Kurioses aus der Kreisklasse Alarm im Büro – Schiedsrichter verlässt Spiel in der Pause
Alessandro Cipolla ist mit Leib und Seele Unparteiischer und Hausmeister. Bei einem Abendspiel in Egels war er plötzlich in beiden Rollen gefordert, als der Chef im Spiel aus dem Urlaub anrief.
Aurich - Ein gebürtiger Römer hat auf dem Sportplatz in Egels am Freitag für staunende Fußballer gesorgt. Alessandro Cipolla telefonierte während eines Kreisklassen-Spiels via Smart Watch mit seinem Chef und verließ in der Halbzeitpause in Windeseile die Sportanlage. Weil der Alarm im Verlagsgebäude der Ostfriesischen Nachrichten (Zeitungsgsruppe Ostfriesland) in der Auricher Innenstadt anging, musste der Hausmeister nach dem Rechten schauen. „Man ist eben Tag und Nacht Hausmeister“, sagt der 62-Jährige mit einem Lächeln. Der Hausmeister fand nicht nur den „Fehler“ im Büro, sondern leitete nach der Rückkehr in den Auricher Ortsteil Egels auch das Fußballspiel noch bis zum Ende.
„Das haben wir alle auch noch nicht erlebt“, sagte Willi Tunder. Er ist Trainer der SG Egels-Popens II, die am Freitag in der Ostfrieslandklasse C (Staffel I) mit 0:3 gegen den SC Dunum II verlor. Die Dunumer feierten anschließend ihre Meisterschaft und dürften dabei bei dem einen oder anderen Kaltgetränk noch spaßig über den Hausmeister mit der Pfeife geredet haben.
Plötzlich redet er mit der Uhr
Im Laufe der ersten Halbzeit meldete sich auf der Smart-Watch des Schiedsrichters der Alarm aus dem Verlagsgebäude. Er gab einen Code ein, um diesen zu beenden, weil Cipolla es als Fehlalarm erkannte. Einige Minuten später wunderten sich die Beteiligten, warum der Unparteiische nicht eine Egelser Ecke ausführen ließ. Der gebürtige Italiener, der seit 55 Jahren in Deutschland lebt, sprach in seine Uhr – und telefonierte. „Mein Chef hatte mich aus dem Urlaub angerufen, weil der Alarm erneut anging und er nun informiert wurde.“
Ein paar Minuten später war Halbzeit und der Schiedsrichter der SpVg Aurich eilte zum Auto, um in die Auricher Innenstadt zu fahren. Auf dem Weg fiel ihm auf, dass er den Büro-Schlüssel vergessen hatte. Also telefonierte er mit seiner Frau, die mit einem Ersatzschlüssel zum Verlagshaus eilte. Dort konnte der Hausmeister den Fehler schnell finden. „Ein Fenster war leicht geöffnet und durch den Wind hatte sich die Gardine bewegt – dann ging der Bewegungsmelder an.“
Happy End in Egels
Im Schiedsrichter-Outfit stand der Mann mit dem deutschen und italienischen Pass nun im Büro und rief seinen Chef im Urlaub an, dass alles in Ordnung sei. Währenddessen konnten die Kreisklassen-Fußballer im vier Kilometer entfernten Egels nicht ahnen, wie lang der Unparteiische nun weg ist. Vorsorglich einigten sich die Mannschaften schon auf einen Ersatzschiedsrichter, einen verletzten Spieler.
Doch so weit kam es nicht. Etwa zehn Minuten nach dem Ende der 15-minütigen Halbzeitpause fuhr Alessandro Cipolla wieder in Egels vor, verließ das Auto und pfiff die Partie nach kurzer Aufklärung wieder an. „Es hat alles noch wunderbar geklappt“, freute sich der 62-Jährige, der seit 2006 als Schiedsrichter aktiv ist.
Etwas Ähnliches ist ihm noch nicht passiert, da er bei den Spielen auch die Smart-Watch eigentlich auch nicht trägt. „Das war Freitag Zufall, weil meine Solaruhr noch nicht aufgeladen war.“ Wenn sich die Alarmanlage meldet, muss er aber natürlich hier und da mal ausrücken. „Das kam auch schon mal nachts um 4 Uhr vor oder einmal als ich Essen war und gerade die Pizza serviert wurde.“ Meist sind es dann Fehlalarme.
So wie am Freitag, wo Alessandro Cipolla mit seinem Doppel-Einsatz als umsichtiger Schiedsrichter und pflichtbewusster Hausmeister auch bei den Fußballern aus Egels und Dunum bleibenden Eindruck hinterlassen hat.