicht.“
Kita Loquard (im Gulfhof, Gemeinde): Matschwanne wäre gut
Zeitgemäß ausgestattet und in gutem Zustand, so beurteilen die Gutachter die zweite Loquarder Kita, die zusammen mit der Grundschule in einem alten Gulfhof untergebracht ist. „Als kleinere Optimierungsvorschläge wären der Einbau einer Matschwanne und die Anschaffung weiterer für das motorische Lernen geeigneter Möbel zu nennen. Weiteres Optimierungspotenzial oder Veränderungsnotwendigkeiten der 2-gruppigen Einrichtung werden nicht gesehen.“
Kita Manslagt (Awo): kein Ganztag möglich
Da das Gebäude auch als Dorfgemeinschaftshaus genutzt wird, sei ein Ganztagsangebot in Manslagt nicht möglich. Die Räume, die dem eingruppigen Kindergarten zur Verfügung stehen, seien „stark sanierungsbedürftig“.
Kita Pewsum (Gemeinde): keine Erweiterung im Bestand
Die dreigruppige Kita in Pewsum mitsamt der Krippe bekommt insgesamt gute Bewertungen. Verbesserungsvorschläge gibt es vor allem beim Schallschutz und der Raumnutzung. „Erweiterungsfläche gibt es im Bestand nicht, aber eventuell auf der Grünfläche neben der KiTa und gegenüber der Grundschule.“
Kita Pilsum (Gemeinde): inklusiv, aber kein Ganztag
Der Kindergarten beherbergt eine Gruppe und ist im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. Der Kita-Teil sei einem „recht guten, gepflegten Zustand“. Es fehle aber an zusätzlichen Räumen, auch, um ein Ganztagsangebot zu ermöglichen. Aber auch Verwaltungs- und Lagerräume fehlen. Dies könnte man aber beheben, wenn die Feuerwehr die Nutzung des Dachgeschosses aufgeben würde. Erweiterungsmöglichkeiten bestünden auf der benachbarten Feuerwehr-Übungsfläche.
Kita Uttum (Awo): „raumeng“ und zu wenig Draußen
Laut Gutachten kann die Kita in Uttum ihr Betreuungspotenzial nicht ausschöpfen. Da der Außenbereich zu wenig Fläche hat, sind nur 18 Kinder zugelassen, obwohl theoretisch 25 möglich wären. Außerdem biete das Außengelände für unter Dreijährige zu wenig Abwechslung. „Das Gebäude ist für einen 1-gruppigen Kindergarten prinzipiell in einem guten Zustand, aber raumeng und für den Ganztag nicht geeignet.“
Die Empfehlung von Biregio geht hier tatsächlich über die der bisherigen Kitas hinaus. „Eine Überlegung wäre hier eine u3-Gruppe zu verorten. Dies könnte perspektivisch die Mehrbedarfe decken, die Pewsum derzeit nicht mehr leisten kann“, heißt es. Die notwendigen Arbeiten wären aber mit „aufwändigen Sanierungen verbunden“.
Kita Visquard (ev.-ref.): kurz und knapp
„Will man den 1-gruppigen Kindergarten erhalten, ist dies gut im Bestand möglich. Die Räume sind in der Größe ausreichend und in einem guten Zustand.“ Erweiterungsflächen gebe es allerdings weder im Bestand noch im Umfeld.
Kita Woquard (ev.-luth.): gute Aussichten
Die Kita Woquard ist zwar im Inhaltsverzeichnis angegeben, fehlte aber in der Darstellung. „Der Fehler lag bei Biregio“, teilt die Gemeinde am Donnerstag auf Nachfrage mit. Es sei eine falsche Datei hochgeladen worden. Der Fehler wurde nun behoben.
Bei der derzeit zweigruppigen Kita in Woquard kommt Biregio insgesamt zu einer sehr guten Beurteilung. Bei einer Erweiterung, wie sie jetzt von der Politik auf den Weg gebracht wurde, schlägt das Gutachten vor, Personalflächen mit einzuberechnen. „Eine Erweiterung an dem Standtort erscheint durchaus sinnvoll, einerseits entsteht im direkten Umfeld ein neues Wohngebiet und andererseits könnte z.B. der Standort Groothusen von hier mitversorgt werden“, heißt es.