Kult-Bar macht zu  Der Fliegende Holländer in Ditzum im Sinkflug

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Von Vera Vogt
| 03.04.2023 15:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gerade bei schönem Wetter war der Fliegende Holländer beliebt. Foto: Wolters/Archiv
Gerade bei schönem Wetter war der Fliegende Holländer beliebt. Foto: Wolters/Archiv
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Trotz guter Bewertungen das Aus für Kibbelinge und Co.: Die Kult-Bar Fliegender Holländer in Ditzum wird geschlossen. Warum?

Ditzum - Urig, gemütlich, familiär – so lauten die Bewertungen, die bei der Plattform Trip-Advisor über den Fliegenden Holländer in Ditzum zu lesen sind: An der Meinung der Gäste kann es kaum gelegen haben, aber die Kult-Bar macht zu. Das veröffentlichte das Team in einem Post bei Facebook: „Ein letztes Moin aus dem schönsten Dorf der Welt“, so beginnt die Nachricht an die Gäste. Nach zehn Jahren müsste man leider mitteilen, dass der Laden geschlossen werden müsse.

Es gebe mehrere Gründe, die zur Schließung geführt haben. „Einerseits macht die jetzige Wirtschaft es nicht möglich, ein kleines Bistro am Leben zu erhalten“, schreiben die Betreiber. Die Preise für Lebensmittel seien oft bis zu 100 Prozent gestiegen. „Auch das Fett, das wir für unsere Gerichte benutzen, ist um das Dreifache im Preis gestiegen.“ Beim Fliegenden Holländer gab es, wie der Name vermuten lässt, niederländische Spezialitäten wie Kibbelinge, Frikandel und Co.. „Wir hätten die Preiserhöhung nur gestemmt, wenn wir unsere Preise verdoppelt hätten. Wir wollen keine Portion Kibbelinge für 13 Euro verkaufen.“

Ärger und Dankbarkeit

Zudem seien die Miete und die Nebenkosten gestiegen, während der Corona-Pandemie habe es keine Ermäßigung gegeben. Der neue Mindestlohn habe es auch nicht einfacher gemacht. Die Betreiber schreiben außerdem von Ärger um Garage und Lager. „Wir bedanken uns bei unseren Kunden und unseren Stammgästen für die schönen Jahre und die Treue“, heißt es weiter. Zudem bedanke man sich bei den „tollen“ Mitarbeitern, die „immer geholfen haben. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Diese Wertschätzung unterstrich Inhaberin Julia Freebel bereits im Juni 2021. Zu dieser Zeit wurden Bars, Kneipen und Diskotheken je nach Inzidenz unter gewissen Regeln wieder geöffnet. „Wir sind glücklich und die Gäste auch“, sagte Julia Freebel einst. Besonders dankbar war sie, weil sie sich blind auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe verlassen können. „Als ich erfuhr, dass wieder mehr möglich ist, brauchte ich nur Bescheid sagen. Weil die meisten bei mir im Nebenerwerb tätig sind, haben sie gesagt: ‚Du kannst auf uns zählen‘ und haben sich nichts anderes gesucht, sondern abgewartet“, sagte die Ditzumerin. Nun bleibe der Betreiberin aber nur der Abschied.

Ende kam für viele überraschend

Die Betreiber hatten zu einem kleinen Flohmarkt eingeladen. Dekostücke aus der Einrichtung wurden verschenkt. Nicht nur in Ditzum trennt man sich von Einrichtungsstücken. In Weener lud Niederländerin Katja Zwezerijnen zu einem Flohmarkt, bei dem sie Kunst und andere Inventarstücke anbot. Sie schloss ihr Musikcafé Katja am Hafen in Weener kürzlich.

Auch im Fliegenden Holländer gab es gastronomische, aber auch kulturelle Angebote. So fand sich beim Aufräumen ein Flyer von den Konzerten von 2018/19. Blues, Rock, Country, Irish Folk gehörten zu den Stilrichtungen der Musiker, die dort auftraten. Einige von ihnen bedankten sich unter dem Abschieds-Post auf Facebook für die liebevolle Begleitung durch die Betreiber. Insgesamt haben mehr als 100 Nutzer ihr Bedauern bekundet. Darunter Touristen wie auch Einheimische.

Zum Schluss des Posts wenden sich die Betreiber an ihre Gäste und bedanken sich „allgemein bei allen Leuten, die uns geholfen haben, diesen Laden zu dem zu machen, was er mal war.“

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