Oberbürgermeister äußert sich Borssumer Freibad wird nicht in den Sommerferien eröffnet
Die Stadt rückt von dem geplanten Termin zur Neueröffnung des Freibades in diesem Sommer ab und will sich auf keinen neuen Zeitpunkt festlegen. Tim Kruithoff nennt dafür mehrere Gründe.
Emden - Das haben viele Emder schon erwartet: Die Neueröffnung des Freibades Borssum wird noch länger auf sich warten lassen. Die Stadt ist jetzt offiziell von dem zuletzt geplanten Termin während der Ferien in diesem Sommer abgerückt. Auf einen neuen Zeitpunkt will sie sich vorerst nicht festlegen. Entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigte am Dienstag Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos).
Was und warum
Darum geht es: Der geplante Termin zur Neueröffnung des Freibades Borssum ist erneut gekippt worden.
Vor allem interessant für: Emder und Besucher der Stadt, die gern schwimmen gehen, und alle, die sich für große Bauprojekte in Krisenzeiten interessieren.
Deshalb berichten wir: Wir hatten Hinweise erhalten, dass das Freibad nun doch später als geplant fertig werden soll und deshalb bei der Stadt Emden nachgefragt. Daraufhin meldete sich Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) bei unserem Reporter. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Seinen Angaben zufolge soll die Sanierung jetzt „so schnell wie möglich“ abgeschlossen werden. Kruithoff räumte zugleich Verzögerungen bei den im Februar 2022 begonnen Arbeiten ein. Im Gespräch mit dieser Zeitung begründete er das unter anderem mit Personalknappheit bei beteiligten Handwerksfirmen, Lieferengpässen und unvorhersehbaren Dingen, die sich während der Sanierung ergaben. Zudem hätten sich einige der beauftragten Firmen als unzuverlässig erwiesen. Das habe immer wieder zu Verzögerungen geführt und den Bauablauf durcheinander gebracht.
Begehung der Baustelle brachte Klarheit
Der Oberbürgermeister bestätigte, dass er sich bereits vor anderthalb Wochen intern von dem zuletzt angepeilten Eröffnungstermin in diesem Sommer losgesagt hat. Anlass war eine Begehung der Baustelle. Daran nahmen Vertreter von Rat und Verwaltung der Stadt, des mit Planung und Bauleitung beauftragten Planungsbüros Thalen Consult sowie des Freibad-Fördervereins teil. Zunächst war von diesem Treffen nichts nach außen gedrungen.
Allerdings wuchs in den vergangenen Wochen der öffentliche Druck auf die Stadt und den Oberbürgermeister. In der Öffentlichkeit häuften sich Zweifel daran, dass das Freibad Borssum noch in diesem Jahr wieder eröffnet werden kann. Die Stadtverwaltung hatte hingegen noch Anfang Mai an dem Termin während der Sommerferien festgehalten. Die schulfreie Zeit endet in diesem Jahr Mitte August, also etwa zwei Wochen vor dem Ende der Freibad-Saison.
Oberbürgermeister tritt die Flucht nach vorn an
Vor diesem Hintergrund trat Kruithoff jetzt die Flucht nach vorne an. Am Dienstagabend äußerte er sich auch in den sozialen Medien zu der aktuellen Entwicklung. „Natürlich ärgert mich das auch maßlos, da wir bei denen, die sich auf das Freibad freuen, im Wort stehen und die Menschen enttäuscht sind“, schreibt der Oberbürgermeister auf seiner Facebook-Seite zu der erneuten Verzögerung. Gegenüber dieser Zeitung räumte er auch Versäumnisse bei der Vermittlung ein: „Wir hätten das klarer kommunizieren müssen“.
Aus Sicht des Verwaltungschefs wäre es aber „nicht redlich“, zum gegenwärtigen Zeitpunkt verbindlich an einem Eröffnungstermin während der Sommerferien festzuhalten oder einen neuen Termin zu nennen. „Unser Ziel ist es jetzt, schnellstmöglich zu eröffnen“, so Kruithoff. Er wollte sich aber nicht darauf festlegen lassen, wann das sein könnte. Bei der Baustellenbegehung habe man sich darauf verständigt, „auf Sicht zu fahren“. Die Stadt, die Planer und der Förderverein des Bades würden alles tun, um möglichst schnell in einen Probebetrieb gehen zu können.
„Es war die letzte Chance“
Kruithoff bekräftigte, dass die Entscheidung zur Sanierung des Bades vor seinem Amtsantritt im November 2019 gefallen sei, er aber nach wie vor „überzeugt von der Idee eines Freibades in diesem Stadtteil“ sei. Mit der Förderung des Bundes sei „die letzte Chance“ ergriffen worden, die Sanierung in Angriff zu nehmen.“
Es ist nicht die erste Verzögerung. Das Bad war 2017 aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel geschlossen worden. Im Oktober des gleichen Jahres war man noch optimistisch, dass 2018 wieder geschwommen werden kann. Nach langen Diskussionen und mehreren Verschiebungen wurde tatsächlich aber erst im Februar des vergangenen Jahres mit der Sanierung begonnen. Ursprünglich waren mal 2019 und 2020 auch als Beginn im Gespräch gewesen.
Verschiebung reiht sich an Verschiebung
Ebenso war mal der Juni 2022 als Fertigstellungstermin angedacht. Nach dem Beginn der Sanierung war die Wiederöffnung mehrmals verschoben worden. Zunächst waren das Pfingstwochenende dieses Jahres und später die Sommerferien genannt worden.
Die Kosten für die Sanierung belaufen sich mittlerweile auf etwa vier Millionen Euro. Der Stadtrat hatte zuletzt im März einen „Nachschlag“ von 400.000 Euro unter anderem für eine neue Filteranlage bewilligt. Ursprünglich hatte die Stadt rund 3,3 Millionen Euro für das Vorhaben veranschlagt.
Im Dezember 2021 gab die Politik weitere 260.000 Euro frei, nachdem auch der Bund eine zweite Förderung für die Erneuerung der Technik bewilligt hatte. Insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro fließen als Zuschüsse vom Bund. Berlin bewilligte die Fördermittel in zwei Chargen, die erste im Jahr 2019, die nächste zwei Jahre später.