Wochenglosse Vom Schrecken der Strände zum Musterschüler auf Reisen
Vom einst gefürchteten Touri mit schlechten Manieren sind Deutsche zu Lieblingsgästen mutiert. Wie konnte das nur passieren? Eine Glosse.
Einst gefürchtet, ist der deutsche Urlauber im Ausland zur Randfigur in Goretex und Fahrradhelm geworden. Längst haben andere Nationen uns in Sachen vorlauten Benehmens und Dreistigkeit beim Handtuchausbreiten den Rang abgelaufen. In Frankreich sind wir zusammen mit Japanern gar die beliebtesten Touristen – wie konnte das passieren? Selbst unser Erfolgsmodell, verwöhnter Teenager mit Kopfhörer, wurde von anderen nicht nur kopiert, sondern übertroffen. Es ist ein Trauerspiel.
Was bleibt, ist das motzige E-Bike
Wer glaubt, mit einem SUV angeben zu können, war noch nie in England. Andere Völker können wir gerade noch mit motzigen E-Bikes ausbrunzen. Aber neben Pariser Radfahrern wirken selbst unsere besten Rüpel wie Musterschüler. Früher ein Muster an Knickrigkeit beim Trinkgeld, sind Deutsche inzwischen generös und entsprechend willkommen. Dafür akzeptieren die Gastgeber, dass wir Vorträge über richtige Mülltrennung halten, obwohl wir die selbst blöd finden. Vielleicht schaffen wir es, einen Teil des einst legendär schlechten Rufs zurück zu bekommen, wenn wir uns über das viele Plastik im Hotel aufregen. Aber wenn sogar mehr Italiener als Deutsche in Birkenstocksandalen herumlatschen, können wir echt einpacken. In Koffer, die überall im Weg stehen. Wenigstens das!
Den Autor erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de