Nachruf auf Jörg-Volker Kahle Leidenschaftlicher Journalist und engagierter Mann der Kirche
Jörg-Volker Kahle galt als ein Urgestein der Emder Zeitungslandschaft und engagierte sich auch ehrenamtlich. Jetzt ist er im Alter von 69 Jahren gestorben.
Emden - Ob in der Zeitungslandschaft, in den Sportvereinen, in der Martin-Luther-Kirchengemeinde oder in der Szenekneipe Kulisse: Wer in Emden die drei Buchstaben JVK hört, verbindet damit häufig einen Mann, der sich in Emden auf vielfältige Weise einen Namen machte. Die drei Buchstaben stehen für Jörg-Volker Kahle, der länger als drei Jahrzehnte als in mehrfacher Hinsicht schwergewichtiger Journalist sowie als Mann der Kirche und Chorsänger in dieser Stadt wirkte. In der Nacht zum vergangenen Freitag ist er im Alter von 69 Jahren gestorben, nachdem er wenige Tage zuvor schwer krank von einer Kreuzfahrt zurückgekehrt war.
Sein Name oder das Autorenkürzel „jvk“ stand über unzähligen Beiträgen in der Emder Zeitung (EZ), in deren Redaktion er Anfang 1986 eingetreten war. Jörg-Volker Kahle kam als eine Art Quereinsteiger zu dem Blatt. Nach dem Studium der Germanistik und der Anglistik in Bochum hatte der gebürtige Dortmunder zunächst am Emder Johannes-Althusius-Gymnasium sein Referendariat als Gymnasiallehrer absolviert, aber keine der damals noch raren offenen Stellen gefunden.
Vom Lehramt zum Journalismus
Der Wechsel vom Lehramt zum Journalismus erwies sich als eine Art Berufung. Jörg-Volker Kahle, den Freunde und Bekannte nur „JVK“ nannten, hatte eine besondere Befähigung für diesen Beruf, die er in sich fühlte - und die ihn erfüllte. Nach dem Einstieg in den Journalismus sei „rasch seine unbändige Leidenschaft fürs Zeitungsmachen“ zutage getreten, schreibt der ehemalige EZ-Chefredakteur Klaus Fackert. Er begleitete den Verstorbenen fast 40 Jahre lang und zeigte sich wie viele andere Kollegen aus der Branche und andere Wegbegleiter „tief erschüttert“ von seinem plötzlichen Tod.
Als Allround-Redakteur arbeitete Jörg-Volker Kahle für den Lokalteil ebenso wie in den Ressorts für Politik und Nachrichten aus aller Welt. Später wechselte er zum Sport und entwickelte sich zu einem profunden Kenner auf diesem Gebiet. „Er kannte alsbald jeden Grashalm auf den Fußballplätzen“, so Fackert. Es gebe „nur eine überschaubare Zahl von Journalisten, die derart kenntnisreich über die vielfältigen Verästelungen im lokalen und regionalen Sport schreiben können“.
Zu Hause auf den Emder Sportplätzen
Jörg-Volker Kahle blieb der EZ-Sportredaktion auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand vor gut drei Jahren treu, schrieb bis zuletzt unter anderem eine Kolumne, in der er zwei fiktive Fans am Spielfeldrand tiefsinnig und mit viel Wortwitz über den Fußball philosophieren ließ.
Als „sehr angenehmen Partner und Begleiter des Emder Sports“ würdigt der Vorsitzende des Emder Stadtsportbundes, Peter Bartsch, den Verstorbenen. Mit ihm habe man „auch mal ein offenes Wort sprechen“ können, „ohne befürchten zu müssen, dass er dies am nächsten Tag für seine journalistischen Zwecke verwendet“, so Bartsch.
Als Prediger Gottesdienste gestaltet
Eine große Lücke hinterlässt Jörg-Volker Kahle auch in der Martin-Luther-Gemeinde, in der sich der überzeugte Christ seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich engagierte. Er habe bei fast keinem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche gefehlt und immer gern am Eingang gestanden, um die Besucherinnen und Besucher zu begrüßen, so die Gemeinde.
Seit dem Jahr 2012 war er im Kirchenvorstand aktiv. Er absolvierte die Ausbildung zum Lektor und zum Prädikanten und hielt schon seit einigen Jahren als Prediger Gottesdienste in der Martin-Luther-Kirche und in anderen Gemeinden des Kirchenkreises.
Seine Liebe galt auch dem Chorgesang
Seine besondere Liebe habe auch der Musik gegolten, heißt es aus der Martin-Luther-Gemeinde. Er habe leidenschaftlich in der Evangelischen Kantorei gesungen und am Projekt „Singen für echte Männer“ teilgenommen. Mit seiner Bassstimme verstärkte er auch den Singverein Emden. Darüber hinaus brachte er sein journalistisches Können im Redaktionsteam des Kirchenmagazins „Überbrücken“ ein. „Wo und wann immer er gebraucht wurde, war er da und half“, so die Gemeinde.
Jörg-Volker Kahle lebte allein. Er hatte aber in Emden viele Freunde und Bekannte, die er gern auch in der „Kulisse“, seiner Stammkneipe, traf. Dort wollen Wegbegleiter sich an diesem Mittwochabend treffen, um ihm zu gedenken. Die Trauerfeier für den Verstorbenen ist am 31. März ab 12 Uhr in der Martin-Luther-Kirche. Die Seebestattung folgt später im engsten Kreis.