Daten-Diebstahl  Lieber Kunde, bitte bestätigen Sie – so werden Bankkunden betrogen

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Von Vera Vogt
| 13.04.2023 16:02 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wer schreibt mir da? So sieht die Betrugs-SMS aus. Foto: Kierstein
Wer schreibt mir da? So sieht die Betrugs-SMS aus. Foto: Kierstein
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Klicken Sie hier, um eine Blockierung zu vermeiden: So ködern Betrüger Bankkunden. Wir bekamen eine SMS angeblich von der Volksbank, eine Leserin eine vermeitliche Mail der Sparkasse. Was ist da los?

Leer - Es ist noch vor Arbeitsbeginn. Die Tasse Kaffee steht bereit, dann bimmelt das Handy. „Wichtige Mitteilung (VOLKSBANK) Lieber Kunde, Ihr VR-SecureGo läuft ab. Bestätigen Sie jetzt, um eine Blockierung zu vermeiden“, dann ein Link. Ich bestätige nicht. Abgesehen davon, dass in der SMS „läuft“ und „Bestätigen“ mit „a“ anstelle von Umlauten geschrieben wurde, nutze ich kein Online-Banking.

Was und warum

Darum geht es: Das Handy bimmelt: Wichtige Mitteilung – Lieber Kunde, bestätigen Sie hier...so beginnen Betrugsgeschichten. Derzeit kursieren SMS, die angeblich von der Volksbank kommen, kürzlich bekam eine Leserin eine Phishing-Mail, die denen der Sparkasse ähnlich sehen sollte.

Vor allem interessant für: die, die sich vor Betrug fürchten oder die, die sich um Angehörige sorgen

Deshalb berichten wir: Wir bekamen eine Phishing-SMS.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Zum Glück, so kam ich gar nicht erst auf die Idee, der Aufforderung zu folgen. Früh am Morgen könnte ich sicherlich auch Schreibfehler übersehen und im Schreck vielleicht in die Falle tappen. Man wollte mich über den Link auf eine Seite leiten, auf der ich meine Daten hätte eingeben müssen. Damit hätten die Betrüger bekommen, was sie wollten. Ende Februar meldete sich eine ältere Dame bei uns, die eine E-Mail der Sparkasse bekam, die nach ihren Angaben täuschend echt aussah. Sie rief bei dem Kreditinstitut an und wurde gewarnt. Zeit, sich das Problem genauer anzuschauen.

Das sagt die Polizei

Es passiert nicht selten, dass solche sogenannten „Phishing“-Nachrichten an Personen in der Region versendet werden. „In der Tat erhalten wir immer wieder Hinweise über Phishing-SMS und ähnliche Maschen, etwa Betrugsarten via Mail“, sagt Tim Tecklenborg, Wachgruppenleiter Einsatz- und Streifendienst der Polizei Leer/Emden. Strafanzeigen würden auch erstattet. Wie oft das vorkomme, sei verschieden.

Warum die Zahl schwankt, sei aus polizeilicher Sicht nicht abschließend geklärt, aber „wir können davon ausgehen, dass einige der (versuchten) Vorfälle schlichtweg nicht zur Anzeige gebracht oder mitgeteilt werden.“ Man betreibe in diesen Sachen aktiv Prävention. „Dabei arbeiten wir auch mit Banken und Kreditinstituten zusammen“, so Tecklenborg.

Das sagt die Volksbank

„Betrugsversuche unter fremden Namen können rufschädigend sein. Wir wirken dem mit einer aktiven Kommunikation entgegen“, sagt Björn Nauschütt, Leiter Vertrieb/Marketing der Ostfriesischen Volksbank. „Manche Kundinnen und Kunden kontaktieren uns, wenn sie unsicher sind.“ Im persönlichen Gespräch kläre man dann über den Umgang mit gefälschten Nachrichten auf. Aktiv verhindern könne die Volksbank nicht, dass in ihrem Namen solche SMS verschickt würden. „Auf den Versand haben wir keinen Einfluss. Die Kontaktdaten werden über spezielle Suchmaschinen oder andere Anbieter erlangt“, sagt Nauschütt.

In Sachen Enkeltrick sind es oft Bankmitarbeiter, die ihre Kunden davor bewahren, Betrügern große Summen in die Hand zu drücken. Dafür werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult: „Um einen Betrug jeglicher Art frühzeitig zu erkennen, sensibilisieren und schulen wir unsere Belegschaft zudem regelmäßig“, so Nauschütt. Durch den engen Kontakt mit den Kundinnen und Kunden fielen ihnen Unregelmäßigkeiten auf. „Erscheint etwas ungewöhnlich, sprechen wir unsere Kundinnen und Kunden direkt an.“

Das sagt die Oldenburgische Landesbank

„Solche Kurznachrichten, Emails und Telefonanrufe beispielsweise kommen leider immer wieder vor“, sagt Timo Cyriacks, Sprecher der OLB. „Wir sind sehr engagiert dabei, unseren Kunden Hilfestellungen an die Hand zu geben, wie sie diese Betrugsversuche abwenden können, denn im Falle des Falles kommt es – genau wie bei Ihnen und der Leserin – darauf an, dass die angeschriebenen, angemailten, angerufenen Betroffenen aufmerksam sind“, sagt er. Die Kundenbetreuerinnen und -betreuer insbesondere in den Filialen seien sensibilisiert und „konnten durch ihre Aufmerksamkeit in der Vergangenheit häufiger böse Überraschungen verhindern, wenn auffallend hohe Geldbeträge in der Filiale vom Konto abgehoben werden sollten“, sagt er.

Grundsätzlich müsse man festhalten, dass moderne und professionelle Betrugsversuche wie insbesondere Phishing sehr schwer zu erkennen seien, „da sie zumeist von einer jedenfalls auf den ersten Blick vertrauenswürdigen Adresse oder Telefonnummer ausgehen.“ Kundinnen und Kunden sollten immer dann skeptisch werden, wenn sie den Absender nicht kennen, unpersönlich oder anders ungewöhnlich angesprochen werden, Fehler finden, aufgefordert werden, einen Anhang zu öffnen oder einem Link aus der Mail zu folgen. „Beispielsweise beim Erhalt einer Mail sollten die Angeschriebenen nicht nur auf den Absendernamen achten, den Betrüger leicht seriös aussehen lassen können, sondern vor allem auf die Absenderadresse, in der sich bei einem Betrugsversuch meistens eine Ungereimtheit findet“, sagt er.

Das sagt die Sparkasse

Natürlich sei das Thema für alle nicht erfreulich, „auch nicht für uns“, sagt Carsten Mohr, Sprecher der Sparkasse Leer/Wittmund. „Wir als Sparkasse versuchen alles, was möglich ist, um diese Betrugsversuche zu vermeiden. Leider ist dies im Internet nicht möglich.“ Man stelle sehr deutlich fest, dass das Bewusstsein der Kunden stark gewachsen sei, „durch die Informationen durch uns, die Präventionsmaßnahmen der Polizei und auch die Berichterstattung in der Tagespresse.“

Wichtig sei, zu prüfen, wer die Nachricht geschickt hat und wie sie formuliert sei. Noch wichtiger sei die Botschaft aller Kreditinstitute: „Kein Kreditinstitut wird jemals Kundendaten, Zugangsdaten oder sonstige vertrauliche Daten über diese Kanäle abfragen“, macht Mohr deutlich.

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