Neue Ermittlungen  War Wiesmoor Teil eines internationalen Drogenrings?

| | 15.03.2023 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ans Licht gekommen sind die Ermittlungen wegen eines Antrags des Rechtsanwalts Joë Thérond. Archivfoto: Ortgies
Ans Licht gekommen sind die Ermittlungen wegen eines Antrags des Rechtsanwalts Joë Thérond. Archivfoto: Ortgies
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Ein Mann, der in Verbindung mit den Wiesmoorer Drogengeschäften stehen soll, gilt als Elektriker für Hanfplantagen – möglicherweise auch im Ausland. Welche Auswirkungen hat das auf den Prozess?

Wiesmoor/Aurich/Kaiserslautern - Die im vergangenen Mai in Wiesmoor gefundene Cannabis-Plantage könnte Teil eines europaweiten Drogen-Netzwerks sein. Das geht aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern und dadurch gewonnene Erkenntnisse der Auricher Polizei hervor, die am Mittwoch Thema im Drogenprozess am Auricher Landgericht waren. Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt gegen zwei bereits festgenommene Männer und einen flüchtigen Verdächtigen, deren Fingerabdrücke an dem verpackten Marihuana in einem Wiesmoorer Ex-Bauernhaus gefunden worden waren. Joë Thérond, Anwalt von Christian Rademacher-Jelten mitangeklagtem Geschäftspartner, hat sich die Akten des Falls angeschaut – und seine Erkenntnisse nun vor Gericht präsentiert.

Demnach stehe mindestens einer der Männer im Verdacht, etwas mit Drogenplantagen in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu tun gehabt zu haben. Das gehe, so Thérond, aus Dateien hervor, die von Ermittlern aus Kaiserslautern ausgewertet worden seien. Aus Chats sei ersichtlich, dass über mehrere Plantagen geschrieben worden sei. Auf Handy-Fotos seien Cannabis-Plantagen und Drogen zu sehen gewesen. Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt wegen des Verdachts, die Männer seien in Wiesmoor für das Verpacken des Hanfs zuständig gewesen. Mit Blick auf die anderen Plantagen geht die Zentrale Kriminalinspektion Kaiserslautern laut Thérond aber davon aus, dass mindestens einer von ihnen für die Logistik und die Elektrik von Indoor-Plantagen zuständig gewesen sei.

„Hören von dieser Information zum ersten Mal“

Dabei ist der Rechtsanwalt auf einen besonders interessanten Vermerk eines Auricher Polizisten gestoßen: Demnach sei die in Wiesmoor angewandte Methode, um unbemerkt Strom aus dem öffentlichen Netz abzuzapfen, identisch gewesen mit der, die auf den Handyfotos des mutmaßlichen Hanfplantagen-Elektrikers zu sehen gewesen sei, sagte Thérond. War der Mann also auch in Wiesmoor für mehr zuständig als nur fürs Verpacken des Marihuanas, das noch dazu aus einer anderen Plantage stammte? Diese Frage warf Thérond vor Gericht auf – verbunden mit der Empörung darüber, dass die Auricher Staatsanwaltschaft dem Landgericht die Akte nicht ungefragt zur Verfügung gestellt habe. „Die Akten müssen beigezogen und die zuständigen Ermittler befragt werden“, so der Rechtsanwalt.

Oberstaatsanwalt Helge Ommen sagte, dass er keinem Prozessbeteiligten irgendwelche Ermittlungsergebnisse vorenthalte: „So was machen wir nicht.“ Jeder, der wolle, könne die Akten einsehen. Die von Thérond angeführten Handy-Auswertungen seien allerdings noch nicht vollständig gewesen und nur auf die Schnelle für einen Haftprüfungstermin zusammengestellt worden. Christian Rademacher-Jeltens Anwalt Dr. Stephan Weinert sagte, dass es „ja gut und schön“ sei, dass die Akte auf Antrag vorgelegt werde. Hätte Thérond den Antrag auf Akteneinsicht aber nicht gestellt, wären die Ermittlungen dem Auricher Gericht nicht bekanntgeworden, so Weinert. Es dürfe nicht dem Zufall überlassen werden, dass Beweise übermittelt würden, die Voraussetzung für eine vollständige und richtige Entscheidung seien.

Das Ziel der Verteidiger ist klar: Thérond will beweisen, dass sein Mandant mit der Plantage nichts zu tun gehabt habe – sondern nur der mutmaßliche europaweite Drogenring. Weinert sagte, dass das wiederum beweise, dass der Kontakt zwischen Rademacher-Jelten und Théronds Mandanten harmlos gewesen sei und nichts mit Drogen zu tun gehabt habe. Björn Raap, Vorsitzender Richter der 1. Großen Strafkammer, sagte in der Sitzung: „Wir hören heute von diesen Informationen zum ersten Mal.“ Die Neuigkeiten müssten die Berufsrichter und Schöffen „erst einmal sacken lassen“. Dann werde die Kammer die Sache „mit der nötigen Ruhe beraten“. Fortgesetzt wird der Prozess am Auricher Landgericht am Dienstag, 28. März, um 14 Uhr.

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