Schicksal von Hund und Katze  Tierschutzverein vor dem Aus – was kommt dann?

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Von Vera Vogt
| 19.04.2023 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Katzen und Hunde leben in Tierheimen. Foto: Ortgies/Archiv
Viele Katzen und Hunde leben in Tierheimen. Foto: Ortgies/Archiv
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Viele Tierheime werden von Vereinen geführt. Im Rheiderland gibt es Reibereien in der Gruppe. Was wird aus den Tieren, wenn sich ein Tierschutzverein wirklich auflöst?

Rheiderland - Es gibt schon eine Weile Reibereien im Tierschutzverein Rheiderland. Der zweite Vorsitzende Dennis Olker trat zurück. Die Vorsitzende und Tierheimleiterin Iris Holzapfel schloss eine Auflösung des Vereines für einen frischen Neustart für das Tierheim nicht aus.

Was und warum

Darum geht es: Im Tierschutzverein Rheiderland kriselt es. Was passiert, wenn sich so einer auflöst?

Vor allem interessant für: Tierfreunde

Deshalb berichten wir: Es gab Ärger im Verein. Wir wollten wissen, wie es weitergeht.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Nach einem Besuch des Veterinäramts des Landkreises Leer stellten sich viele Vorwürfe, die dem Tierheim gemacht wurden, als unwahr heraus, es wurde ein „überwiegend positives“ Zeugnis ausgestellt. Verpflegung und Hygiene der Tiere waren nicht zu beanstanden.

Wer führt im Kreis Leer Tierheime?

Auch das Aufziehen von Katzen gehört zum Tierschutz. Foto: Gettkowski/Archiv
Auch das Aufziehen von Katzen gehört zum Tierschutz. Foto: Gettkowski/Archiv
Im Landkreis Leer wird nicht nur das Stapelmoorer Tierheim von einem Tierschutzverein geleitet. Der Tierschutzverein – Tierschutz im Landkreis Leer e.V. – betreut mit seinem Tierheim in Jübberde acht Kommunen des Kreises, das Tierheim auf Borkum wird vom dort ansässigen Tierschutzverein geführt.

Die drei Tierschutzvereine im Kreis sind dem Deutschen Tierschutzbund zugeordnet. Heute sind ihm 16 Landesverbände und rund 740 örtliche Tierschutzvereine mit 550 vereinseigenen Tierheimen/Auffangstationen angeschlossen. In Niedersachsen gibt es 144 Tierheime und Tierschutzvereine.

Geht das auch anders?

Ja. Das Tierheim Oldenburg zum Beispiel wird seit 2006 von der Gemeinnützigen Trägergesellschaft des Tierheims Oldenburg mbH betrieben. Ehemals war das Tierheim städtisch geführt. Die Trägergesellschaft wurde vom Tierschutzverein gegründet. „Die Stadt hat der Trägergesellschaft das Gebäude unentgeltlich überlassen und leistet für den Betrieb des Tierheims einen jährlichen zweckgebundenen Zuschuss“, erklärt die Stadt Oldenburg dazu.

Was wird aus den Tieren?

Tierschutz ist auch Erziehung. Foto: Archiv/Bothe
Tierschutz ist auch Erziehung. Foto: Archiv/Bothe
„Sollte sich ein Verein oder Tierheim aus ‚eigenen Stücken‘ auflösen, dann ist meistens genug Zeit, den Verbleib der Tiere zu organisieren“, erklärt Nadia Wattad, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Die Tiere würden dann an Privatleute oder Pflegestellen oder andere Einrichtungen vermittelt. „Die Vereinsbetreuung des Deutschen Tierschutzbundes kann hier ebenfalls unterstützen und zum Beispiel Kontakte zu anderen Tierschutzvereinen oder Landesverbänden herstellen.“

Wie liefe das ab?

Das Ganze passiert so oder so nicht Knall auf Fall, zunächst sind vereinsrechtliche Schritte einzuhalten: „Beschließt ein Verein, sich aufzulösen, tritt er zudem in die Liquidation ein. Das heißt, dass er noch ein Jahr existiert, in der er bestehende Verpflichtungen (also vor allem Schließung des Tierheims, Befriedigung von Gläubigern) noch auszuüben hat“, erklärt Wattad. Die Mitgliedschaft beim Deutschen Tierschutzbund bestehe ebenfalls bis zum Ende dieses Sperrjahres, wenn nicht vorab gekündigt wird. „Das heißt, dass der Dachverband auch Mitgliedsvereinen in der Liquidation noch bis zum letzten Tag zur Seite steht.“

Wer trägt die Verantwortung?

Gemütlich in der Sonne liegen. Foto: Gettkowski/Archiv
Gemütlich in der Sonne liegen. Foto: Gettkowski/Archiv
Zuständig für die Verteilung, Vermittlung oder neue Unterbringung der Tiere ist grundsätzlich der Tierschutzverein, der sich auflöst, sagt die Sprecherin. Das unterstreicht auch der Landkreis Leer für den hiesigen Fall. „Der eingetragene Verein ‚Tierschutz Rheiderland im Deutschen Tierschutzbund e. V.‘ mit seinen Organen Vorstand und Mitgliederversammlung steht auch bei einer Auflösung bis zuletzt vorrangig in der Verantwortung“, erklärt Philipp Koenen, Sprecher des Landkreises Leer. Aber Hilfe würde es geben: „Sofern eine veterinärfachliche Unterstützung erforderlich sein sollte, würde sich das Veterinäramt dem nicht verschließen.“

„Die kommunale Aufgabe beschränkt sich auf die Versorgung von Fundtieren. Dafür haben die Kommunen einen Vertrag mit dem Tierschutzverein geschlossen, der derzeit auch erfüllt wird“, schreibt der Weeneraner Bürgermeister Heiko Abbas in einer gemeinsamen Mitteilung der drei Rheiderland-Kommunen. „Sollte sich am Status Quo etwas ändern, was wir derzeit nicht wissen, werden wir uns bemühen, eine Lösung zu finden. Aktuell warten wir auf die Rückmeldungen des Vereins.“

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