Im Ausland gefasst Prozess gegen mutmaßliche Wiesmoorer Drogen-Verpacker geht los
Nächste Woche soll der erste Wiesmoorer Drogen-Prozess sein Ende finden – und schon steht der nächste an. Auf der Anklagebank: zwei Männer, deren Spuren in einem Ex-Bauernhaus gefunden worden.
Aurich/Wiesmoor - Kurz bevor in der kommenden Woche der erste Wiesmoorer Drogenprozess zu Ende gehen soll, steht der nächste schon in den Startlöchern: Ab Ende Juni stehen zwei 35 und 40 Jahre alte Männer vor Gericht, die in einem ehemaligen Bauernhaus an der Wiesmoorer Hauptstraße beim Verpacken von Cannabis mit angepackt haben sollen. Nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Aurich hat die Staatsanwaltschaft Ende März Anklage erhoben – und die sei unverändert zugelassen worden. Das Verfahren führen wird die 2. Große Strafkammer des Landgerichts.
Anders als im aktuell laufenden Verfahren gegen Christian Rademacher-Jelten und einen seiner Geschäftspartner wird der Schwerpunkt nicht auf der im Mai vergangenen Jahres in einem Ex-Autohaus gefundenen Hanfplantage liegen, sondern auf dem Bauernhaus auf einem ehemaligen Gärtnerei-Gelände. Dort hatten Beamte nach der Durchsuchung der Plantage bereits verkaufsfertig verpackte Drogen gefunden. Angaben der Staatsanwaltschaft Aurich zufolge befanden sich dort insgesamt 45 Kilogramm Marihuana in Ein-Kilo-Säcken.
Auslieferung nach Europäischem Haftbefehl
In dem Gebäude hatten zwei bereits zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilte – und am Bundesgerichtshof in Revision gegangene – Männer gelebt, während sie sich als Gärtner um die Cannabis-Pflanzen in der Plantage gekümmert hatten. Doch die Ermittler fanden in dem Bauernhaus nicht nur Spuren dieser beiden Männer, sondern auch von drei weiteren Personen – darunter die beiden, die ab Ende Juni vor Gericht stehen werden. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft die drei Verdächtigen nicht fassen können, doch Ende vergangenen Jahres ging einer den Ermittlern doch ins Netz.
Nachdem ein Europäischer Haftbefehl erlassen worden war, nahm die spanische Polizei den Mann im Dezember fest und lieferte ihn nach Deutschland aus. Von den anderen beiden Männern fehlte jedoch weiterhin jede Spur, bis wenigstens einer von ihnen doch noch in Deutschland gefasst werden konnte. Das ermöglicht den jetzt anstehenden Prozess am Auricher Landgericht. Los geht er am Freitag, 23. Juni, um 9 Uhr. Weitere Termine sind für den 28. Juni, den 5. Juli, den 19. Juli und den 9. August angesetzt.
Hanf stammt nicht aus Wiesmoorer Plantage
Die Verbindung zwischen dem Bauernhaus und der Cannabis-Plantage im ehemaligen Autohaus sieht die Staatsanwaltschaft einerseits bei den Hanfgärtner, die in einem Gebäude lebten und im anderen arbeiteten, und bei in den beiden Gebäuden gefundenen Gegenständen, andererseits aber auch in der Person Rademacher-Jelten. In seinem Plädoyer im aktuell laufen Drogenprozess sagte Oberstaatsanwalt Helge Ommen, dass er davon überzeugt sei, dass der Wiesmoorer Geschäftsmann den Drogenhändlern Ex-Autohaus und Ex-Bauernhaus zeitgleich zur Verfügung gestellt habe.
Das in dem ehemaligen Bauernhaus in Säcken gefundene Cannabis stammte allerdings nicht aus der Wiesmoorer Plantage: Die Ermittler waren zu dem Schluss gekommen, dass die zum Zeitpunkt der Durchsuchung in voller Blüte stehenden Pflanzen zuvor noch nicht abgeerntet worden waren. Der Rechtsanwalt eines ehemaligen Geschäftspartners von Rademacher-Jelten, der bereits gestanden hat, als Vermittler tätig gewesen zu sein, hat vermutet, die Drogen könnten aus Gütersloh stammen. Dieser Vermutung hatte Ommen allerdings während des Prozesses eine Absage erteilt.
Angeklagter wird für 30.000 Euro aus dem Gefängnis entlassen
Cannabis-Plantage fällt Polizei bei erster Razzia nicht auf