Abschied von Ostfriesland  Warum ein reformierter Pastor in ein Kloster geht

| | 26.04.2023 09:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Kirchenratsvorsitzende Silke Rath hat sich im Namen der Gemeinde von Pastor Matthias Lefers verabschiedet. Foto: Hans-Jürgen Uken-Lemke
Die Kirchenratsvorsitzende Silke Rath hat sich im Namen der Gemeinde von Pastor Matthias Lefers verabschiedet. Foto: Hans-Jürgen Uken-Lemke
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Nach mehr als zehn Jahren wurde Pastor Matthias Lefers in Neermoorpolder verabschiedet. Nun übernimmt er eine völlig neue Aufgabe.

Neermoorpolder - Mit einem Gottesdienst und einer bewegenden Feier hat sich die evangelisch-reformierte Gemeinde Neermoorpolder von ihrem Pastor Matthias Lefers verabschiedet. In der voll besetzten Kirche erhoben sich am Ende alle zum Applaus – ein nicht alltägliches Bild in einer reformierten Gemeinde. Dazu passt, dass Lefers nun einen ebenso ungewöhnlichen Weg geht: Er wechselt in ein Kloster.

Was und warum

Darum geht es: Pastor Matthias Lefers wurde in Neermoorpolder von seiner Gemeinde verabschiedet

Vor allem interessant für: Christen

Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, wieso ein reformierter Pastor ausgerechnet in ein Kloster wechselt

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Doch als Mönch muss man ihn sich dennoch nicht vorstellen. Er hat nämlich künftig die evangelisch-reformierte Studienleitung im Kloster Frenswegen inne. Gesundheitliche Gründe hätten ihn zu diesem Schritt bewogen, sagt er. Das Kloster ist eine ökumenische Tagungs- und Begegnungsstätte, und dort konzentriert sich die Aufgabe von Lefers auf Erwachsenenbildung in Form von Seminaren, Vorträgen und Informationsveranstaltungen.

Rückkehr in seine Heimat

Anders als bisher werde die Seelsorge etwas in den Hintergrund treten, sagt Lefers: „Es gibt hier jedoch eine Kapelle, in der werde ich regelmäßig auch Gottesdienste halten.“ Das Kloster Frenswegen liegt in der Grafschaft Bentheim, somit kehre er in seine Heimat zurück. Aktuell beschäftige er sich in der Vorbereitung für eine Veranstaltung mit der Entwicklung des Kirchensteuersystems in Deutschland. „Die neue Arbeit ist auf jeden Fall spannend“, sagt Lefers.

Zur Verabschiedung von Pastor Matthias Lefers (vorne, Vierter von links) war die Kirche voll besetzt. Foto: Hans-Jürgen Uken-Lemke
Zur Verabschiedung von Pastor Matthias Lefers (vorne, Vierter von links) war die Kirche voll besetzt. Foto: Hans-Jürgen Uken-Lemke

Die Verabschiedung in Neermoorpolder sei „ein perfekter Tag“ gewesen, er habe keine Melancholie empfunden. 2010 war Lefers als Pastor coll. in die Gemeinde gekommen, 2013 wurde er dort als Pastor ordiniert. Damals hatte Neermoorpolder mit Dr. Jan Marius Lange van Ravenswaay zwei Pastoren. Seit Lange van Ravenswaay in den Ruhestand gegangen ist, war Lefers alleiniger Seelsorger. Dafür habe ihm zuletzt die Kraft gefehlt, „nichts ist wichtiger als die eigene Gesundheit“, sagt er.

Stelle bleibt zunächst unbesetzt

Die Pastorenstelle in Neermoorpolder bleibt zunächst vakant, sie kann im Sommer ausgeschrieben werden. Die Predigten übernimmt Pastorin coll. Dagny Weyermanns. Die Vakanz bedeute eine Menge Arbeit für den Kirchenrat, sagt Lefers.

Zum Abschluss des Gottesdienstes haben sich die Gottesdienstbesucher von ihren Plätzen erhoben. Foto: Hans-Jürgen Uken-Lemke
Zum Abschluss des Gottesdienstes haben sich die Gottesdienstbesucher von ihren Plätzen erhoben. Foto: Hans-Jürgen Uken-Lemke

An Neermoorpolder habe er stets die Bereitschaft, neues auszuprobieren, geschätzt. Die evangelisch-reformierte Gemeinde dort besteht erst seit 58 Jahren. „Es gibt eine große Bereitschaft, mitzumachen“, so Lefers. Die Kirche, so sieht er es, sei nicht in der Position, auf alten Traditionen zu beharren. Deshalb wünsche er seiner bisherigen Gemeinde, dass sie sich diese Aufgeschlossenheit bewahrt.

Für die reformierte Kirche werde es allgemein schwieriger, Pfarrstellen zu besetzen: „Wir haben Fachkräftemangel wie alle anderen auch“, sagt Ulf Preuß, Pressesprecher der Landeskirche in Leer. Aktuell seien fünf Stellen vakant. Kleine Gemeinden schließen sich bereits zusammen, um sich eine Pastorenstelle „zu teilen“. Als Beispiel nannte Preuß die Gemeinden Rysum, Wybelsum und Logumer Vorwerk, die gemeinsam eine neue Pastorin oder einen neuen Pastoren suchen und sich dafür zusätzlich mit der Gemeinde Twixlum zusammengetan haben.

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