Krummhörner Grundschulen und Kitas Kurze Wege, kurze Beine oder doch lange Wege, kurze Beine?
An diesem Donnerstag soll der Rat der Gemeinde Krummhörn die Weichen stellen: Wie soll sich die Grundschul- und Kitalandschaft entwickeln?
Krummhörn - Wird der Gemeinderat an diesem Donnerstag die Weichen für die Grundschulen und Kitas in der Gemeinde stellen – oder wird die Entscheidung wieder vertagt? Unter der Hand will niemand so richtig wetten. Eine weitere Vertagung erscheint zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Auch ungewiss ist, welche der Varianten, die im Raum stehen, schlussendlich gewählt werden.
Was und warum
Darum geht es: um die Geschichte der Bedarfsanalyse in der Krummhörn und die (wahrscheinlich) anstehende Entscheidung
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich dafür interessieren, wie viele Kitas und Grundschulen es künftig in der Krummhörn geben wird
Deshalb berichten wir: Am Donnerstag befasst sich der Gemeinderat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause mit dem Gutachten zur Schulen und Kitas. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Der Gemeinderat tagt an diesem Donnerstag, 6. Juli, ab 18.30 Uhr in der Mensa der IGS Krummhörn, Bunter Weg 15 in Pewsum. Die Sitzung ist öffentlich. Die Entscheidung zu den Grundschulen und Kitas steht weit vorne auf der Tagesordnung. Es ist die letzte Sitzung vor der politischen Sommerpause.
Klar ist: Niemand macht sich die Entscheidung leicht. Weder die Befürworter der Biregio-Variante, die eine Schließung und Umwidmung der Grundschulen Greetsiel und Loquard sowie mehrerer Kitas (jetzige Kita Greetsiel, Groothusen, Kita Loquard, Manslagt und Uttum) zur Folge hätte, nNoch die Befürworter der CDU/SWK- oder Politik-Variante. Die sieht vor, nur die Grundschule Jennelt zu schließen und als Krippenstandort zu nutzen, alle anderen Grundschulen und Kitas aber unangetastet zu lassen.
Investitionen im zweistelligen Millionenbereich
Diskussionen hatten sich zuletzt vor allem aufgrund der Investitionssummen ergeben. Das Gutachterbüro Biregio hatte die Politik-Variante geprüft, aber unterschiedliche Zahlen ausgegeben. Mal war so die Biregio-Variante günstiger, mal war es die Politik-Variante. Aber so oder so werden Investitionen im zweistelligen Millionenbereich nötig.
Auch hatte die Politik zuletzt Bedenken, in dieser Sache eine Entscheidung zu treffen, ohne die neue Kita-Vereinbarung zwischen Landkreis und Kommunen zu kennen. Diese liegt nun vor, den Beitritt zur Erklärung hatte der Bildungsausschuss aber vertagt. An diesem Donnerstag steht das Thema aber wieder auf der Tagesordnung des Rates.
Kommt ein Bürgerbegehren?
Unbekannt ist: Wie werden die betroffenen Einrichtungen und Eltern reagieren? Die Umsetzung der Entscheidung, unabhängig von der Variante, wird laut Biregio rund zehn Jahre dauern. Die jetzigen Eltern, die ihre Kinder in den Grundschulen und Kitas haben, sind also direkt gar nicht mehr betroffen. Dennoch formt sich, später, Protest. Die Elternvertretungen der Grundschulen Greetsiel und Loquard haben ein Bürgerbegehren angekündigt, sollte die Umwidmung der beiden Grundschulen zu Kitas erfolgen.
Zwischen den Zeilen schließt mittlerweile auch die BI Jennelt ein Bürgerbegehren nicht aus, sollte die Grundschule Jennelt geschlossen und zur Großkrippe umgebaut werden. Ein mögliches Bürgerbegehren wurde erstmals von der CDU im Gemeinderat ins Gespräch gebracht. Das auch vor dem Hintergrund, dass CDU und SWK „ihre“ Variante durch Biregio falsch dargestellt sehen.
Sollte es zum Bürgerbegehren kommen, könnte die getroffene Ratsentscheidung wieder gekippt werden. Dies wäre für die Dauer von zwei Jahren bindend.
Wer wusste wann was?
Kritik wurde seit Beginn der sogenannten Bedarfsanalyse immer wieder in Richtung Gemeindeverwaltung laut. Diese hatte die Details des Gutachtens von Biregio zusammen mit der Politik lange unter Verschluss gehalten.
So merkten auch die Elternvertreter aus Loquard und Greetsiel an, dass man sich schlecht informiert gefühlt habe. Lange war zudem nicht klar, wer genau an welcher nicht-öffentlichen Informationsveranstaltung teilgenommen hat.
Auf Nachfrage dieser Zeitung hat Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) nun mitgeteilt:
An der ersten Veranstaltung am 13. Januar, die sich nur an die Grundschulen gerichtet hat, wurden eingeladen und haben teilgenommen: Schulverantwortliche (Leitung, Kollegium), Elternvertretung, Bürgerinitiative, Mitglieder Bildungsausschuss, Biregio, Verwaltung.
An den Info-Veranstaltungen zur Bedarfsanalyse am 26. und 27. Januar hätten teilgenommen: Schulverantwortliche, (Leitung, Kollegium), Kita-Leitungen, Elternvertretung, Bürgerinitiative, Ratsmitglieder, Biregio, Verwaltung.
Eine Anwesenheitsliste habe man nicht geführt, so Looden. Die Verwaltung geht aber davon aus, dass die besagten Akteure auch teilgenommen haben. Alle weiteren Klausurtagungen und Infoveranstaltungen mit Ausnahme der Bereisung fanden ohne Einrichtungs- und Elternvertreter statt.
Die Geschichte der Bedarfsanalyse
- Beschlossen wurde die Erstellung der Bedarfsanalyse am 8. Dezember 2021. Der jetzige Gemeinderat beschloss damals eine Begutachtung der Grundschullandschaft in der Gemeinde auf seiner zweiten Ratssitzung. Hintergrund war die seit Jahren schwelende Diskussion um die Zukunft der Grundschule Jennelt.
- Im Februar 2022 wurde seitens der Politik, genauer der SWK, die Forderung nach einer Begutachtung der Kita-Landschaft laut. Dieser Punkt wurde kurz danach mit beauftragt.
- Am 25. März vergangenen Jahres wurde Biregio mit der Erstellung der beiden Bedarfsanalysen beauftragt. Im September gründete sich die Bürgerinitiative zum Erhalt der Grundschule Jennelt.
- Im Januar dieses Jahres lagen die Ergebnisse des Gutachtens vor und zuvor genannte nicht-öffentliche Infoveranstaltungen fanden statt. Im Februar sollten die Ergebnisse erstmal im Fachausschuss für Bildung öffentlich vorgestellt werden. Dies wurde wegen „weiteren Gesprächsbedarfs“ verschoben. Klar war zu diesem Zeitpunkt aber schon: Die Kitas, speziell die Betreuung von Kindern unter drei Jahren,sind die größere Herausforderung für die Krummhörn als die Grundschulen.
- Ende Februar veröffentlichte die Gemeinde einen Beschlussvorschlag für den Bildungsausschuss, der den jetzigen Biregio-Vorschlag befürwortete. Zu diesem Zeitpunkt stand eine weitere nicht-öffentliche Klausurtagung der Politik noch aus. Das „Vorpreschen“ der Gemeindeverwaltung sorgte für Kritik seitens der Politik.
- Anfang März, nach besagter Klausurtagung, wurden dann erstmals Teile der Bedarfsanalyse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt – ohne Schlussfolgerungen und ohne Darstellung der Varianten. Im April fand dann eine Bereisung aller Grundschul- und Kitastandorte zusammen mit Biregio, Verwaltung und Politik statt.
- Am 28. April wurde dann erstmals die Politik-Variante öffentlich im Bildungsausschuss besprochen. Seitdem sind nur noch die Biregio- und die Politik-Variante in der Diskussion.
- Ende Mai sprach sich der Bildungsausschuss der Gemeinde mehrheitlich für die Biregio-Variante aus. Zuvor gab es eine weitere interne Klausurtagung zu dem Thema.
- Die Ratsentscheidung im Juni wurde dann plötzlich aufgrund von „weiterem Gesprächsbedarf“ verschoben.
- Am 28. Juni fand eine weitere interne Veranstaltung zwischen Biregio, Verwaltung und Politik statt.Ähnliche ArtikelGrundschulen und Kitas vor dem Aus
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