Geld mit PV verdienen Grundstücke auf dem Dorf sind groß – reicht das für kleine Solarparks?
Auf dem Land sind die Grundstücke gern mal größer. Solarenergie boomt: Kann man auch mit einem Hektar mitmischen?
Rheiderland - Genug Strom für halb Leer könnte bald mit einem großen Solarpark nah der A31 produziert werden. Aber müssen es immer gleich mehr als 100.000 Quadratmeter sein? Viele Eigenheimbesitzer, die auf dem Land leben, haben große Grundstücke. Wir wollten wissen, ob man auch mit ein, zwei Hektar beim Solar-Boom mitmischen kann.
Was und warum
Darum geht es: Das Landleben hat viele Vorzüge, einer davon ist Platz. Derzeit sind Solarparks in aller Munde. Kann man da auch mit einem Hektar mitmischen?
Vor allem interessant für: diejenigen mit einem großen Grundstück
Deshalb berichten wir: Wir haben nachgehakt, ob es immer gleich Hunderte Hektar sein müssen, wenn man Land für Solarpaneelen verpachten möchte. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Lohnt sich eine PV-Anlage auf einem Hektar?
Nicht wirklich. Es brauche ein aufwändiges Planungsverfahren zur Baurechtschaffung und teilweise hohe Kosten für die Netzanbindung, erklärt Dominik Pfeifer, Projektentwickler Projekte Deutschland, IBC Solar. Das ist das Unternehmen, das den großen Solarpark in Holtgaste und Bingum bauen würde.
Eine gewisse Mindestgröße der Flächen sei notwendig, sagt er. Diese liege bei seinem Unternehmen beispielsweise aktuell bei rund fünf Hektar. Eine Online-Suche ergibt, dass das bei einer Reihe Unternehmen so ist. Es finden sich aber auch Ausreißer: Bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG werden Flächen ab einer Größe von 20 Hektar gesucht, das Unternehmen Solar Direktinvest sucht allerdings ab einem Hektar, auch Sonnenfarmen tue dies laut der Internetseite, um ein paar zu nennen.
Ist es möglich, das Grundstück trotz PV zu nutzen?
Eine Fläche, die mit einer Photovoltaikanlage bebaut wird, wird damit zur Industriefläche, sagt Pfeifer. „Eine landwirtschaftliche Nutzung ist damit sowohl seitens des Tierwohls als auch aus der Sicht des Baurechts ausgeschlossen.“ Nur eine extensive Flächenpflege ist erlaubt – mit anderen Worten: Schafbeweidung.
Es gibt allerdings auch eine Variante des Solarparks, der sich mit der Landwirtschaft verbinden lässt: Agri-PV heißt das. Dafür gebe es derzeit rechtlich allerdings keine einheitliche Regelungen, so Pfeifer. Fest stehe aber, dass man Dünger und Pflanzenschutzmittel nur auf landwirtschaftlichen Flächen benutzen dürfe, also dürfe nichts davon innerhalb eines Solarparks ausgebracht werden.
Wie profitieren Verpächter vom Solarpark?
Wer das Land besitzt, muss nicht den auch gleich einen Solarpark besitzen. Der Vorteil ist, dass man auch „nur“ das Grundstück zur Verfügung stellen kann: Der Verpächter erhält eine Pachtzahlung als fixe Vergütung oder eine von der Stromerzeugung abhängige Umsatzbeteiligung, und profitiert somit direkt von der Stromerzeugung“, erklärt Pfeifer. Eine langfristige Verpachtung sei für den Eigentümer mit wenig Aufwand und einer hohen Sicherheit verbunden.
Wenn man allein nicht auf fünf Hektar Fläche kommt, gibt es trotzdem einen Weg, für einen „kleineren“ Solarpark in Frage zu kommen: „Eine Möglichkeit wäre, sich mit anderen Flächeneigentümern zusammenzuschließen, um eine möglichst große Fläche verpachten zu können“, schlägt Pfeifer vor.
Natürlich wäre es auch immer eine Idee, eine PV-Anlage „auf dem eigenen Dach oder Garagen- oder Hallendächern“ zu installieren. Das sei sowohl für Süd-, als auch für Ost-West-Dächer lohnend. „Eine weitere Möglichkeit sind Bürgersolarparks, die beispielsweise von einer Energiekommune oder der eigenen Gemeinde betrieben werden.“ Oft biete sich dabei die Chance, sich als Einwohner finanziell an einem solchen Park zu beteiligen.
Sucht denn noch jemand Flächen?
In der Stadt Leer zum Beispiel ist ein Fachbüro auf der Suche nach Flächen für Solar- und Windkraft. Den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr wurde Anfang Mai ein Zwischenstand vorgestellt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einem Beschluss aus dem Februar des vergangenen Jahres folgend, möchte die Stadt den Bürgern die Möglichkeit geben, sich finanziell an möglichen Wind- oder Solarparks zu beteiligen. Wenn die geeigneten Flächen schon bekannt würden, könnten andere Investoren der Stadt zuvorkommen und sich die Grundstücke sichern, habe es geheißen. Mitgeteilt wurde, dass es in Teilbereichen des Stadtgebietes noch potenzielle Flächen für Windparks und Bereiche für größere Photovoltaik-Freiflächenanlagen gibt.
Auch in der Stadt Papenburg wird geschaut, welche Flächen man für PV-Anlagen nutzen könnte: Dafür wurde ein Online-Formular des Energieunternehmens Ansvar2030 ausgesucht. Darüber können Grundstückseigentümer ihr Interesse hinterlegen. Die Stadtverwaltung erhalte so einen Überblick über die gesamtstädtischen Flächen, auf denen der Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik unter der Zustimmung der Eigentümer und Eigentümerinnen strategisch weiter vorangebracht werden kann, heißt es in einer Mitteilung.