Besitzer oft frustriert Wieso Hunde fast nie mit auf den Deich dürfen
Wer einen Hund dabei hat, kommt nicht bis zum Pilsumer Leuchtturm ohne Verbotsschilder zu ignorieren. Wie sieht es auf anderen Deichabschnitten aus?
Ostfriesland - Eigentlich sollte es jedem Hundebesitzer klar sein: Egal wie sehr man seinen eigenen Vierbeiner liebt, er ist nicht überall willkommen. Das gilt auch besonders im Urlaub: Viele Beherbergungsbetriebe erlauben keine Hunde oder andere Haustiere und auch nicht in oder an jeder Sehenswürdigkeit sind Hunde erlaubt.
Was und warum
Darum geht es: Niedersachsen ist beim Thema Deichsicherheit rigoroser als beispielsweise Schleswig-Holstein.
Vor allem interessant für: Hundebesitzer, egal ob einheimisch oder nur zu Gast
Deshalb berichten wir: Wir berichteten kürzlich darüber, dass Hunde an „Ottos Leuchtturm“ verboten sind. Wir wollten wissen: Wie sieht es ansonsten entlang der ostfriesischen Küste aus? Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Tatsächlich werben viele Internetseiten, darunter auch die der ostfriesischen Touristik, mit „Urlaub mit Hund“. Doch der Teufel steckt hier im Detail. Denn manchmal braucht es einen genauen Blick auf das Geschriebene (oder auch das, was eben nicht erwähnt ist) um herauszufinden, wo Herrchen und Frauchen sich mit Bello bewegen können und wo nicht.
Worüber beschweren sich die Hundebesitzer?
Dass nicht alle Touristen mit Vierbeinern sich diese Informationen im Vorfeld angeguckt haben oder sich zumindest klarere Aussagen gewünscht hätten, wird vor allem im Internet deutlich. Was dieser Zeitung zunächst vor allem unter den Bewertungen für den Pilsumer Leuchtturm auffiel, zieht sich wie ein roter Faden durch weitere Bewertungen zu Sehenswürdigkeiten entlang der Nordseeküste. Oder besser: Auf den Deichen entlang der niedersächsischen Nordseeküste. Überall beschweren sich Hundebesitzer darüber, dass ihre Tiere auch angeleint nicht auf den Deich dürfen.
Das bestätigen auch die hiesigen Deichachten auf Nachfrage. So schickt die Deichacht Norden als Antwort auf eine Anfrage ein sehr deutliches Infoschreiben, welches an Gäste ausgegeben wird. Im Zuständigkeitsbereich gilt ein generelles, ganzjähriges Hundeverbot auf den Deichen.
Gilt das Verbot überall?
Eine Ausnahme gibt es nur in Norddeich. Der Bereich zwischen den Querabzäunungen in Höhe Fledderweg und Großer Krug westlich von Norddeich ist „in den Monaten Juni, Juli und August zeitweise für Hunde freigegeben“. Das generelle Verbot gilt auch weiter östlich. Der III. Oldenburgische Deichband, zuständig für die Deiche zwischen Harlesiel und Dangast, antwortet: „Für Deichabschnitte, die regelmäßig mit Schafen beweidet werden, gilt ein ganzjähriges Verbot für den Zugang zu den Deichen mit Hunden.“ Ausnahmen gebe es nur dort, wo gemäht statt gegrast wird. „Hierbei handelt es sich um Deichabschnitte in den touristischen Ortslagen, wo eine Deichbeweidung nicht möglich ist. Zum Teil gelten aber auch dort Verbote für Hunde, die von den jeweiligen Gemeinden im Hinblick auf die touristische Nutzung ausgesprochen werden.“
Auch im Bereich der Moormerländer Deichacht gibt es Bereiche, die für Hunde komplett gesperrt sind, sowie solche, auf denen die Vierbeiner an der Leine mitgenommen werden dürfen. Zum Beispiel dort, wo der „Deichverteidigungsweg vom Deich ausgezäunt ist. Beispiel: Seeschleuse Leer bis zur Jann-Berghaus-Brücke in Leer oder Emssperrwerk in Gandersum bis zum Kirchweg in Jarssum“, so die Deichacht auf Nachfrage.
Haben sich die Ostfriesen diese Regelungen ausgedacht?
Diese Regelungen denken sich die Deichachten in Niedersachsen nicht einfach so aus. Sie alle fußen auf dem Niedersächsischen Deichgesetz. Zwar ist in diesem nirgendwo die Rede von Hunden, aber davon, dass Deiche erhalten werden müssen. Hunde können die Deichsicherheit direkt (Beschädigung der Deichnarbe zum Beispiel durch Buddeln) oder indirekt (Gefährdung der Schafe durch Verschrecken oder Verunreinigungen) gefährden. Daher gilt in Niedersachsen grundsätzlich: Hundeverbot auf Deichen. Ausnahmen können aber zugelassen werden.
In anderen Bundesländern können entsprechend andere Regelungen gelten. In Schleswig-Holstein gilt, wie auf Nachfrage zu erfahren ist, nur ein allgemeiner Leinenzwang auf den Deichen.
Wird über das Hundeverbot nicht ausreichend informiert?
Hier kommt es darauf an, welchen Weg man wählt, wenn man sich informiert. Sucht man nach „Urlaub mit Hund in Ostfriesland“, findet man viele Seiten, die recht uninformiert an das Thema rangehen. Da wird Ostfriesland als Reiseziel für Hundebesitzer angepriesen – mit Nennung von Deichspaziergängen oder Sehenswürdigkeiten wie dem Pilsumer Leuchtturm.
Genauere Informationen gibt es auf den Seiten der hiesigen Touristiken. Unter dem Stichwort „Urlaub mit Hund“ ist die Information zu den Deichen beispielsweise verzeichnet – zumindest bei den Krummhörner Touristikern auf greetsiel.de. Auf der übergeordneten Seite zu ganz Ostfriesland (ostfriesland.travel) gibt es hingegen unter dem gleichen Suchbegriff nur Informationen zum Verhalten im Nationalpark Wattenmeer. Es ist also nicht unmöglich, herauszufinden, was erlaubt ist und was nicht. Es ist nur nicht überall und kundennah verzeichnet. So fehlt beispielsweise bei Sehenswürdigkeiten der Hinweis, wenn explizit Hunde verboten sind – das kann man sich nur indirekt erschließen, wenn die Sehenswürdigkeit nicht in der Liste mit hundegeeigneten Sehenswürdigkeiten verzeichnet ist.
Gibt es denn gar keine Meer-Angebote für Menschen mit Hunden?
Auch wenn ein Großteil der ostfriesischen Deiche für Vierbeiner ganzjährig tabu sind: An den Strand kann man natürlich dennoch. Offizielle Hundestrände gibt es allerdings nur in einzelnen Orten. In Norddeich an der Wasserkante sowie in Harle-, Neßmer- und Hooksiel.