Einzelhandel und die Krise Bert Stuut – Supermarkt-Erweiterung ist vom Tisch
Wegen explodierender Baukosten muss sich Bert Stuut von den Erweiterungsplänen für seinen Coop-Supermarkt in Bad Neuschanz verabschieden. Was bedeutet das für die Kunden? Wir haben nachgefragt.
Bad Neuschanz - Der Coop-Supermarkt im niederländischen Grenzort Bad Neuschanz ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Name des Betreibers Bert Stuut ist weit über die Grenzen Ostfrieslands hinweg ein Begriff. Das erkennt man an den Kennzeichen der Autos auf dem Parkplatz: Kunden reisen aus dem Emsland an, aus Norden, Oldenburg und sogar aus Bremen. Was den Laden so beliebt macht: Er hat auch sonntags geöffnet, die Mitarbeiter sprechen deutsch und der Kaffee ist hier unschlagbar günstig. Viele Stammkunden hatten die geplante Erweiterung deshalb schon mit Spannung erwartet. Doch daraus wird nun nichts.
Was und warum
Darum geht es: Aus der geplanten Erweiterung des Coop-Supermarkts und dem neuen Fischlokal in Bad Neuschanz von Bert Stuut wird nichts.
Vor allem interessant für: alle, die gerne in dem niederländischen Grenzort einkaufen gehen
Deshalb berichten wir: Die Erweiterung sollte eigentlich Anfang 2022 erfolgen, getan hat sich aber noch nichts. Daher haben wir nachgefragt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Eigentlich sollte der inhabergeführte Supermarkt um 204 Quadratmeter vergrößert und das Sortiment deutlich ausgeweitet werden. Ein weiteres Projekt: Neben dem Markt sollte ein separater Neubau entstehen. In dieses zweigeteilte Gebäude sollte unter anderem ein Fischlokal mit Außenterrasse integriert werden. Zunächst hatte die Corona-Pandemie die Planungen ins Stocken gebracht, inzwischen sind sie ganz vom Tisch. Lediglich die geplante 25 neuen Parkplätze im Außenbereich wurden realisiert.
Investition von 400.000 Euro
„Geplant war eine Investition in Höhe von insgesamt 400.000 Euro“, berichtet Marktleiter Coen Spa. Doch aus wirtschaftlichen Gründen lasse sich das Vorhaben nicht umsetzen. „Es fehlt schlichtweg das Geld für eine so große Investition.“ Grund seien zum einen die extrem gestiegenen Baupreise. Mit 400.000 Euro würde man heute längst nicht mehr hinkommen. Aber auch die Corona-Zeit habe ihre Spuren hinterlassen. Der Sonntag ist eigentlich der beste Verkaufstag für den Markt. Dann kommen hauptsächlich deutsche Kunden zum Einkaufen. Während der Pandemie haben viele ältere Stammkunden lange auf den sonntäglichen Einkauf bei Bert Stuut verzichtet.
Wie sieht es auf deutscher Seite aus? Werden auch hier Investitions-Vorhaben wegen explodierender Baukosten eingestampft oder aufgeschoben? „Ich kann zwar keinen konkreten Fall nennen, aber ich denke schon“, sagt Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. Wie im Privatbereich sei die Zeit günstiger Bauzinsen vorbei. „Es ist die logische Schlussfolgerung, dass die Entwicklung auch im geschäftlichen Bereich durchschlägt.“ Bei Zinssätzen von vier Prozent und mehr würde manch einer die geplante Investitionsentscheidung nach hinten stellen.
Keine Übernahme durch Plus
Und noch eine Änderung wird aller Voraussicht wohl nicht kommen: Eigentlich sollten die beiden niederländischen Handelskonzerne Coop und Plus Anfang vergangenen Jahres fusionieren. Der Supermarkt von Bert Stuut sollte fortan unter dem grünen Plus-Logo firmieren. „Die wirtschaftliche Marktentwicklung bei Plus ist im Moment nicht gut“, nennt Spa den Grund, weshalb man nun von diesen Plänen Abstand nehmen wolle. Auf jeden Fall werde sich bis 2025 nichts ändern.
Eröffnet wurde der Neubau an der Hoofdstraat am 10. Oktober 2012. Zuvor hatte Bert Stuut bereits 13 Jahre lang einen Coop-Markt betrieben. Im Jahr nach der Neueröffnung wurde der Supermarkt als bester Coop-Markt der gesamten Niederlande ausgezeichnet. Das Einkaufszentrum an der Hoofdstraat war von Anfang an ein Anziehungspunkt für deutsche Kunden.
Die kommen in der Regel wegen des Kaffees. Egal, ob Bohnenkaffee oder Pads – der Kaffee ist oft nur halb so teuer wie in Deutschland. Manche Kunden decken sich mit einem Vorrat ein und rollen Einkaufswagen voller Kaffee zu ihren Autos. Aber auch Fertiggerichte und Brot sind bei deutschen Kunden beliebt. Die Besucher nutzen aber auch die Gelegenheit, zum Mittag typisch niederländische Spezialitäten auszuprobieren: Frikandeln aus dem Automatenimbiss oder Kibbeling vom Fischimbiss.